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Therapien zur Behandlung der Schlafstörungen umfassen psychologische, somatische und medikamentöse Verfahren.
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Univ. Prof. Dr. Bernd Saletu Schlaflabor Rudolfinerhaus und MedUni Wien

 
Allgemeinmedizin 1. Dezember 2010

Schlafstörungen im Alter – genderspezifisch betrachtet

Häufig, vielfältig und folgenschwer.

Die häufigsten Schlafstörungen im Alter sind schlafbezogene Atmungsstörungen (SBA), Restless-Legs-Syndrom (RLS), periodische Bewegungsstörungen der Gliedmaßen (PLMD), REM-Schlaf-Verhaltensstörungen, Insomnien und zirkadiane Rhythmusstörungen.

 

Schlafstörungen nehmen im Alter signifikant zu. Bis zum 30. Lebensjahr leiden 13 Prozent, vom 31. bis zum 50. Lebensjahr 21Prozent und über dem 50. Lebensjahr 42 Prozent der Österreicher darunter. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Ursachen sind Veränderungen der Schlafarchitektur (S1, S4), Zunahme der nächtlichen Wachzeit und Aufwachanzahl, erhöhtes Risiko für „primäre“ Schlafstörungen, Verschiebungen des zirkadianen Rhythmus sowie psychische, medikamentös induzierte und physische Störungen.

Atmungsstörungen

Schlafbezogene Atmungsstörungen dominieren bei Männern (Männer : Frauen = 2:1) und sind durch Symptome wie lautes und unregelmäßiges Schnarchen und exzessive Tagesmüdigkeit gekennzeichnet. Der mittels Polysomnographie (PSG) messbare Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) steigt von zwei Prozent (Frauen) bis vier Prozent (Männer) zwischen dem 30. und 60 Lebensjahr auf 51–56 Prozent zwischen dem 60. und 98. Lebensjahr steil an. Folgeerkrankungen sind mannigfaltig und umfassen unter anderem Herzrhythmusstörungen, Hypertonie, Herzinfarkt, Schlaganfall. Therapien beinhalten konservativmedizinische, pharmakologische, HNO-, zahnmedizinische und pneumologische Interventionen.

Restless Legs

Das Restless-Legs-Syndrom hat eine Prävalenzrate von fünf bis zehn Prozent, wobei Frauen 1,5 Mal häufiger betroffen sind als Männer. Die subjektiven Beschwerden steigen ab dem 60. Lebensjahr steil an. Polysomnographisch finden sich bei über 90 Prozent periodische Beinbewegungen im Schlaf, die auch als eigenständige Krankheit, periodische Bewegungsstörungen der Gliedmaßen, bei über 45 Prozent der älteren Erwachsenen (vs. 5–6 % bei jüngeren) auftreten. Die Therapie umfasst dopaminerge, antikonvulsive und opioiderge Strategien.

Gestörter REM-Schlaf

REM-Schlaf-Verhaltensstörungen sind prävalent bei älteren Männern und werden mit Clonazepam, Melatonin, Schlafhygiene und verletzungsvorbeugenden Maßnahmen behandelt.

Insomnien

Insomnien unterteilt man in primäre und komorbide bei psychischen Störungen, Medikamenten- und Substanzgebrauch und -missbrauch und bei organischen Krankheiten sowie Insomnien in Verbindung mit einem unregelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und Syndrom der vorverlagerten Schlafphase. Primäre Insomnien haben eine Prävalenzrate von ein bis zwei Prozent in der Bevölkerung und zehn bis 15 Prozent bei Schlafgestörten und treten bei Frauen häufiger auf. Ebenso sind komorbide Insomnien mit psychischen Störungen (wie neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen sowie affektiven Erkrankungen) bei Frauen häufiger. Komorbide Insomnien bei Medikamenten- und Substanzgebrauch und -missbrauch sowie bei organischen Erkrankungen sind nicht geschlechtsspezifisch. Organische Schlafstörungen treten in Zusammenhang mit akutem und chronischem Schmerz, kardiovaskulären, respiratorischen, gastrointestinalen, endokrinologischen, Nieren-, urogenitalen und neurologischen Störungen auf. Eigene Schlaflaboruntersuchungen zeigten bei menopausaler Schlafstörung eine signifikante Überlegenheit von HRT gegenüber Placebo hinsichtlich subjektiver Schlafqualität und SBA.

Zirkadiane Rhythmusstörungen

Zirkadiane Rhythmusstörungen sind nicht genderspezifisch, mit Aktigraphie objektivierbar und mit chronobiologischen Behandlungsmethoden, wie Lichttherapie, effektiv behandelbar.

Konklusion

Schlafstörungen im Alter sind häufig, vielfältig und folgenschwer. Die Diagnose beruht auf subjektiven und objektiven Messverfahren, wobei oft erst Letztere zeigen, dass mehrere Schlafstörungen gleichzeitig vorliegen. Therapien umfassen psychologische, somatische und medikamentöse Verfahren, wobei es klinische und, idealerweise, polysomnographische Verfahren ermöglichen, eine eine individuelle Therapie nach einem Schloss-Schlüssel-Prinzip zu finden.

 

Die Autoren sind an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien sowie am Schlaflabor Rudolfinerhaus in Wien tätig.

Von Univ. Prof. Dr. Bernd Saletu, Univ. Doz. Dipl.-Ing. Dr. Peter Anderer und Univ. Prof. Dr. Gerda Maria Saletu-Zyhlarz, Ärzte Woche 48 /2010

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