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Allgemeinmedizin 9. November 2010

Winterzeit abschaffen!

Der britische Forscher Dr. Mayer Hillman schlägt vor, die Sommerzeit zur Normalzeit zu machen – nicht, um Energie zu sparen, sondern zwecks Gesundheitsförderung.

Die Sommerzeit abschaffen, den Arbeitsbeginn der individuellen Chronobiologie anpassen, zur Mittagszeit Schlafpausen einlegen – es gibt viele Vorschläge zur besseren Strukturierung der Zeit. Neu ist jetzt die Idee eines Forschers des Londoner Policy Studies Institutes (PSI, University of Westminster), bei der Sommerzeit zu bleiben.

 

„Wir sollten die Sommerzeit weiterführen und im Frühling die Uhr zusätzlich um eine Stunde nach vorne stellen. Das wäre die billigste Gesundheitsmaßnahme“, behauptet Dr. Mayer Hillman, der sich in seiner Studie allerdings speziell auf Schottland bezieht. Chronobiologen können dem Vorschlag – zumindest für die deutschsprachigen Länder – nichts abgewinnen.

Freie Stunden bei Tageslicht

Den Vorteil eines Beibehaltens der Sommerzeit sieht Hillman darin, dass damit die verfügbaren Stunden mit Tageslicht steigen und Menschen mehr Zeit im Freien verbringen. „Die meisten Aktivitäten im Freien kann man nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr machen. Viele haben Angst, bei Dunkelheit noch hinauszugehen, und auch Kinder dürfen dann oft nicht mehr draußen spielen.“ Fehlende Aktivität im Freien führe zu weniger Bewegung, einer der Hauptursachen für chronische Krankheiten. Beginne der Tag im Winter eine Stunde früher, so würden davon vor allem die Jüngsten und ältere Menschen profitieren.

Pro Jahr würde diese Verschiebung der Abenddämmerung nach hinten schottischen Erwachsenen 300 zusätzliche Stunden für mögliche Aktivitäten im Freien bescheren, Kindern 200. Neben der Körpergesundheit hätte das auch Vorteile für die Psyche, zudem würden nach Ansicht des Expertten Straßenunfälle, Kriminalität und Stromverbrauch sinken, und Großbritannien würde Zentraleuropa nicht mehr wie bisher um eine Stunde nachhinken. Entsprechende Parlamentsvorschläge sind allerdings schon 1995 und 2006 nicht durchgegangen.

Keine gute Idee

Diesem Vorschlag kann Prof. Dr. Christian Cajochen, Leiter des Zentrums für Chronobiologie der psychiatrischen Universitätsklinik Basel, nicht zustimmen. Biologisch wichtiger als Freizeit vor der Abenddämmerung sei das Aufstehen mit der Morgensonne. Den Tag eine Stunde vorzuverlegen ist laut Cajochen daher kontraproduktiv für die Gesundheit. „Besonders Schüler stehen schon jetzt viel zu früh auf. Das erkennt man auch daran, dass sie am Wochenende oder in den Ferien automatisch länger schlafen, wozu es gar keinen Diskothekbesuch am Vorabend braucht.“

Im Gegensatz zum Sommerzeit-Beginn im Frühling ist die Rückkehr zur Normalzeit für die meisten problemlos. „Eine Stunde länger zu schlafen ist bequem. Zumindest für einige Wochen gibt es morgens plötzlich wieder Licht. Zudem rotiert der Rhythmus dabei vorwärts statt nach hinten, was für den Organismus leichter zu verkraften ist. Nur extreme Frühaufsteher sind schon zu früh wach“, so Cajochen. Kaum Bedeutung hat die Sommerzeitregelung übrigens für das einst beabsichtigte Energiesparen. Die Vorverlegung der Hauptheizzeit kostet mehr Energie, als Strom für Beleuchtung gespart wird.

Hillman, M.: Making the most for daylight hours – The implications for Scotland: www.psi.org.uk/pdf/2010/ SCOTLAND_DAYLIGHT_FINAL_v4.pdf

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