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Allgemeinmedizin 27. Oktober 2010

Gewalt gegen Frauen hat Spätfolgen

Traumatische Erlebnisse können physisch und psychisch krank machen.

Anlässlich der 10. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft (20. Oktober bis 3. November 2010) wurde ein heikles Thema angesprochen: Für die moderne Schmerzmedizin steht fest, dass Gewalterfahrungen auch einen Einfluss auf die Entwicklung von chronischen Schmerzen haben können, wie ÖSG-Präsident Prof. Dr. Wilfried Ilias sagte.

 

„35 bis 50 Prozent aller Patientinnen mit chronischen Schmerzsyndromen haben in der Vergangenheit Erfahrungen wie sexuellen Missbrauch, Misshandlungen, emotionale Vernachlässigung, Entwertung oder – vor allem bei Asylbewerbern – von kriegerischen Auseinandersetzungen gemacht“, erklärte Prof. Dr. Wilfried Ilias, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft und Leiter der Abteilung Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie des Krankenhauses Barmherzige Brüder in Wien. Gewalterfahrungen sind in Studien mit chronischen Schmerzen assoziiert: Rückenschmerzen (35–50 %), Schmerzen im Gesichts- und Kieferbereich (45–50 %), Fibromyalgie (55–60 %), Unterleibsschmerzen (über 50 %).

Leitfaden hilft Gewalt erkennen

„Für Ärzte ist es wichtig, hier neue Wege zu finden und erlebte Gewalterfahrungen ihrer Patientinnen in die Therapie mit einzubeziehen“, so Ilias. „Daher sollten Ärzte auch lernen, entsprechende psychologische und psychotherapeutische Analytik und Therapie zumindest zu kennen und wenn möglich auch anzuwenden.“

Das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) hat unter Mitwirkung der ÖSG die Initiative ergriffen. So wurde ein Leitfaden für die Versorgung gewaltbetroffener Frauen erstellt. Dieser Leitfaden erklärt, wie Anzeichen von Gewalt erkannt werden können, er gibt auch Ratschläge für die Gesprächsführung, Beratung und Intervention.

Anzeichen für das Vorliegen häuslicher Gewalt können sein:

  • Die Patientin wirkt ängstlich, verschüchtert, meidet Blickkontakt
  • Sie versucht Verletzungen zu verdecken oder herunterzuspielen
  • Erklärungen zum Entstehen der Verletzung stimmen nicht mit Art/Lage der Verletzung überein. Erklärungen sind lückenhaft/widersprüchlich
  • Begleitung durch überfürsorglichen oder aggressiven Partner, der darauf besteht, in der Nahe zu bleiben, oder Fragen an ihrer Stelle beantwortet
  • Der begleitende Partner ist verletzt, insbesondere an den Händen oder im Gesicht
  • Verschleppte Termine, unerklärlicher Zeitraum zwischen Verletzung und Aufsuchen medizinischer Hilfe
  • Wiederholte Besuche wegen verschiedener multipler Beschwerden
  • Besuch von Notfallambulanzen und Unfallstationen erfolgt nachts, am Wochenende bzw. außerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen.

 

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