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Allgemeinmedizin 1. September 2010

Was den Reizdarm beruhigt

Gut zu wissen, dass es einige Mittel gibt, die helfen. Und wenn nichts hilft, hilft oft die Zeit.

Manche haben Schmerzen und Krämpfe im Unterleib, andere Durchfall oder Verstopfung und wieder andere Völlegefühl und Blähungen. Ein Reizdarmsyndrom kann zu sehr unterschiedlichen Beschwerden führen. Obwohl die Darmerkrankung recht häufig ist, sind Behandlungen zur Linderung erst in den vergangenen Jahren besser erforscht worden. Daher hat das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nun Forschungsarbeiten zum Reizdarmsyndrom ausgewertet.

 

„Es kann immer noch passieren, dass Menschen mit Reizdarmsyndrom nicht ernst genommen werden, weil man ihr Problem für reine Kopfsache hält“, erklärt Prof. Dr. Peter Sawicki, der Leiter des IQWiG. „Doch auch wenn Stress die Probleme verstärken kann, ist das Reizdarmsyndrom eine Darmerkrankung. Sie kann starke Beschwerden verursachen, die das tägliche Leben beeinträchtigen und seelisch sehr belastend sind.“

Flohsamen statt Kleie

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass nicht alle für das Syndrom angebotenen Therapien helfen. Es gibt jedoch Behandlungen, die einen Versuch wert sind. „Mittel aus Flohsamen – einem löslichen Ballaststoff, der Wasser im Darm bindet – scheinen zum Beispiel nützlich zu sein“, so Sawicki. In Studien linderten sie die Beschwerden bei etwa einer von zehn Personen. Ob jemand Kleie zu sich nahm oder nicht, machte hingegen keinen Unterschied. Kleie ist ein unlöslicher Ballaststoff, der kaum Wasser bindet.

Auch Pfefferminzöl könnte die Beschwerden verringern – zumindest kurzfristig. In Studien ließen die Beschwerden bei vier von zehn Personen nach, wenn sie magensaftresistente Kapseln mit Pfefferminzöl einnahmen. Krampflösende Medikamente könnten ebenfalls Erleichterung bringen. „Allerdings kommt es auf den Krampflöser an“, so Sawicki. „Butylscopolamin ist ein in Deutschland zugelassenes Mittel, das die Beschwerden lindern könnte. Warum Mebeverin bei Reizdarmsyndrom verschrieben wird, lässt sich hingegen nicht aus den Studien ableiten. Für dieses Medikament ist nicht nachgewiesen, dass es hilft.“ Wer auf Arzneimittel verzichten möchte, kann eine Hypnosebehandlung probieren. Bei einer solchen Behandlung konzentriert man sich ganz auf eine bestimmte Vorstellung, die die Therapeutin oder der Therapeut vorgibt – etwa auf die Vorstellung, einen gesunden Darm zu haben. Die Forschung deutet an, dass auch von diesem Verfahren einige Menschen mit Reizdarmsyndrom profitieren könnten. Wenn die gewählte Therapie nicht die erhoffte Linderung bringt, hilft oft, eins zu wissen: „Bei vielen Menschen mit Reizdarmsyndrom verringern sich die Beschwerden mit der Zeit ganz von selbst“, stellt Sawicki fest.

 

www.gesundheitsinformation.de

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