zur Navigation zum Inhalt
Verbrennungen Diagnose, Therapie und Rehabilitation des thermischen Traumas Lars-Peter Kamolz, David N. Herndon, Marc G. Jeschke (Hrsg.) 251 Seiten, € 69,95 Springer WienNewYork 2009 ISBN 9783211798959
 
Allgemeinmedizin 6. Juli 2010

Brandgefährlicher Starkstrom

Unfälle mit elektrischem Strom können Gesundheit und Leben ernsthaft gefährden. Doz. Dr. Lars-Peter Kamolz, Zentrum für Schwerbrandverletzte an der MedUni Wien, ist immer wieder mit Opfern konfrontiert.

Unglücksfälle mit Starkstrom (über 1.000 Volt) können verheerende Auswirkungen haben. Auf dem Weg durch den Körper verursacht der Strom Herzrhythmusstörungen, ernsthafte Gewebeschäden und tiefgehende Verbrennungen. Dies kann einen langwierigen Heilungsprozess mit Narben, Amputationen und sogar den Tod zur Folge haben.

 

„Durch den Stromfluss können neben der Haut auch tiefer liegende Strukturen wie die Muskulatur, Nerven und Knochen geschädigt werden“, erklärt Doz. Dr. Lars-Peter Kamolz, Brandunfall-Experte und Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie (ÖGPÄRC).

Dank der modernen Medizin geht es bei der Therapie von schweren Brandverletzungen nicht mehr um das Überleben allein. Wesentliche Bedeutung haben die Lebensqualität und die Wiederherstellung von Funktionalität und Ästhetik der verletzten Körperstellen. Kamolz erklärt: „Wir führen am AKH Wien häufig eine kombinierte Rekonstruktion der Haut durch. Dabei kommt eine dermale kollagene Matrix in Kombination mit einem dünnen körpereigenen Hauttransplant zum Einsatz. Diese kombinierte Transplantation führt zu verbesserter Elastizität und Funktionalität und zu einem natürlicheren Aussehen der rekonstruierten Haut. Die Kollagenmatrix dient hierbei dem körpereigenen Gewebe als Gerüst zum Einsprossen, dadurch kommt es zu einer geordneten Neubildung von körpereigenem Gewebe und zur Ausbildung einer natürlicheren Haut. Die Kollagenmatrix wird im Laufe der Zeit komplett durch körpereigenes Gewebe ersetzt; ‚übrig‘ bleibt eine Haut, die der unverletzten Haut hinsichtlich Elastizität noch mehr entspricht.“

Gefahrenquellen für Unfälle mit Starkstrom sind Hochspannungsleitungen. Schon die Annäherung an ein Spannungsfeld, kann tödlich sein. Besonders Jugendliche, die aus Abenteuerlust auf Eisenbahndächer oder -brücken klettern, sind gefährdet.

Bei Unfällen mit Haushaltsstrom kommt es selten zu Gewebeschäden. Herzrhythmusstörungen und Bewusstlosigkeit sind hier die häufigsten Folgen. Es empfiehlt sich, FI-Schutzschalter anzubringen und diese wie freiliegende Kabel regelmäßig auf Beschädigungen zu überprüfen. Kinderschutzsteckdosen sollten in Haushalten mit Kleinkindern selbstverständlich sein.

 

Website der ÖGPÄRC: www.plastischechirurgie.org

Die Intensivstation für Brandverletzte des AKH Wien, die ÖGPÄRC und das Kuratorium für Verkehrssicherheit haben die Broschüre „Verbrennungen: Prävention und Erste Hilfe“ verfasst.
Download: www.brandverletzt.info

ÖGPÄRC/PH, Ärzte Woche 27 /2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben