zur Navigation zum Inhalt
Foto: photos.com
Wird der Zugang zu Studienergebnissen versperrt, leidet der Patient.
 
Allgemeinmedizin 8. Juni 2010

Verheimlichte Erkenntnisse

Das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) berichtet über 60 Fälle, in denen Ausbreitung von Wissen in der Medizin behindert wurde.

Hunderte von Artikeln aus Fachzeitschriften und andere Quellen wurden ausgewertet, unter anderem aus den Gebieten Psychiatrie, Schmerztherapie, Herz-Kreislauf-Medizin, Hautkrankheiten, Krebstherapie und Infektionskrankheiten. Entsprechend groß ist auch die Spannbreite der betroffenen Verfahren: Sie reicht von Arzneimitteln über Impfstoffe bis hin zu Medizinprodukten wie Ultraschallgeräten oder Hilfsmitteln zur Wundversorgung. Die Sammlung liest sich wie ein Skizzenbuch zu einer Krimiserie. In der Wissenschaft wird das Phänomen „publication bias“ genannt, zu Deutsch etwa „Verzerrung durch selektives Veröffentlichen“. Das kann dadurch geschehen, dass ganze Studien unveröffentlicht bleiben: So zeigt eine Analyse von 90 neu in den USA zugelassenen Medikamenten, dass diese in insgesamt 900 Studien erprobt worden waren. Aber auch fünf Jahre nach der Zulassung waren 60 Prozent dieser Studien noch nicht veröffentlicht. Manchmal werden auch nur ausgewählte Ergebnisse publiziert: in 40 bis 60 Prozent entsprechen Auswertungen nicht mehr dem ursprünglichen Studiendesign. „Dadurch werden Studienergebnisse oft positiver dargestellt als sie es eigentlich sind“, sagt Beate Wieseler, Stellvertretende Leiterin des Ressorts Arzneimittelbewertung im IQWiG. Dies betrifft nicht – wie man vermuten könnte – hauptsächlich pharmafinanzierte Studien, sondern auch Projekte, die durch Universitäten finanziert wurden. Das hat zur Folge, „dass Ärzte und Patienten Therapien einsetzen, die in Wahrheit nutzlos oder sogar schädlich sind“, sagt Wieseler. „Wir brauchen zum Schutz von Patienten gesetzliche Regelungen, damit Ergebnisse aller klinischen Studien zügig und vollständig veröffentlicht werden“, ergänzt Koautor Thomas Kaiser.

Quelle: McGauran, N. et al.: Trials 2010; 11: 37; doi:10.1186/1745-6215-11-37

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben