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Berstende Knochen sind nicht nur medikamentös zu heilen, daneben spielen Mobilität, Ernährung und präventive Maßnahmen eine wichtige Rolle.
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Prof. Dr. Elisabeth Preisinger Primaria des Instituts für Physikalische Medizin und Rehabilitation am Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel der Stadt Wien

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Dr. Karin Schindler Universitätsklinik für Innere Medizin III, Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel an der MedUni Wien

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Prof. Dr. Klaus Klaushofer Ärztlicher Direktor und Vorstand der 4. Medizinischen Abteilung am Hanusch-Krankenhaus, wissenschaftlicher und administrativer Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Osteologie

Fortbildung Osteologie 3 Peters, Klaus M.; König, Dietmar Pierre (Herausgeber) 144 Seiten, € 61,70 Springer Berlin, 2010 ISBN 9783642053849 Die Buchreihe „Fortbildung Osteologie“ beruht auf den Inhalten der osteologischen Seminare der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie/Orthopädische Chirurgie (DGOOC) zu ausgewählten Schwerpunktthemen. Die Themen von „Fortbildung Osteologie 3“ reichen von Skelettwachstum und Skeletterkrankungen des Heranwachsenden über Knochenkrankheiten bis zur Osteoimmunologie.n

Osteoporosis in Older Persons: Pathophysiology and Therapeutic Approach Duque, Gustavo; Kiel, Douglas P. 186 Seiten, € 149,75 Springer London , 2008 ISBN 9781846285158 Das Buch fasst das derzeitige Wissen rund um die senile Osteoporose zusammen und verbindet neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und klinische Praxis.n

 
Allgemeinmedizin 26. Mai 2010

Nur Medikamente gegen Osteoporose genügt oft nicht

Vorrang haben das Erkennen von Risikofaktoren, körperliche Aktivität und eine ausreichende und ausgewogene Ernährung.

30 Prozent der Patienten mit reduzierter Knochendichte erleiden Frakturen bei Bagatelltraumen. Die oft darauf folgende Immobilität und ungewollte Gewichtsabnahme führen zu weiterem Knochenabbau, verzögern den Heilungsprozess und erschweren die Rehabilitation. Neben medikamentöser Therapie sollten alte Menschen mit Osteoporose angehalten werden, körperlich aktiv zu sein und sich bedarfs- und bedürfnisgerecht zu ernähren.

 

Das fatale klinische Ereignis bei Osteoporose ist die Fraktur bei inadäquatem Trauma, auch pathologische Fraktur genannt. „Deshalb sollte man diese Erkrankung besser als Knochenbruch-Krankheit bezeichnen“, meint Prof. Dr. Klaus Klaushofer. Eine adäquate Therapie für diese Erkrankung soll daher einerseits die medikamentöse Behandlung der Osteoporose und andererseits die Sturz- und Traumaprävention beinhalten. Frühzeitiges Erkennen von Risikofaktoren sollte Ziel in der Praxis sein.

Risikoerfassung

Sorgfältige Risikoerfassung beinhaltet klinische Untersuchung und genaue Anamnese. Geachtet werden sollte dabei zuallererst auf Hinweise für das Vorliegen einer Osteoporose. Typisch dafür sind etwa vorausgegangene Frakturen, Größenabnahme um mehr als vier Zentimeter und Schmerzen. Des Weiteren sollen Erkrankungen, die mit einem höheren Osteoporose-Risiko einhergehen, den Arzt hellhörig machen. Mögliche therapieassoziierte osteoporotische Veränderungen, die vor allem bei Hormonersatzbehandlungen von Mamma- und Prostatakarzinom sowie länger dauernden Kortisonbehandlungen auftreten können, sollten berücksichtigt werden. Wirbelkörpereinbrüche können neben osteoporotischen und traumatischen Ursachen auch maligner Natur sein und erfordern daher in jedem Fall genaue Abklärung. Generelle Screening-Untersuchungen für die Knochendichte im Alter unter 65 Jahren bei Frauen und unter 70 Jahren bei Männern sind jedoch unbegründet.

Die richtige Information ist wichtig für die Vorbeugung

Die medikamentöse Therapie erfolgt neben einer ausreichenden Kalzium- und Vitamin-D-Substitution in erster Linie mit Bisphosphonaten. Falls eine Behandlung mit intravenösen Bisphosphonaten erforderlich ist, soll wegen des besseren Wirkungsnachweises und auch aus ökonomischen Gründen der einmal jährlichen intravenösen antiresorptiven Gabe der Vorzug gegeben werden. Falls unter Bisphosphonatbehandlung weitere Frakturen auftreten, kann eine knochenaufbauende Therapie mit Parathormon (täglich subkutane Injektion) eingeleitet werden. Des Weiteren ist die Zulassung neuer antiresorptiver Therapien in nächster Zeit zu erwarten und wird das therapeutische Spektrum für die Behandlung der Osteoporose erweitern. Im Sinne der Sturz- und Traumaprävention sollten die Patienten auch über protektiven Lebens- und Ernährungsstil informiert werden.

Fit bis ins hohe Alter

„Im zunehmenden Alter verliert der Körper physiologisch Knochenmasse. Immobilität und Inaktivität erhöhen diesen Knochenschwund“, erklärt Prof. Dr. Elisabeth Preisinger. Ein präventives Übungsprogramm muss daher zum Ziel haben, sich im Alltag schmerz- und sturzfrei zu bewegen. Unabhängigkeit bis ins hohe Alter wirkt dem Risikofaktor Immobilität entgegen. Muskelkräftigung, Training zur Verbesserung der Ausdauer, Erhaltung der Gelenksbeweglichkeit und der Körperbalance sind die wichtigsten Komponenten der Sturzvorbeugung. Das selbständige Erledigen des Haushaltes, der Einkäufe und Gartenarbeiten bis ins hohe Alter kann Teil der Knochenbruchprävention sein, wenn diese Arbeiten körperlich bewusst und ohne Sicherheitsrisiko durchgeführt werden.

Eine bedarfs- und bedürfnisgerechte Ernährung alter Menschen ist ein weiterer wesentlicher Beitrag zur Lebensqualität und Erhaltung einer dem Alter entsprechenden Leistungsfähigkeit. Der Energiebedarf sinkt zwar mit zunehmendem Alter, der Bedarf an lebenswichtigen Nährstoffen wie Eiweiß, Vitaminen und Mineralien bleibt jedoch unverändert. Für alte Menschen stellt sich daher laut der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Karin Schindler von der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Medizinische Universität Wien, oft das Problem, trotz kleinerer Portionen eine bedarfs- und bedürfnisgerechte Ernährung zusammenzustellen. Viele sind der Herausforderung nicht gewachsen, was dazu führt, dass bei geriatrischen Patienten Mangel- und sogar Unterernährung ein häufiges Problem darstellen. Alte Menschen werden dadurch zunehmend abhängig von fremder Hilfe, anfälliger für Infektionen und haben ein erhöhtes Sturzrisiko. Wichtig ist daher, die eingeschränkte Nahrungsaufnahme wahrzunehmen und die Gründe zu verstehen, um der damit vergesellschafteten höheren Mortalität entgegenzuwirken.

Von Ing. Dr. Birgit Brunflicker, Ärzte Woche 21 /2010

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