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Foto: Privat
 
Allgemeinmedizin 19. Mai 2010

Interview

„Wir suchen österreichische Kooperationspartner“

Die Ärzte Woche sprach mit Marlies Zurhorst, Vorsitzende des deutschen Vereins „Fatigatio e.V. (Bundesverband für chronisches Erschöpfungssyndrom). Zwischen 2000 und 2003 war die Deutsch-Lehrerin selbst von CFS (Chronic Fatigue Syndrom) betroffen und wechselte zu dieser Zeit zu Fatigatio. Seit 2008 ist Zurhorst Vorsitzende des Vereins und hat ihre Arbeit wieder aufgenommen. Seit vier Jahren betreibt sie sogar wieder Leistungssport (Schwimmen).

 

Welche Aktionen sind anlässlich des CFS-Tages in Österreich geplant?

ZURHORST: Gerne würden wir Aktionen durchführen, dafür bräuchten wir aber Kooperationspartner vor Ort. Leider hat sich die CFS-Selbsthilfegruppe in Österreich vor ein paar Jahren aufgelöst. Allerdings haben wir einen Online-Selbsttest auf www.fatigatio.de, gemäß den international anerkannten Kriterien zur Diagnose von CFS. Dieser Selbsttest hilft allfälligen Patienten, ihre Krankheit besser beurteilen zu können, und bietet eine Unterstützung für den Arztbesuch.

Besteht nicht die Gefahr, dass CFS mit Depressionen verwechselt wird?

ZURHORST: Hier sprechen Sie ein brisantes Thema an. Wir haben tatsächlich sehr mit diesem Missverständnis zu kämpfen. Auch viele Ärzte und Psychotherapeuten glauben dies und daher wird die Erkrankung in den Medien häufig falsch dargestellt. Die seriöse CFS-Forschung geht Wege im neuro-immuno-endokrinologischen Bereich. Hier geht es um das Thema Mitochondropathie. Die Schäden in den Mitochondrien können durch verschiedene Stressoren, wie falsche Ernährung, kurzfristige und langfristige virale und bakterielle Infektionen, starken psychische Stress und Umweltgifte verursacht werden. Die Ausbildung der Ärzte in den biochemischen Grundlagen unserer Körperfunktionen reicht oft nicht aus, um dies ganz zu verstehen. Da ist es einfacher, ohne detaillierte Untersuchungen eine Depression zu vermuten. Tatsache ist, dass depressive Verstimmungen ein Begleitsymptom der CFS sind.

 

Welche Fachärzte sind in der Lage, diese Krankheit zu diagnostizieren?

ZURHORST: Eine spezielle Fachrichtung, die sich mit CFS beschäftigt, gibt es nicht. Es sind eben nur einzelne Ärzte, die sich für das Thema interessieren und aus eigenem Antrieb ihre Kenntnisse vertiefen. Am ehesten sind das Ärzte, die Bereich Umweltmedizin und Immunologie arbeiten oder eine naturwissenschaftliche Zusatzausbildung haben.

 Das Gespräch führte Michael Strausz

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