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Allgemeinmedizin 21. Mai 2010

Erschöpfung ohne Pause

Eine der prominentesten CFS-Patientinnen war Florence Nightingale.

Um das schiefe Bild der chronischen Erschöpfung als Hypochondrie gerade zu rücken, findet seit 1993 am 12. Mai regelmäßig der Internationale CFS (Chronic Fatigue Syndrome)-Tag statt. Das Datum erinnert an den Geburtstag der englischen Krankenschwester Florence Nightingale. Sie litt seit ihrem 35. Geburtstag an dieser Erkrankung, die sie 50 Jahre ihres Lebens ans Bett fesselte.

Das CFS-Syndrom ist eine geistige und körperliche Erschöpfungsform, die mit Kopf-, Hals-, Gelenks- und Muskelschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen einhergeht. Die Erkrankung beginnt mit plötzlichen grippeähnlichen Symptomen und hält länger als ein halbes Jahr an. Die Betroffenen sind permanent erschöpft, sodass ihr Aktivitätsradius um mindestens 50 Prozent verringert ist und keine sonstigen Krankheiten (z.B. ein Herz- oder Schilddrüsenleiden, eine Tumorerkrankung oder eine Depression) dafür verantwortlich gemacht werden können. Ein Großteil, nämlich 80 Prozent der Betroffenen, sind Frauen. Laut Schätzungen gibt es alleine in Deutschland 300.000 Kranke, in den USA vier Millionen. Zumeist sind Menschen zwischen ihrem 25. und 45. Lebensjahr davon betroffen. Die Krankheit reißt die Patienten aus ihrem aktiven Leben, macht sie arbeitsunfähig und von Angehörigen sowie Sozialleistungen abhängig. Oft werden diese allerdings von den Behörden verweigert, weil die ärztliche Standardmeinung das Leiden häufig nicht als solches anerkennt und von einer relativ einfachen Rehabilitation ausgeht, was die Situation für die Menschen zusätzlich verschlimmert. Manche Patienten werden zu Pflegefällen, sie können sich nicht mehr selbst versorgen, können teilweise ohne fremde Hilfe nicht essen und noch nicht einmal ihr Badezimmer erreichen.

Ursachen der Erkrankung

Die Ursachen werden von der CFS-Forschung in gestörten neurologisch-endokrinologischen Regelkreisen (Neuro-Stress-Achse, oxidativer Stress), in Mitochondrophatien (Störung des Energiestoffwechsels der Zellen) oder in einer gestörten Immunantwort auf Virusinfekte (zum Beispiel chronisch aktivierter Epstein-Barr-Virus) vermutet. Dennoch weiß bis heute kaum jemand, was es wirklich bedeutet, am Chronischen Erschöpfungssyndrom zu leiden. Die Erkrankten werden allzu oft als Drückeberger, Hypochonder und Arbeitsscheue diffamiert.

Behandlungsformen

Es gibt weder klassische Medikamente noch eine standardisierte Behandlung für CFS, weil die Krankheit oft als psychische Erkrankung missverstanden wird. Somit gibt es derzeit nur eine Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln (z.B. Vitamin C, E, B6 oder B12, das Coenzym Q10, Eisen, Magnesium, NADH), die mithilfe ihrer antioxidativen Wirkung den Zellstoffwechsel verbessern.

Das CFS kann über mehrere Jahre andauern und führt bei schweren Fällen (Bettlägerichkeit) kaum zu Erfolgen. Auf dem immunologischen Sektor gibt es Behandlungsversuche mit Virostatika (Valcyte), aber diese Behandlung ist enorm teuer und stellt noch keine anerkannte Behandlung dar.

Intereview mit Marlies Zurhorst, Vorsitzende des deutschen Vereins „Fatigatio e.V. (Bundesverband für chronisches Erschöpfungssyndrom).

Von Michael Strausz, Ärzte Woche 20 /2010

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