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Foto: ©iStockphoto.com/Eraxion
Schon im frühesten Anfangsstadium der Chronisch obstruktiven Lungenerkrankung geht viel an Lungenfunktion verloren.
 
Allgemeinmedizin 8. April 2010

"COPD in Primary Care 2010“

Ein zweistufiges Fortbildungsprogramm für Allgemeinmediziner steht heuer, mit der Bewusstseinsbildung und Früherkennung der COPD in den allgemeinmedizinischen Praxen, im Mittelpunkt der Aktivitäten der österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). "COPD in Primary Care“, ein umfassendes, qualitätsgesichertes und standardisiertes Aus- und Weiterbildungsprogramm, soll Österreichs Allgemeinmediziner fit für den Kampf gegen COPD machen.

Die Prävalenz der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (Chronic Obstructive Pulmonary Disease, COPD) wird auf Basis der in Österreich spirometrisch erhobenen Daten der BOLD-Studie auf 25 Prozent der Allgemeinbevölkerung bemessen, die Zahl der in Österreich an COPD Erkrankten wird auf eine Million geschätzt. Betroffen von einer behandlungspflichtigen COPD im Stadium II oder höher sind etwa 431.000 Österreicher. Dazu kommt, dass bis zum Jahr 2020 ein Anstieg der Anzahl der Erkrankten um 24 Prozent prognostiziert wird. Auch der Trend der COPD als Todesursache ist weltweit steigend, alleine in den USA ist die COPD unter den Todesursachen zwischen 1965 und 1998 um 163 Prozent gestiegen. Weltweit wird geschätzt, dass bis 2020 die COPD auf Platz drei der Todesursachen steigen wird.

Früherkennung: Schlüsselrolle der Allgemeinmediziner, aber …

„Die Tatsache, dass die Ordinationen der Allgemeinmediziner häufig erste Anlaufstelle für mögliche COPD-Betroffene sind, ordnet ihnen eine Schlüsselstelle in der Früherkennung einer COPD zu“, erläutert Projektleiter Dr. Aschang Valipour, Oberarzt an der 1. Lungenabteilung am Otto Wagner Spital in Wien und Fortbildungsbeauftragter der ÖGP die Motivation der Lungenfachärzte für diese Aktion. „Die für Österreich kalkulierte Dunkelziffer für COPD in der Allgemeinbevölkerung beträgt 85 Prozent. Erklärung dafür ist das oft asymptomatische bzw. subsymptomatische klinische Bild der milden COPD.“ Erst bei moderater bis schwerer COPD führen typische Beschwerden wie Atemnot, chronischer Husten und Infektanfälligkeit zum Arztbesuch und zur Diagnose. „In vielen Fällen wird die begleitende Komorbidität wesentlich früher erkannt und diagnostiziert als die chronische Lungenerkrankung. Wir wissen heute, dass bereits im frühesten Anfangstadium jährlich bereits sehr viel Lungenfunktion verloren geht.“ (Valipour) Ärztliche Betreuung so früh wie möglich könne das Fortschreiten der Erkrankung verzögern und dem drohenden raschen Verlust an Lungenfunktion vorbeugen.

… das Krankheitsbild wird oft nicht erkannt

Dennoch: Das Krankheitsbild der COPD wird selbst in der allgemeinmedizinischen Praxis oftmals nicht erkannt bzw. nicht als behandlungspflichtige progredient verlaufende Erkrankung betrachtet und behandelt. Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden belegt, dass die COPD die häufigste nicht-diagnostizierte Ursache für „chronischen Husten“ in der allgemeinmedizinischen Praxis darstellt. In der DIDASCO-Studie analysierten Buffels und Mitarbeiter mehr als 1.100 Krankenakten belgischer Patienten, denen laut Hausarzt eine COPD attestiert wurde. Die Autoren dieser Studie stellten fest, dass bei weniger als 33 Prozent der Patienten eine Spirometrie in den vergangenen zwei Jahren durchgeführt wurde. Darüber hinaus wurde befunden, dass in 46 Prozent der Fälle weitere diagnostische Maßnahmen – etwa die Überweisung zum Lungenfacharzt – zur Klärung der pneumologischen Symptomatik erforderlich gewesen wären.

„COPD in Primary Care“

Mit „COPD in Primary Care“ hat die ÖGP nach dem Vorbild des „COPD: Best Practice Workshop“ des American College of Chest Physicians (ACCP) für Allgemeinmediziner ein umfassendes, qualitätsgesichertes und standardisiertes Aus- und Fortbildungsprogramm mit zwei Modulen à sechs Stunden entwickelt. Ziel ist, „die Kursteilnehmer im Rahmen dieser COPD-Fortbildungsmaßnahme zu einer adäquaten ärztlichen Identifizierung und weiterführenden Betreuung von COPD-Betroffenen zu befähigen“. (Valipour) Dazu gehören: Bewusstseinsbildung für das Krankheitsbild der COPD, Früherkennung in der allgemeinmedizinischen Praxis, Umsetzung von nationalen und internationalen Behandlungsempfehlungen in Kooperation mit dem betreuenden Lungenfacharzt sowie Verbesserung der Compliance von COPD-Patienten.

Die Referenten des Fortbildungsprogramms haben mehrjährige Erfahrung mit COPD sowie medizindidaktische Kompetenz und Lehr-Erfahrung („Key Opinion Leader“). Um eine ausreichende Interaktion und Mitarbeit zu ermöglichen, ist die Teilnehmerzahl pro Modul begrenzt.

„COPD in Primary Care“

DFP-Zeugnis mit 12 Fortbildungspunkten

Die Veranstaltung wird von der ÖGP und der österreichischen Ärztekammer als Aus- und Weiterbildungsveranstaltung approbiert. Die Teilnehmer erhalten nach Abschluss beider Module ein entsprechendes DFP-Zeugnis mit 12 Fortbildungspunkten ausgestellt. Für den
Erwerb der DFP-Punkte ist die Teilnahme an beiden Modulen Voraussetzung. Es ist nicht möglich, mit Modul II zu beginnen.

Themenschwerpunkte MODUL I

  • COPD aus der Sicht eines Patienten: „Mit COPD leben“
  • COPD: Definition, Bedeutung, Prävalenz, Komorbidität
  • COPD Pathophysiologie
  • Diagnose und Differentialdiagnose der COPD
  • COPD Case Identification: Fallbeispiele mit Spirometrie
  • COPD-Früherkennung
  • COPD in der allgemeinmedizinischen Ordination

Themenschwerpunkte MODUL II

  • Medikamentöse Therapie der COPD nach Behandlungsrichtlinien
  • Nicht-medikamentöse Therapie der COPD
  • Definition, klinische Auswirkungen und Therapie der COPD-Exazerbation
  • COPD-Therapie: Fallbeispiele zur Therapie
  • Inhalationstechnik und andere atemphysiotherapeutische Aspekte
  • Schnittstellenmanagement in der Praxis (Praktischer Arzt-Lungenfacharzt-Krankenhaus)
  • Tipps und Tricks für die Praxis


TERMINE MODUL I und MODUL II

Steiermark

MODUL I:
Sa, 17.4.10, 8020 Graz
Sa 24.4.10, 8774 Mautern
Sa, 12.6.10*)

MODUL II:
Sa, 8.5.10, 8020 Graz
Sa, 29.5.10, 8774 Mautern
Sa, 3.7.10*)

Oberösterreich

MODUL I:
Sa, 17.4.10, 4202 Kirchschlag
Sa, 29.5.10, 4020 Linz
Sa, 12.6.10, 4020 Linz

MODUL II:
Sa, 8.5.10, 4202 Kirchschlag
Sa, 26.6.10, 4020 Linz
Sa, 3.7.10, 4020 Linz

Niederösterreich

MODUL I:   Sa, 8.5.10*)
MODUL II: Sa, 12.6.10**)

Wien

MODUL I: Sa, 8.5.10, 1140 Wien
MODUL II: Sa, 12.6.10,1010 Wien

Tirol

MODUL I: Sa, 24.4.10, 6161 Natters
MODUL II: Sa, 29.5.10, 6020 Innsbruck
Kärnten

MODUL I: Sa, 29.5.10*)
MODUL II: Sa, 26.6.10, 9500 Villach

ANMELDUNG
Telefonisch: 0800/10022,  Email:

HINWEIS: Es ist nicht möglich, mit MODUL II zu beginnen.
*) Ort wird noch bekanntgegeben
**) Laxenburg oder Katzelsdorf

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