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Foto (2): Photo Disc (Montage)
Nicht Asthma war die Ursache für die seit zwei Jahren bestehenden Symptome, sondern die Antibabypille.
 
Allgemeinmedizin 23. März 2010

Ein diagnostiziertes Asthma, das keines war

Luftnot und Husten quälten eine junge Leistungssportlerin seit zwei Jahren.

Eine immer wieder kehrende Luftnot- und Hustensymptomatik konnte zunächst mit einer antiasthmatischen Therapie unter Kontrolle gebracht werden. Zwei Jahre später verschlechterte sich der Allgemeinzustand der Patientin und nach weiteren Therapieversuchen und Einweisungen kam als Komplikation eine Thrombophlebitis des rechten Unterarms hinzu. Eine Kardio-NMR wies auf einen Tumor hin, der eine Thorakotomie notwendig machte. Erst der operative Eingriff führte aber dann zur tatsächlichen Diagnose.

 

Eine junge Leistungssportlerin leidet seit zwei Jahren an wiederkehrender Bronchospastik und attackenartiger Luftnot. Pneumologisch wurde bei leicht auffälligem Metacholinprovokationstest die Diagnose Asthma gestellt und eine kombiniert antientzündliche-antiobstruktive Inhalationstherapie verordnet. Mit dieser Therapie gelang es zunächst, die Symptome unter Kontrolle zu halten. Zwei Jahre nach der Diagnosestellung häuften sich dann aber die Episoden mit Husten und Luftnot wieder. Die sportliche Leistungsfähigkeit ließ deutlich nach.

Keine Besserung der Symptome

Die Inhalationstherapie wurde intensiviert. Zusätzlich erhielt die junge Frau systemische Kortikoide und Montelukast. Auf Anraten des Pneumologen wurde ein Gastroenterologe konsultiert, der unter dem Verdacht eines Säurehustens die Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren empfahl.

Trotz täglicher oraler Einnahme von 80 mg Prednisolon blieben die teils ausgeprägten Luftnot- und Hustensymptome bestehen und führten auch in der Folge zu einer zweimaligen stationären Einweisung. Allerdings kam bei der zweiten Einweisung als Komplikation eine Thrombophlebitis des rechten Unterarms hinzu.

Bei weiter progredienter Husten-, Luftnot- und Thoraxschmerzsymptomatik wies der Hausarzt die Patientin bei positiven Fibrinspaltprodukten, dopplersonografisch bestätigter Vena-cephalica-Thrombose und geminderter peripherer Sauerstoffsättigung unter dem Verdacht einer Lungenembolie erneut stationär ein. Das Kontrastmittel-unterstützte Thorax-CT zeigte keine Hinweise für eine zentrale Lungenembolie. Eine Blutgasanalyse mit einem pO2 von 54 Torr bei einem CO2 von 28 Torr wurde als Artefakt interpretiert. Die Patientin wurde ohne wesentliche Symptombesserung entlassen.

Nach der Synopsis der eigenen und der fremden Befunde und angesichts des Therapieversagens der antiasthmatischen Behandlung wies der Hausarzt die Patientin zu einer Pulmonalisangiografie in ein regionales Herzzentrum ein. Hier zeigte sich im Kardio-NMR sowie im transthorakalen Echo ein Tumor innerhalb des rechten Ventrikels, welcher als Ursache für die geschilderten Symptome angesehen wurde.

Erst ein chirurgischer Eingriff zeigte klare Diagnose

Nach der Thorakotomie und Eröffnung des rechten Ventrikels entpuppte sich der Tumor als intrakardialer Thrombus.

Postoperativ wurde eine ausgedehnte Thrombose von der rechten Armvene bis in die obere Hohlvene hinein sonografisch festgestellt. Nach der Rekonvaleszenz und unter oraler Antikoagulation erholte sich die Patientin rasch.

Ausgedehnte Thrombose durch Ovulationshemmer

Eine antiasthmatische Therapie war seither nicht mehr notwendig und die Symptome Luftnot sowie Husten traten auch nicht mehr auf. Zudem nahm die Patientin nach der Operation auch keine Ovulationshemmer mehr ein. Die Gerinnungsanalyse schloss eine Thrombophilie aus.

Aktuell lebt die junge Frau nun symptomfrei ohne Antikoagulation, ohne Asthma, aber auch ohne die „Antibabypille“ als thrombogenetisches Agens.

 

Autor: Dr. Thomas Wollweber ist als Facharzt für Allgemeinmedizin in Wadersloh, Deutschland, tätig.

Quelle: MMW-Fortschr. Med. Nr. 8/2010 (152 Jg.)

Von Dr. Thomas Wollweber, Ärzte Woche 12 /2010

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