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Jugendliche sind für Zigaretten-Werbung besonders anfällig.
 
Allgemeinmedizin 9. März 2010

Angeworbene Raucher

Werbung trägt, gleichauf mit dem Freundeskreis, die Hauptschuld daran, dass Jugendliche zur Zigarette greifen.

Wissenschaftler des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung untersuchten bei 3.400 Schülern zwischen zehn und 17 Jahren den Einfluss von Tabak-Werbesujets auf Einstellung und Verhalten. Den Schülern wurden Werbesujets von Zigaretten, Kleidung, Autos, Süßigkeiten und Waschmitteln vorgelegt, bei denen zuvor alle Schriftzüge und Marken entfernt worden waren. Es zeigte sich, dass die Jugendlichen sehr aufmerksam gegenüber Werbung im Allgemeinen waren und die meisten Sujets wiedererkannten. Während sie jedoch vor der Wirkung anderer Produktwerbungen gefeit waren, zeigte sich ein direkter Zusammenhang zwischen der Häufigkeit, in der die Zigarettenwerbung wahrgenommen wird, und der Gewohnheit des Rauchens. Statistisch liege der Einfluss der Werbung mit jenem der rauchenden Freunde gleichauf an erster Stelle, zudem sei Werbung der am besten politisch beeinflussbare Faktor für das Rauchverhalten, erkläre Studienleiter Prof. Dr. Reiner Hanewinkel. „Im Unterschied zu anderer Werbung liefert die Tabakwerbung keine Produktinformation, sondern baut allein ein Image auf.“ Das berühmteste Beispiel sei der Marlboro-Cowboy. „Die Pubertät ist mit einer großen Unsicherheit hinsichtlich der eigenen Person verbunden. Werbebilder eignen sich gut, um das eigene Image aufzubauen. Die Tabakindustrie hat für jeden Personentyp eine Sorte auf Lager“, so der Kieler Psychologe. Die Forscher hoffen nun auf ein totales Werbeverbot, auch in den Verkaufstellen und im Rahmen von Sponsoring.

Quelle: Hanewinkel, R. et al.: American Journal of Preventive Medicine 2010; doi: 10.1016/j.amepre.2009.12.036

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