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Allgemeinmedizin 9. März 2010

Kummer in der Vorsorgeuntersuchung

Wenn Patienten über körperliche Symptome klagen, steckt oft Frust dahinter.

Die Mehrheit der körperlichen Symptome, die von Patienten in der primärärztlichen Versorgung berichtet werden, ist nicht allein durch ein organisches Leiden verursacht, sondern wird von psychischen und sozialen Faktoren geprägt.

 

Vorsorgeuntersuchungen bieten eine günstige Gelegenheit für den ärztlichen Kontakt. Allerdings fällt es Menschen oft leichter, über körperliche Symptome als über psychosoziale Belastungen und Unzufriedenheit im Sozialleben zu berichten.

Im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen in verschiedenen österreichischen Regionen wurden 686 Personen zwischen 19 und 60 Jahren zu psychosozialen und körperlichen Beschwerden befragt. Personen mit psychosozialer Belastung (Arbeitsdruck, soziale Belastung am Arbeitsplatz, Unzufriedenheit im Sexualleben, Unwohlsein in der Familie/ in der Partnerschaft) wiesen eine höhere Wahrscheinlichkeit für die Angabe mindestens eines körperlichen Symptoms auf. Auch die Anzahl der berichteten körperlichen Symptome ging mit psychosozialen Belastungen einher. Dabei zeigten sich überraschende geschlechtsspezifische Muster im Zusammenhang zwischen psycho-sozialen Faktoren und körperlichen Beschwerden (siehe oben).

Unwohlsein in Familie oder Partnerschaft war bei allen Patienten am stärksten mit körperlichen Symptomen assoziiert. Bei Männern standen an zweiter Stelle soziale Belastungen am Arbeitsplatz, gefolgt von Unzufriedenheit im Sexualleben und Arbeitsdruck. Bei Frauen stand an zweiter Stelle Unzufriedenheit mit dem Sexualleben, gefolgt von Arbeitsdruck und sozialen Belastungen am Arbeitsplatz.

In der primärmedizinischen Versorgung sollte demnach also versucht werden, die Ursachen hinter den berichteten Beschwerden abzuklären.

 

 

Quelle: Dorner, T. E. et al.: Wiener klinische Wochenschrift 2010; 3–4: 103–9; doi: 10.1007/s00508-010-1312-6

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