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Allgemeinmedizin 23. Februar 2010

Vorsorge trägt Früchte

Krebsneuerkrankungen und Krebssterblichkeit gehen dank Früherkennung und neuer onkologischer Therapien zurück.

Patienten mit einer diagnostizierten Krebserkrankung leben heute länger als im Vergleichszeitraum vor zehn Jahren. Ein Wermutstropfen ist die Lungenkrebsrate bei Frauen, die nach wie vor im Steigen begriffen ist.

 

Erstmals liegen Ergebnisse zur Krebsprävalenz vor. Zum Stichtag 31.12.2007 lebten in Österreich laut Krebsregister der Statistik Austria 300.134 Personen (171.770 Frauen, 128.364 Männer) mit Krebs. Das entspricht 3,6 Prozent der Bevölkerung. Die größte von Krebs betroffene Personengruppe ist jene mit der Diagnose Brustkrebs (52.291 Personen), gefolgt von Prostatakrebs (43.830) und Darmkrebs (33.596). 1,1 Prozent der österreichischen Männer leben mit die Diagnose Prostatakrebs, 1,2 Prozent der österreichischen Frauen leben mit der Diagnose Brustkrebs.

Brustkrebs ist mit einem Anteil von 28 Prozent (4.611 Neuerkrankungsfälle) bei Frauen seit langem die häufigste Krebserkrankung. In den letzten zehn Jahren blieb die Zahl der Neuerkrankungen allerdings stabil. 16 Prozent aller weiblichen Krebssterbefälle waren 2007 auf Brustkrebs zurückzuführen. Brustkrebs war mit Abstand die häufigste Krebstodesursache bei den Frauen (rund 1.500 Frauen).

Die zweithäufigste Krebslokalisation war der Darm (gut zwölf Prozent aller Tumore der Frauen im Jahr 2007 bzw. knapp 2.000 Fälle), gefolgt von 1.377 neudiagnostizierten bösartigen Neubildungen der Lunge. Darmkrebs verursachte bei Frauen elf Prozent aller Krebssterbefälle, Lungenkrebs rund 13 Prozent (Grafik 2).

58 Prozent nach fünf Jahren am Leben

Bei Brustkrebs beträgt der Anteil der Personen, die länger als fünf Jahre seit der Diagnose überlebt haben, 61 Prozent, bei Prostatakrebs 47 Prozent und bei Darmkrebs 57 Prozent. 58 Prozent der derzeit lebenden Krebspatientinnen und Krebspatienten leben bereits länger als fünf Jahre mit der Diagnose. Am höchsten ist der Anteil beim Gebärmutterkrebs mit 72 Prozent. Krebspatientinnen überleben ihre Krebsdiagnose im Durchschnitt wesentlich länger als ihre männlichen Leidensgenossen. Wichtigste Erklärung hierfür ist der bei den Frauen mit Abstand dominierende Brustkrebs mit einer relativ günstigen Überlebensprognose im Vergleich zum immer noch häufiger bei Männern auftretenden Lungenkrebs mit relativ schlechten Überlebenschancen.

In den letzten zehn Jahren sind Neuerkrankungen und Krebssterblichkeit gesunken, wenn die Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt wird (altersstandardisierte Raten). So sank die Neuerkrankungsrate sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen um jeweils rund 15 Prozent. Auch die Krebssterblichkeit war in den letzten zehn Jahren rückläufig, bei den Männern stärker (-13 Prozent) als bei den Frauen (-10 Prozent). Bei den Männern nahm die absolute Anzahl der Krebsneuerkrankungen seit 1997 um vier Prozent zu. Bei den Frauen zeigt sich gegenüber 1997 ein Rückgang um acht Prozent (Grafik 1).

Trendwende beim Prostatakarzinom

Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, ist, nachdem es in den letzten Jahren deutlich gestiegen war, aktuell wieder auf dem Niveau von 1997. Die Verbreitung von PSA-Tests als Screeningmethode dürfte für einen Großteil der zwischenzeitlichen Zunahme der Neuerkrankungen verantwortlich sein, da im Gegensatz zur Rate der Neuerkrankungen die Sterblichkeit an Prostatakrebs in den letzten zehn Jahren um 22 Prozent zurückging.

Das Erkrankungsrisiko für Darmkrebs ist für die Männer seit 1997 um 25 Prozent zurückgegangen. Die Sterblichkeit an Darmkrebs konnte im gleichen Zeitraum um 23 Prozent gesenkt werden. Die Rate der Neuerkrankungen an Darmkrebs nahm für Frauen um 16 Prozent ab, die Sterblichkeit sank im Vergleichszeitraum um gut ein Drittel.

Lungenkrebsrate bei Frauen um ein Fünftel erhöht

Die altersstandardisierte Rate der bösartigen Lungentumore ging bei den Männern in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent zurück, stieg für Frauen jedoch um 23 Prozent an. Männer erkranken allerdings noch immer 1,9-mal häufiger an Lungenkrebs als Frauen. Die Sterblichkeit an Lungenkrebs sank bei Männern in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent, erhöhte sich bei den Frauen aber um knapp ein Fünftel. Verantwortlich dafür ist offensichtlich der zunehmenden Nikotinkonsum von Frauen.

Das Brustkrebsrisiko nahm im Vergleich zu 1997 um 14 Prozent ab. Da Brustkrebs durch das vermehrte Screening nicht nur häufiger, sondern auch in einem immer früheren Stadium erkannt wird, ging die Sterblichkeit an Brustkrebs in den letzten zehn Jahren um ein Sechstel zurück.

 

 

Bundesanstalt Statistik Österreich: www.statistik.at

Statistik Austria/PH, Ärzte Woche 08 /2010

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