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Allgemeinmedizin 9. Februar 2010

Kommentar: Sind die Grenzwerte zu streng?

Das Böse ist immer und überall. Und meist kommt es von außerhalb, wie der gelernte Österreicher weiß. Das gilt auch für die Luftverschmutzung. Glaubt man den Leserbriefseiten von Boulevardzeitungen, dann entstehen die Probleme hauptsächlich durch den Ferntransport, den Transitverkehr und die strengen, uns von der EU aufgezwungenen Grenzwerte. Dass die Grenzwerte zu streng sind, sagen interessanterweise nicht nur Autolobbyisten, sondern auch manche Vertreter des Gesundheitsministeriums.

 

Zuletzt konnte aber auch im eigenen Land ein Feind ausgemacht werden: das Lebensministerium, das Ende letzten Jahres eine Novelle zum Immissionsschutzgesetz-Luft (IG-L) zur Begutachtung ausgeschickt hat. Die Empörung ist groß: Wirtschaftskammer, Länder, Wirtschaftsministerium und Österreichischer Gewerkschaftsbund ÖGB erregen sich unter anderem über eine „Verschärfung der Grenzwerte“ (die erlaubte Zahl an Überschreitungen des Tagesmittelwertes für Feinstaub sowie den Stickstoffdioxid-Grenzwert für das Jahresmittel).

Dabei wird übersehen, dass die Grenzwerte durch die Novelle gar nicht verändert wurden, sondern bereits seit dem Jahr 2001 im Gesetz stehen. Seit damals ist dort zu lesen, dass ab dem 1.1.2010 bzw. 1.1.2012 strengere Werte gelten. Und seit damals hätte man Zeit gehabt, durch energische Maßnahmen eine Reduktion der Schadstoffkonzentrationen zu erreichen.

Die genannten Grenzwerte des IG-L sind strenger als diejenigen der Luftqualitätsrichtlinie der EU. Anderseits entspricht etwa der ab 1.1.2012 gültige Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid (falls das Lebensministerium den Druck aushält) einer Empfehlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und liegt immer noch deutlich über dem von einer deutschen Expertengruppe vorgeschlagenen Richtwert. Wenn man die entsprechende epidemiologische Literatur zu NO2 bzw. die Erläuterungen der WHO dazu durchsieht, dann kann es aus umweltmedizinischer Sicht nur eine Schlussfolgerung geben: Der Grenzwert für NO2 muss so streng wie möglich sein.

Lesen Sie dazu: Dicke Luft um Grenzwerte

Von Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 6 /2010

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