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Foto: wikipedia
In Regionen, in denen mehr MRTs vorhanden sind, wird öfter operiert.
 
Allgemeinmedizin 3. November 2009

Rückenschmerz: Therapie wird durch Technik bestimmt

Mehr Diagnosegeräte führen zu mehr chirurgischen Eingriffen, auch wenn der Nutzen für den Patienten fraglich ist.

Wie Patienten bei Rückenschmerzen behandelt werden, hängt auch von der technischen Ausstattung der Arztpraxen ab. Je mehr Magnetresonanztomographen (MRT) es in einer Region gibt, desto eher werden Patienten einer Rückenoperation unterzogen.

 

Die starke Nutzung von MRT-Geräten und die hohe Zahl der Operationen sind nicht nur aus medizinischer Sicht problematisch, sondern auch aus wirtschaftlicher, denn sowohl die Untersuchungen als auch die Eingriffe sind sehr teuer. Schmerzen im unteren Rücken waren im Jahr 2005 in den USA der fünfthäufigste Grund für Arztbesuche.

Nun glichen Mediziner der kalifornischen Universität Stanford bei staatlich versicherten Patienten für die Jahre 1998 bis 2005 die Zahl der Rückenpatienten und -operationen mit der Dichte der MRT-Geräte in der jeweiligen Gegend ab. Resultat: Mit der Zahl dieser Tomographen stieg auch die Zahl der Eingriffe. Da Patienten von solchen Operationen nicht unbedingt profitieren, werten die Forscher dies als schlechte Nachricht. Die Zahl der Apparate hat sich in den USA von 2000 bis 2005 mehr als verdreifacht. „Die Sorge besteht, dass viele Menschen von der Operation nicht profitieren. Daher ist diese Entwicklung bedauerlich“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Laurence Baker von der Stanford Universität.

Gäbe es weniger MRT-Geräte, läge die Zahl der Operationen um neun Prozent niedriger, berechneten die Forscher. Da Rückenschmerzen oft nach einigen Wochen von selbst wieder verschwinden, sollten MRTs gemäß der Leitlinien erst dann zum Einsatz kommen, wenn die Probleme länger als einen Monat bestehen. Auch daran halten sich viele Ärzte nicht: Patienten in Gegenden mit hoher Dichte bekommen mehr MRTs, und sie bekommen sie auch früher. Ein MRT-Gerät kostet ein bis zwei Millionen Euro, für einen Rückenscan werden in den USA etwa 1.500 Dollar (rund 1.000 Euro) berechnet.

 

Quelle: Baras, J. D. et al.: Health Affairs 2009; doi: 10.1377/hlthaff.28.6.w1133.

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