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Schlaflos bei Vollmond
Foto: Privat
Prof. Dr. Manfred Walzl Leiter der Schlafmedizin, Landesnervenklinik Sigmund Freud, Graz
 
Allgemeinmedizin 5. November 2009

Schlafstörungen: verkannte Gefahr

Jeder Dritte leidet nächtens.

Der Schlaf beherrscht unser Leben wie kaum eine andere Funktion: Nahezu 3.000 der 8.760 Stunden eine Jahres, also rund 24 Jahre in einem durchschnittlichen Menschenleben, werden im Schlaf verbracht. Gerade deshalb ist es alarmierend, dass schon mehr als 30 Prozent der Bevölkerung über Schlafstörungen aus unterschiedlichsten Ursachen klagen.

 

Die Schlafmedizin stellt innerhalb der Medizin ein noch relativ junges Fachgebiet dar, da die wissenschaftlichen Grundlagen zur Beobachtung der Vorgänge im Schlaf relativ spät entwickelt wurden. Erst in den letzten Dezennien haben sich das Wissen und das Verständnis um den Schlaf als einen „aktiven Körpervorgang“ vertieft. Seither gewinnt die medizinische Wissenschaft zunehmend mehr Erkenntnisse über krankhafte Vorgänge, die an den Schlaf und an biologische Zeitabläufe gebunden sind.

Krankheit und Risikofaktor

Schlafstörungen sind ebenso eigenständige Krankheiten wie auch Risikofaktoren für neue Erkrankungen. So können beispielsweise bestimmte Schlafstörungen das Herzinfarkt- oder Schlaganfallrisiko um das Zehnfache steigern!

Insgesamt wurden bisher über 100 verschiedene Schlafstörungen klassifiziert, die (teilweise) spezifische Symptome zeigen.

Apnoen nach der Menopause

Von Schlafstörungen sind vor allem ältere Menschen betroffen. So wird zum Beispiel der Schlaf in den Jahren nach der Menopause zunehmend leichter und fragmentierter. Es wird immer schwieriger, nachts mehrere Stunden ohne Unterbrechung zu schlafen, woraus eine erhöhte Tagesmüdigkeit resultiert. Physische Faktoren wie Arthritis, chronische Lungenerkrankungen, Sodbrennen, Schmerzen oder erhöhter Harndrang können die Schlafstörungen nach der Menopause noch weiter verstärken. Dazu zählen etwa auch schlafbezogene Atmungsstörungen (Apnoen), die bei jungen Frauen äußerst selten, nach der Menopause dagegen häufiger vorkommen. Vermutlich besteht ein Zusammenhang mit der Abnahme des Östrogens, da auch junge Frauen, die bei operativen Eingriffen vorzeitig in die Menopause versetzt werden, ein erhöhtes Risiko für schlafbezogene Atmungsstörungen aufweisen.

Unfälle durch Schlechtschläfer

Der gestörte Schlaf gilt auch als extremes Unfallrisiko. Rund 24 Prozent aller tödlichen Unfälle und insgesamt jeder dritte Unfall werden durch schlechten Schlaf verursacht. Bei länger dauernden Schlafstörungen steigt die Unfallwahrscheinlichkeit um 650 Prozent! Wer nachts nur vier Stunden geschlafen hat, reagiert so, als habe er 0,5 Promille Alkohol im Blut, eine durchwachte Nacht steigert diesen Wert gar auf 0,8 Promille.

Schlafstörungen verursachen zudem einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden. Allein in Österreich dürften pro Jahr nicht weniger als vier Milliarden Euro durch Schlafstörungen verloren gehen.

Tabelle:
Folgen von Hyposomnie, Insomnie und Hypersomnie
 Zu wenig Schlaf (Insomnie/Hyposomnie) Schlaflosigkeit mit chronischer MüdigkeitZu viel Schlaf (Hypersomnie)
Schläfrigkeit; unwillkürlicher Drang zu schlafen, ohne es zu wollen
Beschwerden - nicht einschlafen können
- häufiges Erwachen
- langes Wachliegen
- unruhiger, flacher Schlaf
- Schlaf ist nicht erholsam
- quälende Gedanken
- Herzklopfen
- Schwitzen
- verlängerter Schlaf
- nicht erholsamer Schlaf
- häufiges, kurzes Erwachen
- oftmaliges Harnlassen
- Luftnot
- Herzrasen
- Schnarchen
- Atemstillstände
Gestörte Tagesbefindlichkeit - Müdigkeit
- Unwohlsein
- geringe Konzentration
- Leistungsschwäche
- Reizbarkeit
- depressive Verstimmung
- Muskelschmerzen
- Schlafprobleme werden
zum „Dauerthema“
- Schläfrigkeit
- wiederholtes Einnicken
- Konzentrationsschwäche
- Leistungsabfall
- Persönlichkeitsstörung
- Sexuelle Störungen
- Kopfschmerzen
- Bluthochdruck
- Herzrhythmusstörungen

Von Prof. Dr. Manfred Walzl, Ärzte Woche 45 /2009

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