zur Navigation zum Inhalt
Univ.-Prof. Dr. Ernst Pilger, ÖGIM-Präsident und Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin LKH Graz
 
Allgemeinmedizin 19. September 2009

ÖGIM-Kongress 2009 - ein Resumee

Vom 17. bis zum 19. September fand im Wiener AKH die 40. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin (ÖGIM) statt. Der derzeitige ÖGIM-Präsident Prof. Ernst Pilger zog für uns ein erstes Resumee über den diesjährigen Kongress.

SpringerMedizin: Was waren die Highlights des Kongresses?

Pilger: Ein Highlight waren zweifellos die Live-Übertragungen aus dem Katheterlabor der klinischen Abteilung für Kardiologie. Hier konnte demonstriert werden, was sogenannte „konservative“ Internisten alles zu Wege bringen, nämlich nicht nur das Aufdehnen der Herzkranzgefäße sondern auch das Implantieren von Herzklappen über einen perkutanen Zugang – das ist sicherlich eine ganz große Innovation.

Von besonderem Interesse waren sicherlich auch die neuen Generationen von blutgerinnungshemmenden Substanzen - Faktor 10a-Hemmer und Thrombin-Hemmer. Diese Substanzen stehen kurz davor im Alltag eingesetzt zu werden, beispielsweise bei Vorhofflimmern oder als Thromboseprophylaxe.

Ein weiteres Highlight war sicher auch der Schwerpunkt der Geriatrie, welche intensiv beleuchtet wurde und in der Zukunft sicher noch an Bedeutung gewinnen wird. Hier bedarf es auch auf universitärer Ebene entsprechende Institutionen um das wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Geriatrie zu fördern.

Dann gibt es neue Überlegungen hinsichtlich der Einstellung des hohen Blutdrucks. Es wurden neue Guidelines vorgestellt. Ein Ziel ist es, möglichst wenige Medikamente einzusetzen, um die Zahl der Medikamenteninteraktionen zu reduzieren sowie die Compliance des Patienten zu verbessern. 

Ein gesellschaftlicher Höhepunkt war sicher die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an den Prof. Braunwald, der allen bekannt ist als „der Kardiologe“, der quasi die letzten 30 bis 40 Jahre der Kardiologie auf der ganzen Welt geprägt hat. Es ist für die Gesellschaft eine große Ehre, dass er diese Ehrenmitgliedschaft angenommen hat. Er ist ja gebürtiger Wiener, aber dann 1938 in die USA gegangen.

SpringerMedizin.at Dieses Jahr ist der Kongress unter dem Motto gestanden: „trotz Spezialisierung soll das gemeinsame betont werden“ – inwieweit ist das erfolgreich im Kongress umgesetzt worden?

Pilger: Bereits voriges Jahr, auf dem Kongress in Graz, waren wir bemüht die gesamte Innere Medizin zusammenzubringen, also die Spezialisten und auch die sogenannten „Generalisten“ unter den Internisten. Das wurde zum einen dadurch demonstriert, dass alle drei Klinikvorstände, der internistischen Kliniken im AKH Wien, sich zusammengetan haben und gemeinsam den Kongress organisierten. Zum anderen wurden, wie bereits auch im vergangenen Jahr, alle internistischen Additivgesellschaften eingeladen das Kongressprogramm mit zu gestalten.

Insofern ist die Umsetzung des Mottos absolut gelungen. Wir konnten mit dieser Jahrestagung erneut ein Forum schaffen, auf dem Spezialisten zu Wort kommen und sich untereinander austauschen und sich auch die Generalisten weiterbilden können.

SpringerMedizin.at: Dieses Jahr sind ja bei der Eröffnungsfeier auch zwei Preise verliehen worden, der Paracelsus und der Skoda Preis. Gegen wie viele Mitstreiter hatten sich die Sieger durchzusetzen, haben Sie viele Projekt-Einreichungen erhalten?

Pilger: Die zwei Preise unterscheiden sich ein bisschen. Der Paracelsus Preis wird für die beste Publikation eines Internisten aus Österreich im letzten Jahr verliehen. Der Skoda Preis wird hingegen für ein Projekt vergeben, was gerade eingereicht wird.

Wir haben heuer erstmals eine größere Anzahl von Einreichungen für den Skoda Preis. Wir interpretieren das dahingehend, dass auf Grund der Wirtschaftskrise die wissenschaftlichen Fördermittel insgesamt zurückgenommen wurden, wie beispielsweise von der Nationalbank oder dem FWF. Die Gesellschaft wir Ihre Förderungen jedenfalls auch im kommenden Jahr beibehalten, auch wenn die finanziell Situation nicht so optimal ist, weil wir glauben, dass gerade in Zeiten wie diesen die jungen Forscher eine Unterstützung brauchen.

SpringerMedizin.at: Welche Erfahrungen haben Sie bei dem diesjährigen Kongress gesammelt? Gibt es schon Vorschläge darüber, wie man den nächsten Kongress noch verbessern kann?

Pilger: Das Anbieten einer breiten Programmpalette, also neben Frontal-Vorträgen, auch Pro & Contra Diskussionen, Live-Demonstrationen aber auch die Präsentation von Fallbeispielen oder Informationen aus anderen, nicht internistischen medizinischen Fachgebieten hat sich bewährt. Ich glaube, dass wir hier weiterarbeiten sollten und uns überlegen müssen, wie wir die Wissensvermittlung noch lebendiger gestalten können. Wir haben auch eine große Anzahl von Workshops angeboten, welche sehr gut angenommen wurden.

Was man sich aber überlegen kann ist, ob es möglich ist die Vielfalt von Wissen in der Inneren Medizin in zweieinhalb Tagen unterzubringen? Also ob es nicht besser ist, den Kongress doch einen Tag länger zu halten, um dem Besucher die Möglichkeit zu geben noch mehr Information zu erhalten. Das ist eine Überlegung die wir für nächstes und übernächstes Jahr andenken.

SpringerMedizin.at: Wenn wir den Blick nun auf die ÖGIM als Gesellschaft richten: Was sind die Ziele der ÖGIM für die nähere Zukunft?

Pilger: Das vordringlichste Ziel ist zweifellos alle internistischen Spezialisten weiterhin geschlossen zu präsentieren. Die ÖGIM will als Gesellschaft und auch mit der Jahrestagung eine Plattform anbieten auf der alle Spezialisten miteinander kommunizieren und sich austauschen können. Wir sind der festen Überzeugung, dass der Spezialist vor allem dann besonders erfolgreich sein wird, wenn er auch die medizinische Umgebung um sein Spezialgebiet besonders gut kennt.

Wir wollen als Gesellschaft die Spezialisierung und die Ausbildung fördern, aber gleichzeitig das Netzwerk untereinander pflegen. Denn ein generalistisches Wissen um die Innere Medizin, das man diese eben einigermaßen überblicken kann, bleibt von großer Wichtigkeit.

SpringerMedizin.at: Das Motto des Kongresses ist also auch eine zentrale Zielvorstellung der ÖGIM?

Pilger: Absolut, diesem Ziel fühlen wir uns über den Kongress hinausgehend verpflichtet.

Das Gespräch führte Jürgen Beer

Redaktion, Jürgen Beer

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben