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Allgemeinmedizin 1. Dezember 2007

Trinkwasserbedingter Gastroenteritisausbruch unbekannter Ätiologie in einer ländlichen Gemeinde in Ö

EINLEITUNG: Im August 2006 meldete ein Arzt einer ländlichen Gemeinde das gehäufte Auftreten von Gastroenteritis. Zur Verifizierung des Ausbruchs, zur Klärung der Ausbruchsursache und um hinkünftig derartige Erkrankungshäufungen vermeiden zu können, wurde eine epidemiologische Ausbruchsabklärung durchgeführt. Es handelt sich hier um den ersten publizierten trinkwasserbedingten Gastroenteritisausbruch in Österreich. METHODEN: Für die deskriptive Epidemiologie standen Daten zur Verfügung, die durch die Sicherheitsbehörde im Rahmen der Abklärung eines nicht bestätigten Todesfalles erhoben wurden, Versicherungsdaten betreffend Ursachen von Krankenständen und Auskünfte von Patienten und Ärzten. ERGEBNISSE: Mikrobiologische Untersuchungsergebnisse von Wasserproben wiesen auf eine fäkale Kontamination des unbehandelten Trinkwassers als Ursache für diesen Gastroenteritisausbruch hin. Für 146 der 160 Erkrankungsfälle waren Alter und Geschlecht der Patienten bekannt: Das Patientenalter lag zwischen 5 und 91 Jahren (Median 45) und 81 der 146 (55,5%) Patienten mit bekannten Daten waren weiblich. Von 14 Patienten wurden Stuhlproben vom behandelnden Arzt zur mikrobiologischen Untersuchung eingesandt: alle Proben erwiesen sich als negativ für Salmonellen, Campylobacter, Shigellen und Yersinia enterocolitica. Eine Untersuchung auf Viren, Parasiten oder darmpathogene Escherichia coli war nicht erfolgt. DISKUSSION: Die epidemiologische Abklärung weist auf Einschwemmung fäkaler Kontaminationen im Rahmen schwerer Niederschläge als Ursache der Erkankungen hin. Stuhlproben sollten bei derartigen Ausbrüchen auch auf jene Erreger trinkwasserbedingter Erkrankungen untersucht werden, auf die meist nicht routinemäßig geprüft wird. Da in Karstgebieten eine Einschwemmung von Fäkalkeimen durch ungewöhnlich schwere Regenfälle nie auszuschließen ist, wurde von der Behörde die Installation einer permanenten UV-Desinfektionsanlage vorgeschrieben.

Stefan Meusburger, Sandra Reichart, Sabine Kapfer, Karl Schableger, Rainer Fretz, Franz Allerberger, Wiener klinische Wochenschrift

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