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Allgemeinmedizin 1. Juli 2009

Psychosomatische Medizin in der Hausarztpraxis: Zum Einfluss von Weiterbildung

HINTERGRUND: Häufig werden von Patienten bestimmte körperliche Symptome geschildert, bei denen Allgemeinmediziner vermuten, dass diese wesentlich von psychosozialen Faktoren moduliert sein könnten. In Bezug auf solche Situationen wurde die von Allgemeinmedizinern berichtete eigene klinische Routine unter Berücksichtigung ihres Weiterbildungshintergrundes in Psychosomatischer Medizin exploriert. METHODIK: Alle Allgemeinmediziner in Österreich mit einem standardisierten Trainingshintergrund in Psychosomatischer Medizin (drei Trainingsstufen im Sinn der Österreichischen Ärztekammer-Diplome für Psychosoziale, Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin; Dauer zwischen 1 und 6 Jahre) sowie eine Zufallsstichprobe von Allgemeinmedizinern ohne eine solche Weiterbildung wurden mittels strukturiertem Fragebogen postalisch kontaktiert. Vier Subgruppen an Studienteilnehmern wurden gebildet. ERGEBNISSE: Die Studienteilnehmer schätzten, dass bei 20% bis 40% all jener Patienten in ihrer Praxis, die körperliche Symptome präsentieren, psychosoziale Faktoren in die Behandlung einzubeziehen sind. Die Subgruppen der Studie unterschieden sich signifikant hinsichtlich der mitgeteilten diagnostischen und behandlungsbezogenen Verhaltensmuster. Die berichtete Häufigkeit einiger diagnostischer Schritte, wie die der Abklärung der Laienätiologie, nahm linear mit dem Grad der Weiterbildung zu. Auch der berichtete Anteil jener Patienten, die in der eigenen Praxis eine der diagnostischen Einschätzung entsprechende Behandlung erfahren, nahm mit höherer Weiterbildungsstufe zu (kein Training 35%, Stufe 1 und 2: 46%, Stufe 3: 54%). Alle Subgruppen schätzten, dass über 20% keine entsprechende Behandlung erfahren. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Ergebnisse weisen auf eine klinische Relevanz einer Qualifikation in Psychosomatischer Medizin im Rahmen der Primärversorgung hin. Sie legen auch spezifische Trainingseffekte nahe, die durch Beobachtungsstudien belegt werden müssen.

Christian Fazekas, Franziska Matzer, Elfriede R. Greimel, Gabriele Moser, Manfred Stelzig, Wolf Langewitz, Bernd Loewe, Walter Pieringer, Elisabeth Jandl-Jager, Wiener klinische Wochenschrift 13/14/2009

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