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Allgemeinmedizin 1. Juli 2008

Wie freiwillig ist Fortbildung?

In der aktuellen Version des Gesetzesentwurfs zur Gesundheitsreform ist bekanntlich vorgesehen, dass niedergelassene Ordinationen regelmäßig einer Qualitätsprüfung unterzogen werden sollen. Geht es nach dem Willen der Regierung, wird dabei nicht auf bewährte Strukturen der von der Österreichischen Ärztekammer 2004 gegründeten ÖQMed zurückgegriffen.

Die Kriterien für die Qualitätsprüfungen sollen vom Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (vielen unter dem Namen ÖBIG gut vertraut) erarbeitet werden. „Mit dem Gesetzesentwurf ist die verpflichtende Fortbildung ähnlich dem deutschen Modell auf Schiene gebracht. In Deutschland gilt diese bereits seit 2004 und es ist alle fünf Jahre ein Fortbildungsnachweis vorzuweisen“, meint Dr. Martina Hasenhündl-Gaiswinkler, Fortbildungsreferentin der Ärztekammer für Niederösterreich. Wird dieser nicht erbracht, kommt es zu einer Kürzung der Bezüge um bis zu einem Viertel des Betrags und dann dazu, dass es von der kassenärztlichen Vereinigung keine Vergütung mehr gibt.
„Die Einführung einer verpflichtenden Fortbildung, die mit der Androhung von Sanktionen und unmäßigem ‚Druck von oben‘ einhergeht, ist abzulehnen“, betont Hasenhündl-Gaiswinkler. Es müsse beim Prinzip der freiwilligen Fortbildungspflicht bleiben, die jetzt schon im Ärztegesetz festgeschrieben ist.

Klare Vorgaben

„Anders als das manchmal dargestellt wird, gibt es auch klare Vorgaben über den Umfang dieser Fortbildung“, sagt Dr. Wolfgang Routil, Präsident der Österreichischen Akademie der Ärzte. Klar sei, dass ein Negieren der Vorgaben des Ärztegesetzes auch Konsequenzen im Haftungsrecht habe. „Orientierung ist hier das Diplomfortbildungsprogramm, das in einem kontinuierlichen Dreijahresrhythmus erneuert wird“, so Routil. Aus seiner Sicht werde weiters oft übersehen, „dass ein Punkt der laufenden Evaluierung durch die ÖQMed die Fortbildung und deren Ausmaß ist“. Bei den Stichproben werden dabei Nachweise für deren Absolvierung eingefordert, „fehlen diese, ergeben sich standesrechtliche Konsequenzen, wenn sie nicht innerhalb definierter Fristen nachgebracht werden“.

Regeln streng genug

Für Hasenhündl-Gaiswinkler wichtig ist, dass bei der Auswahl der Bildungsangebote die eigenständige Entscheidung des Arztes erhalten bleibt, denn nur dieser könne „abhängig von seinem konkreten Tätigkeitsbereich sowie davon, welche Patienten er betreut, entscheiden, welche Fortbildungsmaßnahmen individuell sinnvoll sind“. Das sieht Routil genauso: „Es geht dabei nicht nur um fachliche und regionale Unterschiede – jeder Mensch eignet sich aktuelles Wissen auf eine andere Art an: vom Besuch von Fachveranstaltungen und Seminaren, über das Studium von Fachliteratur und Recherche im Internet bis hin zur Teilnahme an Qualitätszirkeln.“ Die vorhandenen Regelungen zur ärztlichen Fortbildung seien jedenfalls streng genug und würden viel zur Aufrechterhaltung des hohen heimischen medizinischen Qualitätsstandards beitragen.
Prof. Dr. Karl-Heinz Tragl, Präsident der Gesellschaft der Ärzte in Wien, die vielfältige Bildungsangebote setzt, sagt: „Es gibt keinen Zweifel, dass sich Ärzte kontinuierlich weiterbilden müssen.“ Tragl hält zwar viel von der individuellen Möglichkeit, sich Ausbildungsinhalte selbst auszuwählen, aber auch im Diplomfortbildungsprogramm wäre ja ein gewisser Mix an Inhalten aus bestimmten Bereichen vorgesehen. „Ein Orientierungspunkt ist der Turnus und seine Ausbildungsschwerpunkte, die eng mit der konkreten Praxis eines Allgemeinmediziners zusammenhängen“, findet Tragl. Diese Schwerpunkte sollten sich auch in den Fortbildungsprogrammen der niedergelassenen Allgemeinmediziner wiederfinden. „Sollte es trotz des Widerstands zur Umsetzung der im Gesetzesentwurf geplanten Maßnahmen kommen, so muss dafür gesorgt werden, dass die Kosten für die verpflichtende Fortbildung auch von jenen getragen werden, die diese einfordern“, für Hasenhündl-Gaiswinkler bedeutet dies, dass die Krankenanstaltenträger die Fortbildung ihrer angestellten Ärzte finanzieren und die Sozialversicherungen die Fortbildungskosten, wie auch die Kosten für Ordinationsvertretungen für die niedergelassene Ärzteschaft, „und zwar zu 100 Prozent!“

Administrative Schritte

Hasenhündl-Gaiswinkler appelliert an die niedergelassenen Ärzte, die „letztlich überschaubaren administrativen Schritte zu setzen und ihre Fortbildungen über das flexible DFP-System zu erfassen“. 18 Prozent aller österreichischen Ärzte haben ein gültiges Fortbildungsdiplom, „allerdings zeigen die Aufzeichnungen über Fortbildungen, wie sie etwa von den Institutionen der Landesärztekammern angeboten werden, dass es sehr viele Ärzte gibt, die weit mehr als die nötigen Mindestanforderungen für ein DFP-Diplom absolvierten, sie aber noch nicht ‚offiziell‘ gemacht haben.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 27/2008

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