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Allgemeinmedizin 26. Juni 2008

Schneller zur Approbation

Die Berechtigung, den ärztlichen Beruf auszuüben, muss in Österreich deutlich früher als bisher erteilt werden. So will es wenigstens die Europäische Union. Und auch junge Ärzte, die es ins Ausland drängt. Allerdings sind noch viele Unklarheiten zu beseitigen.

„In Österreich sind schon seit 1995 Ärzte aus anderen Mitgliedsländern der Europäischen Union tätig, deren Ausbildung anders aussieht als jene heimischer Mediziner“, erklärt Dr. Thomas Holzgruber vom Bildungsreferat der Österreichischen Ärztekammer. „So bekommen deutsche Medizinstudenten unmittelbar nach dem Studium die Approbation, ein migrationsfähiges Diplom mit der Berechtigung, den Beruf als Arzt auszuüben.“ Allerdings können diese – so lange sie keine Ausbildung zum Allgemeinmediziner oder Facharzt haben – keinen Kassenvertrag erhalten und auch nicht als Wahlarzt tätig sein.
Hier zu Lande erhält ein Mediziner die Approbation erst nach mindestens 36-monatiger Berufstätigkeit in einem Ausbildungsverhältnis, sprich nach dem Turnus. Ähnlich sieht es in Frankreich aus, „aber in den anderen EU-Staaten ist dies wesentlich schneller möglich“, so Holzgruber. Aus diesem Grund läuft gegen Österreich bereits ein Mahnverfahren der EU; auch im Regierungsübereinkommen ist die Neuregelung der ärztlichen Ausbildung ein fixer Punkt.
Demnächst wird auf einer Delegiertenversammlung der Österreichischen Ärztekammer zwischen zwei Varianten entschieden: eine Übernahme des deutschen Vorbilds oder ein sogenannter Common Trunk; das bedeutet nach dem Studium eine Art einjährige Basisausbildung, egal welches Fach angestrebt wird.
„Wo werden unsere zukünftigen Kollegen arbeiten, die nach diesen zwölf Monaten eine Approbation, aber (noch) keine Facharzt-Weiterbildungsstelle haben?“, fragt Dr. Stefan Halper, Referent für Turnusärzte in Niederösterreich, kritisch nach. In diesem Bundesland gibt es momentan etwa 600 Turnusplätze, es seien aber maximal 100 Weiterbildungsstellen für den Facharzt für Allgemeinmedizin geplant. Ärzte, die keine dieser Stellen bekommen, hätten dann einen ähnlichen Status wie ein Dauersekundar- bzw. Stationsarzt. „Allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass es kein einfaches Ausstiegsszenario aus dem Krankenhaus gibt, bei dem es nicht zu langen Wartezeiten kommt“, meint Halper. Spitalserhalter sollen bereits darüber nachgedacht haben, wie diese „Ärzte zweiter Klasse“ (Halper) anders – sprich schlechter – entlohnt werden können.

Verzögerte Approbation

Die Jungmediziner würden dann wohl sehr lange an diesen „Ausbildungsplätzen“ bleiben – „letztlich würde sich die Approbation für viele Ärzte um Jahre verzögern“, fürchtet Halper.
Holzgruber sieht dies ganz anders: „Wir wollen erreichen, dass approbierte Ärzte nur dann angestellt werden dürfen, wenn sie eine Ausbildungsstelle zum Facharzt – also auch im Bereich Allgemeinmedizin – haben“, damit ist sichergestellt, dass sie nach dem Common Trunk nicht jahrelang in dieser Position verweilen. Ein „Ende des Turnus, wie wir ihn kennen“, wie es Halper formuliert, sieht Holzgruber nicht, „der Common Trunk wird auf die weitere Ausbildung angerechnet, ein Arzt wäre also nach fünf weiteren Jahren ein Facharzt.“
Für Dr. Andreas Rinnerberger, Sprecher der Jungen Allgemeinmedizin Österreichs (JAMÖ), klingt dieses Konzept grundsätzlich positiv. „Ich glaube auch nicht, dass dadurch Ärzte zweiter Klasse entstehen, allerdings braucht es schon noch eine Klärung, wie Ärzte nach dem Common Trunk in den Gehaltsschemata eingestuft werden, bzw. welche Rechte es in Bezug auf Rotation und schnellstmögliche Absolvierung der Facharztausbildung gibt.“

Neu heißt nicht besser

Wie Holzgruber sieht Rinnerberger die Chance, endlich die seit Jahren in den Schubladen liegenden Konzepte zum Facharzt für Allgemeinmedizin umzusetzen, „dabei ist aber noch völlig ungeklärt, wie die Zeit in Lehrpraxen entlohnt werden wird und wie es mit verfügbaren Plätzen in diesen aussieht.“ Grundsätzlich müsse eine Systemänderung unter der Prämisse stehen, „dass jeder Patient künftig seinen Hausarzt hat, der diesen als Lotsen durch das Gesundheitssystem begleitet. Denn dies wäre ein essentieller Schritt, um die Kostensteigerungen in Zaum zu halten, da z. B. nicht mehr alle Befunde gemacht werden, nur weil jemand zufällig in eine Ambulanz kommt.“
Halper sieht seine Argumente durch diese Beschwichtigungen nicht entkräftet, „ein völlig neues System bedeutet nicht automatisch eine Qualitätssteigerung. Der Ausgang ist ungewiss.“ Österreich könne sich durchaus trauen, einen eigenständigen Weg einzuschlagen, und sich an Finnland, Slowenien, Tschechien oder der Schweiz orientieren – Mediziner sind mit dem Studienabschluss zur Migration berechtigt, in Österreich wären sie aber nur zur Berufstätigkeit unter Aufsicht berechtigt.“ Halper fordert Qualitätssteigerungen im Rahmen der bestehenden Strukturen ein, anstatt „das Kind mit dem Bade auszuschütten“.
Holzgruber hofft trotz dieser Bedenken auf die Schaffung einer gesetzlichen Basis für eine Neuregelung der Approbation sowie für den Facharzt für Allgemeinmedizin bereits in diesem Herbst.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 26/2008

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