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Allgemeinmedizin 12. Juni 2008

Depressiv und drogenabhängig

Gezeichnet von Jahrzehnten der Gewalt leiden in Afghanistan nach Regierungsangaben immer mehr Menschen an Depressionen oder rutschen in die Drogenabhängigkeit ab. 66 Prozent der Afghanen seien depressiv oder hätten andere Gemütserkrankungen, sagte Vize-Gesundheitsminister Faisullah Kakar in einem Zeitungsinterview. Alle Bevölkerungsteile seien betroffen, selbst Menschen in der Regierung und im Parlament. Schon ein kleiner Funke genüge, um die Gewalt in einer so depressiven Gesellschaft anzuheizen. Daher sei der Kampf gegen psychische Erkrankungen und gegen Drogen die vorrangigste Aufgabe der Gesundheitspolitik.
„Depressive Menschen neigen dazu, Drogen zu nehmen, und dadurch werden sie noch depressiver. Das ist ein Teufelskreis, und den erleben wir gerade in Afghanistan“, sagte Kakar. Und die Zahl der Risikopersonen wachse. Die dringendsten Probleme sind Selbstmord, Gewalt in der Familie und Drogenmissbrauch. Afghanistan ist der weltgrößte Erzeuger von Opium, woraus Heroin gewonnen wird. Die islamistischen Taliban-Rebellen sollen sich zu einem großen Teil aus dem Drogenhandel finanzieren.
Angesichts von nur zwei staatlich angestellten Psychiatern bei 26 Millionen Einwohnern steht die Regierung allerdings vor einer kaum zu bewältigenden Aufgabe. Deswegen müsse Afghanistan seine Ärzte in den Grundlagen der Psychiatrie ausbilden, forderte Kakar, damit sie in den Dörfern Menschen mit solchen Gesundheitsproblemen ausmachen und behandeln könnten. Daneben sei eine Aufklärungskampagne für die Bevölkerung nötig.

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