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Allgemeinmedizin 19. März 2008

Notfallplaner am Ball

Die Fußball-EM steht unmittelbar vor der Tür. Aber nach wie vor gibt es Diskussionen darüber, ob die geplanten Maßnahmen in der Notfallmedizin ausreichend sein werden.

Vom 7. bis 29. Juni wird, wie allseits bekannt, die Fußball-Europameisterschaft hierzulande in Wien, Klagenfurt, Innsbruck und Salzburg über die Bühne gehen. Erwartet werden in dieser Zeit über drei Millionen Besucher. Die Fußballfans werden nicht nur in den ausverkauften Stadien zu finden sein, sondern auch die sogenannten Fanmeilen bevölkern, genauso an den spielfreien Tagen.
„Bei der Fußball-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Deutschland kam es zu wesentlich mehr Notfällen, als öffentlich bekannt wurden“, berichtet Dr. Dieter Kopper, Referent für Notfalldienste und Katastrophenmedizin der Kärntner Ärztekammer.

Die Friedlichen sind kein Problem

Zur kommenden EM werden allein in und rund um Klagenfurt an die 150.000 Menschen erwartet, „abgesehen von den üblichen notfallmedizinischen Problemen ist auch zu bedenken, dass nicht alle Fans friedliche Anhänger sind“, so Kopper. Das Land Kärnten habe allerdings die Notärzte in seine Planungen sehr lange so gut wie überhaupt nicht eingebunden.
Bis Freitag letzter Woche war etwa offen, wie der notärztliche Dienst rund um das Stadion und die Großbildschirme in den Fanmeilen funktionieren wird. „Nun konnte gerade noch rechtzeitig eine Einigung mit dem Land Kärnten und der Stadt Klagenfurt erzielt werden. Auch der Bereitschaftsdienst wird verstärkt, ebenso bei den Allgemeinmedizinern“, berichtet Kopper. Er führt diesen „Erfolg in allerletzter Minute“ auf die Gründung einer Plattform der Kärntner Notärzte zurück, die sich massiv für deren Interessen einsetzte.
Zu den langen Verhandlungen sagt Valentin Mack, im Land Kärnten für den Bereich Katastrophenschutz zuständig: „Es geht vor allem um Maßnahmen, wenn größere medizinische Notfälle eintreten. Wir haben verschiedene Angebote für die notfallmedizinische Betreuung eingeholt. Die Kärntner Notärzte hätten das Doppelte gekostet – wir haben nun neben Notärzten aus Kärnten auch solche aus anderen Bundesländern einbezogen bzw. eine Vereinbarung mit dem Roten Kreuz getroffen. Wir werden offiziell geprüft und müssen bei den Kosten verschiedene Angebote, die in ihrer Qualität gleichwertig sind, berücksichtigen.“
Nun haben Land und Stadt eingelenkt, die Kärntner Notärzte, die bei der Betreuung der Fanmeilen eingesetzt werden, bekommen dasselbe Gehalt wie alle anderen.
Kopper erinnert aber an die weiter bestehende Forderung, dass das Land einen leitenden Notarzt installieren müsse. „Dieser darf nicht zu einer bestimmten Rettungsorganisation gehören, muss unabhängig sein und die nötige Weisungsbefugnis haben – gerade für die Vorbereitung von Großereignissen wie die EM oder den Umgang mit Großunfällen!“
„Obwohl die Vorbereitungen für notfallmedizinische Maßnahmen während der Fußball-EM in Wien schon sehr weit gediehen sind, sind die Spitäler des Krankenanstaltenverbundes (KAV) nach wie vor nicht optimal vorbereitet“, sagt Dr. Stefan Pöchacker, Referent für Belange der KAV-Spitäler in der Wiener Ärztekammer. Es fehle ein Masterplan, der die Aktivitäten der verschiedenen Häuser koordiniert und aufeinander abstimmt. „Wir haben uns monatelang darum bemüht, es war aber kaum Kooperationsbereitschaft vorhanden“, meint Pöchacker. Derzeit würden „hektisch Notfallmediziner für die geplanten großen Lazarettzelte beim Stadion und in der Nähe der Fanmeile gesucht.“ Er bezweifelt auch, ob dort tatsächlich wie geplant kleinere chirurgische Eingriffe durchgeführt werden können. So müsste auch für ausreichend freie unfallchirurgische Betten gesorgt werden. „Wir fahren in den Häusern des KAV ja jetzt schon teilweise deutlich über dem Limit – wo sollen da plötzlich freie Betten und Kapazitäten herkommen?“, befürchtet Pöchacker unnötige Engpässe.

Urlaubssperre für die Ärzte

Dr. Susanne Drapalik vom KAV weist die Vorwürfe zurück: „Natürlich gibt es Vorgaben für die einzelnen Häuser während der Fußball-EM. Diese werden verschiedene Aufgaben übernehmen, für deren Planung und Umsetzung die jeweilige kollegiale Führung zuständig ist.“ Die Organisation der notärztlichen Dienste sei ebenfalls im Laufen, „wir liegen mit unseren Vorbereitungen in der Zeit“, ist sich Drapalik sicher. Die „Lazarettzelte“ hätten vor allem die Aufgabe, Bagatellfälle herauszufiltern, das betrifft besonders Personen mit Alkoholabusus.
Vor Ort sollen auch kleinere Riss-Quetsch-Wunden versorgt werden – „damit soll auch die Transportlogistik deutlich entlastet werden“. Für schwerwiegendere medizinische Probleme seien natürlich die verfügbaren Bettenkapazitäten eingeplant bzw. vorhanden, noch dazu sei für den Zeitraum der EM eine Urlaubssperre ausgesprochen und damit auch ausreichend Personal vorhanden.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 12/2008

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