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Allgemeinmedizin 13. Februar 2008

Sport mit Todesfolge

In letzter Zeit sorgten plötzliche Todesfälle Jugendlicher bei Sportveranstaltungen für dicke Schlagzeilen. Können solche Vorfälle verhindert werden?

Sport fördert die Gesundheit – auch bei Jugendlichen. Doch immer wieder wird die Öffentlichkeit von Meldungen über Sportveranstaltungen mit Todesfolge aufgeschreckt. Dabei geht es aber nicht darum, dass junge Menschen beim Snowboarden zu Tode stürzen oder nach Fußballmatches auf fatale Weise handgreiflich werden, sondern etwa um Fälle von plötzlichem Herztod während des Trainings oder Wettkampfs.
„Die ärztliche Bestätigung darf nicht zu einer Alibiaktion verkommen.“
Dazu der Allgemeinmediziner Dr. Erwin Zanier, Vertreter der niedergelassenen Ärzte in der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (ÖGSMP): „Manchmal kommt es hier zu Häufungen, die auch entsprechende Medienberichte auslösen. Völlig vermeidbar sind solche Vorfälle nicht, aber eine intensivere sportmedizinische Grundversorgung bzw. regelmäßige Betreuung ist sicher nicht nur in dieser Hinsicht wichtig!“
Viele Sportvereine verlangen von den Aspiranten eine ärztliche Bestätigung. „Sicher eine wichtige Maßnahme – aber das darf auf keinen Fall zur Alibiaktion verkommen, wo der Arzt einfach seinen Stempel hergibt“, meint Mag. Paul Nittnaus, Generalsekretär des unabhängigen Allgemeinen Sportverbandes Österreichs (ASVÖ). Er sieht diese Untersuchung zudem als Chance, Hinweise zum Lebensstil zu geben: In Bezug auf Bewegung im Alltag und Ernährung auch auf die Grenzen der Leistungsbelastung, womit auch das Thema Doping angesprochen werden kann. Solche Impulse wären auch bei einer kontinuierlichen Begleitung wichtig.
Dass die Untersuchung in Bezug auf Sporttauglichkeit eher gründlich ausfallen sollte, sieht auch Zanier so. „Es gibt in den Bundesländern leider sehr unterschiedliche Systeme, was an sportmedizinischer Primäruntersuchung sowie kontinuierlicher Betreuung von den Kassen oder der öffentlichen Hand gezahlt wird.“ In Tirol gibt es einen von Gebietskrankenkasse und Land gespeisten Pool gesundes Tirol – daraus werden niedergelassene Ärzte bezahlt, die bei Sechs- bis 19-Jährigen eine sportmedizinische Untersuchung durchführen. So werden in Tirol jährlich über 2.500 Kinder und Jugendliche gescreent.
In anderen Bundesländern fehlen eigene Tarife oder es wird nicht überall auf das Vorliegen einer sinnvollen, standardisierten ärztlichen Voruntersuchung geachtet. Wenn es um den Einstieg in den Spitzensport geht, läuft dies auch sehr unterschiedlich – in Tirol etwa über die sportmedizinischen Spitalsinstitute. Zaniers Versuche als sportmedizinischer Referent der Österreichischen Ärztekammer um eine einheitliche Vorgangsweise sind jedenfalls bislang immer gescheitert.

Absurde Prüfung

Ein Problem aus seiner Sicht: „Die Eingangsuntersuchung hat natürlich einen wichtigen Stellenwert, aber eigentlich ist es absurd, wenn z. B. mit sechs Jahren ein sportmedizinischer Check erfolgt und dann nichts mehr.“ Sportverbände wie etwa jene der Judoka oder Eiskunstläufer fordern eine jährliche Untersuchung ein – „aber überall dort, wo es um eine regelmäßige sportliche Tätigkeit geht, sollte es eine solche Regelmäßigkeit geben.“ Zanier wünscht sich dabei, dass sich auch Sportvereine stärker an den entstehenden Kosten beteiligen.
Auch wenn Nittnaus die Forderung nach regelmäßigen sportmedizinischen Untersuchungen grundsätzlich mitträgt, betont er doch: „Die vielen kleinen Sportvereine haben einfach keine entsprechenden Ressourcen – wichtig wäre bei diesen, Aufgaben mit zweckgebundenen Mitteln zu unterstützen.“ Nittnaus wünscht sich mehr finanzielles Engagement der öffentlichen Hand: „Denn gerade hier ist ein Feld, um mögliche Erkrankungen sehr früh zu erkennen bzw. um die positiven Aspekte des Sportes auf die Gesundheit aktiv zu fördern.“
Der Pädiater Prof. Dr. Peter Schober, Präsident der ÖGSMP, verweist auf das positive Beispiel Italien: „Dort ist eine regelmäßige EKG-Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen, die Wettkampfsport betreiben, verpflichtend vorgesehen. So konnte die Häufigkeit spontaner Todesfälle beim Sport aufgrund von Herzproblemen drastisch gesenkt werden.“

Italien als Vorbild

Die ÖGSMP hat für diese Risiko­erfassung einen Untersuchungsbogen für solche sportmedizinischen Checks ausgearbeitet – „in der Steiermark wird dieser von der Landessportorganisation empfohlen, das müsste auch auf Bundes­ebene so sein, und wir werden dazu Gespräche mit den Sport-Verantwortlichen in der Bundesregierung aufnehmen.“ Wichtig für Schober ist dabei eine einheitliche, standardisierte Untersuchung und die jährliche Durchführung – „neben der Untersuchung des Stütz- und Bewegungsapparats geht es um die Risikoerfassung für angeborene wie auch erworbene Probleme des Herz-Kreislauf-Systems, die häufig zwischen dem 17. und 24. Lebensjahr als plötzliche Todesfälle auftreten können.“
Diese Untersuchung, die etwa 50 Euro kosten würde, in Italien anders als in Österreich vom Staat finanziert wird, könnte Leben retten, „es kann einfach nicht sein, dass so etwas für sporttreibende Kinder und Jugendliche nicht jährlich möglich ist!“, so Schober. Auch eine engere Kooperation zwischen Verbänden und sportmedizinischen Institutionen wäre seiner Meinung nach wünschenswert.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 7/2008

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