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Allgemeinmedizin 7. Mai 2008

Affiris entwickelt die Alzheimer-Impfung

Das Wiener Biotech-Unternehmen Affiris zieht eine erste erfolgreiche Zwischenbilanz seines klinischen Alzheimer-Impfprogramms: Alle bislang behandelten Alzheimer-Patienten haben die Therapie gut vertragen. Innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre könnte der Impfstoff auf den Markt kommen.

In Anbetracht der dramatischen Zunahme der Alzheimer-Fälle werden neue, effektivere Therapieansätze dringend benötigt. Derzeit verfügbare Medikamente sind von begrenzter Wirksamkeit. Sie können die Symptome der Erkrankung nur vorübergehend, über einen Zeitraum von circa ein bis zwei Jahren, lindern, auf das Voranschreiten der Demenz haben sie letztendlich keinen Einfluss. Einen völlig neuen Ansatz verfolgt Affiris. Mittels einer innovativen Alzheimer-Impfung zielt man nicht nur auf die Symptome der Krankheit ab, sondern hofft, direkt in den Erkrankungsprozess im Gehirn von Alzheimer-Patienten eingreifen zu können.

Sicherheit als oberstes Prinzip

In den laufenden klinischen Patientenstudien erhält der Faktor Sicherheit oberste Priorität. „Die Verträglichkeit und Unbedenklichkeit der neuen Impfstoffe gilt als der kritische Endpunkt“, betont Prof. Achim Schneeberger, klinischer Studienleiter bei Affiris. Derzeit werden zwei Studien durchgeführt. AFFiRiS 001 läuft am Wiener AKH und untersucht den Impfstoff AFFITOP AD01. Die Studie AFFiRiS 002 mit dem Impfstoff AD02 wird am Wiener Institut für Psychosomatik getestet. Beide Impfstoffe unterscheiden sich zwar in ihrer wirksamen Komponente, dem antigenen Peptid, im Design sind beide Studien jedoch praktisch identisch.
Bisherige Ergebnisse der Toxizitätsprüfung, der seit September 2007 laufenden AFFiRiS 001-Studie an acht Alzheimer-Patienten mit milder bis mittelschwerer Demenz, bestätigen die Sicherheit der innovativen Immuntherapie. Schneeberger: „Alle Patienten haben die bisherigen Impfungen erwartungsgemäß gut vertragen.“ Ebenso erfreulich startete die Schwester-Studie AFFiRiS 002 Ende Februar 2008: die bisher eingeschlossenen Alzheimer-Patienten haben ebenfalls ihre erste Impfung erhalten und problemlos vertragen.

Eiweißablagerungen im Gehirn

Das Aß-Amyloid ist der Hauptbestandteil der für die Alzheimer-Demenz charakteristischen Eiweißablagerungen (Amyloidplaques). Seine Anreicherung in Form neurotoxischer Aggregate führt letztlich zum Untergang von Gehirnzellen und verursacht die typischen Symptome des Alzheimers. In Studien mit einem ersten Impfstoff, genannt AN1792, der amerikanisch-irischen Pharmaallianz ELAN/Wyeth im Jahr 2001, kam es zum Auftreten von schweren Entzündungen des Gehirns, was den sofortigen Abbruch der Studie zur Folge hatte. Trotzdem zeigte sich im Rahmen von Nachuntersuchungen, dass die Impfung bei einem Teil der Patienten wirksam war: Etwa 20 Prozent entwickelten schützende Antikörper gegen Aß-Amyloid, bei einem Teil der Patienten schritt die Erkrankung seither nicht mehr weiter fort.

Konzept der Alzheimer-Impfung

„Unsere Wiener Forschungsgruppe setzt an der Modifikation des Immunogens für die Impfung an“, erläutert Schneeberger. Um bereits im Vorfeld mögliche unerwünschte Nebenwirkungen auszuschließen, bedient man sich bei Affiris eines ausgeklügelten Tricks, der auf dem Prinzip des molekularen Mimikry (Ähnlichkeits-Prinzip) basiert. Durch diese „Technologie“ kann die gewünschte Immunreaktion gegen schädliche Eiweißablagerungen punktgenau gesteuert werden. Dieses Täuschungsmanöver wird nach einem Baukastenprinzip durch die Kombination mit weiteren, von Affiris entwickelten Sicherheitskomponenten unterstützt: dem immunogenen Peptid, einem Trägerprotein und einem bewährten und sicheren Adjuvans. Die eingesetzten Peptide sind kurze, zwischen sechs und sieben Aminosäuren lange Mimotope des Aß-Amyloids. Damit sollen einerseits die gewünschte Auflösung schädlicher Eiweißstoffe im Gehirn ermöglicht, zugleich aber unerwünschte Immunreaktionen ausgeschlossen werden. Ein von Affiris verwendetes Tiermodell für Alzheimer-Demenz bestätigte, dass Amyloidplaques durch den Impfstoff nicht nur um etwa 70 Prozent reduziert werden konnten, die Tiere schnitten auch in Hirnleistungstests signifikant besser ab. Nunmehr konnte auch in ersten klinischen Studien an Alzheimer-Patienten gezeigt werden, dass sich dieses Konzept bestens bewährt, wodurch der Weg in den nächsten Studienabschnitt möglich wurde.

Quelle und Rückfragehinweis:
x3 projects
01/5322758

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