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Allgemeinmedizin 19. März 2008

Neue Schmerzpumpe erspart Schmerzen

Wer ein künstliches Kniegelenk benötigt, ist heute in der Regel sehr rasch wieder mobil und kann seinen Bewegungsdrang gut ausleben. Voraussetzung ist, man wendet sich dazu an ein spezialisiertes Zentrum mit ausreichender Erfahrung in minimalinvasiver OP-Technik und neuester OP-Ausstattung mit Computernavigation. Was man allerdings wissen sollte: Kurz nach dem Eingriff kann das Knie mitunter recht heftig schmerzen. Daher erhalten Patienten üblicherweise – je nach Schmerzempfindlichkeit – starke Schmerzpräparate oder Infusionen. Diese reduzieren die anfänglichen Beschwerden zwar, können aber zu Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, hartnäckiger Magen-Darmträgheit oder Herz-Kreislaufproblemen führen. Auch die Schmerztherapie mittels Epiduralkatheter ist nicht unumstritten. Schließlich muss dieser an der Wirbelsäule sehr nahe an den Nervenwurzeln gelegt werden.
Jetzt eröffnet sich eine gute Alternative: Am orthopädischen Zentrum des Evangelischen Krankenhauses Wien wurden in den letzten Monaten erstmals in Österreich an die 300 Knie-Patienten mit einem speziell fürs Kniegelenk entwickelten Pain-Buster, d.h. einem gezielt eingesetzten und mit einer automatischen Schmerzpumpe verbundenen Schmerzkatheter, behandelt. Die kleine Ballonpumpe gibt dabei in den ersten ein bis drei postoperativen Tagen kontinuierlich eine vom Anästhesisten genau berechnete Menge schmerzstillender Substanzen direkt ins Kniegelenk ab. Der Patient kann den etwa tennisballgroßen Ballon in einem kleinen Beutel mit sich tragen und sein Bett jederzeit und ohne Hilfe verlassen.
Nach dem zehnmonatigen Beobachtungszeitraum liegen die Vorteile für Orthopädievorstand Prof. Dr. Gerald Pflüger klar auf der Hand: „Die Verabreichung starker, im ganzen Körper wirkender Schmerzmittel und die damit verbundenen unangenehmen Nebenwirkungen konnten drastisch reduziert werden. Rund 15 Prozent aller Patienten benötigten überhaupt kein zusätzliches Schmerzmittel mehr. Die Patienten können erfreulicherweise rascher schmerzfrei ihr Knie bewegen, gehen und auch wieder Stiegen steigen.“
OA Dr. Sabine Junk-Jantsch ergänzt: „Die Patienten fühlen sich in den ersten Tagen nach dem Eingriff wesentlich wohler, da die Schmerztherapie mit dem speziellen QN-Q Pain-Buster gezielt wirkt und nicht den ganzen Körper belastet. Die Patientenzufriedenheit liegt nach unseren jetzigen Aufzeichnungen daher bei über 90 Prozent.“
Das orthopädische Zentrum am EKH Wien verfügt derzeit nach rund 300 behandelten Patienten über die größten Erfahrungswerte in Österreich, was den Einsatz des Pain-Buster-Systems nach Kniegelenks-Operationen betrifft. Als nächsten Schritt plant das dortige Orthopädie- und Anästhesieteam unter Prim. Dr. F. Neiger, diese gezielte, postoperative Schmerztherapie auch nach dem Einsatz künstlicher Schultergelenke und bei großen Eingriffen an der Wirbelsäule einzusetzen.

Quelle und Rückfragehinweis:
Evangelisches Krankenhaus Wien
Hans-Sachs-Gasse 10-12
1180 Wien
01/40422 – 4012 oder – 503

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