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Orthopädie 12. Juni 2008

Erstbehandlung von Gicht mit Prednisolon

Das Kortikosteroid Prednisolon ist in der Behandlung eines Gichtanfalls ebenso wirksam wie das herkömmliche Naproxen. Es könnte daher zur Therapie einer Erkrankung konventionelle Medikamente ersetzen, die Komplikationen des Verdauungstrakts, der Nieren und des Herzkreislaufsystems hervorrufen können. Die herkömmlichen Präparate zur Behandlung bei Gichtanfällen sind Colchicin und nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAR).
Colchicin ist der älteste Wirkstoff, sein Einsatz ist jedoch auf Grund seines engen therapeutischen Fensters, seiner Nachteile bei Nierenversagen und der Verfügbarkeit von NSAR zurückgegangen. NSAR sind heutzutage trotz ihrer Risiken für Verdauungs- und Herzkreislaufapparat erste Wahl einer medikamentösen Behandlung.
Dr. Hein Janssens vom Radbound University Nijmegen Medical ­Centre sowie dem holländischen Rijnstate Hospital in Arnhem und Kollegen untersuchten die Wirksamkeit von Prednisolon und dem NSAR Naproxen in der Erstversorgung und publizierten ihre Ergebnisse im Lancet (2008; 371: 1854).
In einer randomisierten klinischen Studie erhielten 120 erstversorgte Patienten, deren Gicht durch Harnsäurekristalle nachgewiesen worden war, entweder Prednisolon (einmal täglich 35 Milligramm, 60 Patienten) oder Naproxen (zweimal täglich 500 Milligramm, 60 Patienten).
Die Forscher bewerteten den Schmerz an Hand einer visuellen Analogskala (VAS), wobei Null Millimeter für keinen Schmerz und 100 Millimeter für den stärksten je empfundenen Schmerz stehen. Nach 90 Stunden lagen die sich nahezu entsprechenden und somit Gleichwertigkeit andeutenden Muster des Rückgangs in der Schmerzempfindung zwischen 62 und 17 Millimeter für Prednisolon, sowie zwischen 59 und 13 Millimeter für Naproxen. In beiden Gruppen waren die geringen Nebenwirkungen ähnlich und nach drei Wochen Nachuntersuchungszeitraum behoben.
Die Autoren folgern, dass Prednisolon, zumindest in dieser Studie, dem Naproxen zur Behandlung der Gicht klinisch ebenbürtig war. Sie bemerken: „Neben der erhöhten Sicherheit würden die direkten Medikamentenkosten geringer ausfallen, wenn systemische Kortikosteroide wie Prednisolon Medikamente erster Wahl wären. Im Zusammenhang mit ökonomischem Nutzen sollten auch die zusätzlichen Kosten der zur NSAR-Therapie hinzu kommenden Protonenpumpenhemmer in Betracht gezogen werden. Im Endergebnis liefert die vorliegende Studie ein starkes Argument, Prednisolon zur Erstbehandlung von Gichtpatienten in Erwägung zu ziehen.“
In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Timothy Rainer und Dr. Colin Graham vom Prince of Wales Hospital an der Chinese University of Hong Kong, dass die Ergebnisse der Studie gegebenenfalls in größeren Testverfahren wiederholt werden müssten, um Ärzte von einer Änderung ihrer klinischen Praxis zu überzeugen.
Die Forscher folgern: „Gleichwohl wird Janssens Studie einen Weg finden, rheumatologische Puristen wie auch Pragmatiker der vordersten Front davon zu überzeugen, dass oral verabreichte kurzfristige Kortikosteroide in der Erstbehandlung eines akuten Gichtanfalls und gicht-ähnlicher Syndrome ebenso wirksam sind wie NSAR.“

www.thelancet.com

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