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APA-Artikel 11. September 2017

Stichwort: Die EU-Arzneimittelbehörde in London

1995 trat Österreich der EU bei, im selben Jahr wurde auch die EU-Arzneimittelbehörde (European Medicinices Agency/EMA) gegründet. Sitz ist derzeit London, Österreich will sie rund um den Brexit nach Wien holen. Aufgabe der EMA ist der Schutz der Gesundheit von Menschen und Tieren durch Bewertung und Überwachung von Medikamenten.

Zur "Sicherstellung, dass alle auf dem europäischen Markt erhältlichen Medikamente sicher, wirksam und von hoher Qualität sind" schaut die Agentur darauf, dass die nationalen Arzneimittel-Regulierungsbehörden der 28 Mitgliedstaaten ihre Arbeit besser untereinander abstimmen. So ist in Europa ein Netzwerk aus diesen einschlägigen Institutionen entstanden. Die Vorteile dadurch: verbesserter Informationsaustausch, schnellere und effizientere Verwaltungsabläufe, Bündelung von Ressourcen, einheitliche Standards bei Medikamenten.

Die EMA ist ferner zuständig für Medikamente, die speziell für Kinder oder gegen seltene Krankheiten entwickelt wurden, sowie für pflanzliche Mittel. In ihrer mehr als 20-jährigen Tätigkeit empfahl die Behörde die Zulassung von knapp 1.000 Arzneien für den Gebrauch von Menschen und knapp 200 für Tiere.

Geführt wird die EU-Agentur seit 2011 (mit einer einjährigen Unterbrechung) vom Italiener Guido Rasi. Er steht an der Spitze des 36-köpfigen EMA-Verwaltungsrates aus Experten der EU-Mitgliedstaaten, von EU-Kommission und EU-Parlament, sowie Vertretern von Patienten-, Ärzte- und Tierärzte-Organisationen. Insgesamt sind knapp 900 Personen für die Arzneimittelbehörde tätig.

Wegen des EU-Austritts von Großbritannien muss die Arzneimittelagentur in einen anderen Mitgliedstaat umziehen. Österreich bewirbt sich und will die Behörde in die Bundeshauptstadt Wien holen. Zwei Gebäude wurden konkret angeboten: der Austria Campus in Wien-Leopoldstadt und das VIE 26 Erdberger Lände in Wien-Landstraße. Auch wenn Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) "beste Chancen" für Wien sieht, das Konkurrentenfeld ist groß. Auch Amsterdam (Niederlande), Athen (Griechenland), Barcelona (Spanien), Bonn (Deutschland), Bratislava (Slowakei), Brüssel (Belgien), Bukarest (Rumänien), Kopenhagen (Dänemark), Dublin (Irland), Helsinki (Finnland), Lille (Frankreich), Mailand (Italien), Porto (Portugal), Sofia (Bulgarien), Stockholm (Schweden), Valletta (Malta), Warschau (Polen), Zagreb (Kroatien) wollen die EM bei sich ansiedeln. Insgesamt gibt es also 19 Bewerber.

Bis September sollten die Experten in Brüssel zu einer Bewertung kommen. Im Oktober soll dann auf Ebene der Europaminister eine politische Diskussion auf Basis der Kommissionsbewertung stattfinden. Noch im selben Monat wird der EU-Gipfel über den Verlauf der Debatte informiert. Im November stimmen dann die Europaminister ab.

Aus London weg muss auch die EU-Bankenaufsicht (European Banking Authority/EBA). Auch hier kandidiert Österreich mit dem Standort Wien. Die Zahl der Mitbewerber ist hier kleiner, im Rennen sind auch Brüssel, Dublin, Frankfurt/Main, Paris, Prag, Luxemburg und Warschau.

Wer den Zuschlag für eine der beiden Agenturen erhält, kann auf immense Zusatzeinnahmen hoffen. EMA und EBA richten jährlich Hunderte Konferenzen und Veranstaltungen mit Experten aus aller Welt aus. Zuletzt sorgten beide Agenturen in London für rund 39.000 zusätzliche Hotelübernachtungen pro Jahr. Die neuen Standorte werden auch vom Umzug hoch qualifizierter und gut verdienender Mitarbeiter profitieren.

Die EBA wurde erst im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise im Jahr 2011 ins Leben gerufen. Sie soll die wirksame und überlegte Regulierung und Überwachung des Bankensektors in Europa zu dessen geordneter Funktionsweise und zum Erhalt der Finanz-Stabilität gewährleisten. Die rund 200 Mitarbeiter bringen sich auch bei der Harmonisierung der Aufsichtspraxis in Europa und beim Einheitlichen Regelbuch für Banken ein. Vorsitzender der EBA ist derzeit Andrea Enria (Italien), Geschäftsführender Direktor Adam Farkas (Ungarn).

apa.at

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