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Kritischer Blick: Überdurchschnittliche Thrombozytenwerte sind Marker für ein erhöhtes Risiko für Tumorerkrankungen.
 
Allgemeinmedizin 10. August 2017

Plättchenüberfluss wegen keimendem Geschwür

Krebsrisiko. Wird bei einem Patienten in der Hausarztpraxis eine Thrombozytose festgestellt, sollte das auch den Verdacht auch auf eine maligne Erkrankung lenken, selbst wenn keine einschlägige Symptomatik besteht.

Erhöhte Thrombozytenwerte sind ein Marker für ein erhöhtes Krebsrisiko. Britischen Ärzten zufolge rechtfertigt der Befund auch bei Hausarztpatienten ohne verdächtige Symptome Untersuchungen auf ein möglicherweise zugrunde liegendes Malignom.

Die Mediziner um Dr. Sarah E. R. Bailey von der Universität Exeter haben anhand prospektiv erhobener Registerdaten aus der Primärversorgung festgestellt, dass bei einem von neun Männern und einer von 16 Frauen im Jahr nach der Thrombozytose eine Krebserkrankung entdeckt wird. Bei Patienten mit normalen Thrombozytenzahlen waren Krebsdiagnosen sehr viel seltener ( Sarah ER Bailey et al., Br J Gen Pract 2017, online 23. Mai ).

Analysiert wurden die Daten von 31.261 Patienten (medianes Alter 68 Jahre, 70 Prozent Frauen) mit Thrombozytenwerten > 400 x 109/l. Bei 1.098 war binnen eines Jahres nach dem Laborbefund Krebs diagnostiziert worden.

Bei den Männern traf es 11,6 Prozent, bei den Frauen 6,2 Prozent. In einer Kontrollkohorte von 7.969 Patienten gleichen Alters und Geschlechts mit normalen Thrombozytenwerten wurde bei 4,1 Prozent der Männer und 2,2 Prozent der Frauen ein Malignom festgestellt.

Risiko steigt mit Thrombozytenzahl

Das Krebsrisiko stieg mit der Höhe der Thrombozytenzahl. Das höchste Risiko hatten Patienten mit einem zweiten Thrombozytosebefund binnen sechs Monaten. Männer mit gleichbleibend oder stärker erhöhtem Wert als beim ersten Blutbild bekamen zu 18,1 Prozent, solche mit immer noch zu hohen, aber gesunkenen Thrombozytenzahlen zu 19,1 Prozent eine Krebsdiagnose. Bei den Frauen waren es 10,1 und 7,3 Prozent.

Die meisten Krebserkrankungen in der Thrombozytosekohorte traten an Lunge oder Darm zutage (573 und 627 Patienten). Die beiden Krebsarten waren damit wesentlich häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Brust- und Prostatakrebs wurde dagegen unterdurchschnittlich häufig gefunden. Jeweils jeder dritte Thrombozytosepatient mit Bronchial- oder Kolorektalkarzinom hatte im Jahr vor der Diagnose keinerlei verdächtige Symptome. Zwischen dem auffälligen Blutbild und der Krebsdiagnose vergingen im Median 50 und 67 Tage.

Vorhersagewerte „sehr hoch“

Die positiven Vorhersagewerte einer Thrombozytose für eine maligne Erkrankung von 11,6 Prozent bei Männern und 6,2 Prozent bei Frauen bewerten die Studienautoren als „sehr hoch“; sie liegen zudem deutlich über den drei Prozent, die in einer Leitlinie des National Institute for Health and Care Excellence als Schwellenwert für die dringende Abklärung eines Krebsverdachts definiert worden sind.

Der größte Nutzen einer weiterführenden Untersuchung dürfte sich für jene Patienten ergeben, die keine weiteren Symptome haben, die eine Krebsdiagnostik anstoßen. „Das spricht stark dafür, dass Krebs in Betracht gezogen werden sollte, wenn eine Thrombozytose gefunden wird, auch wenn es vorher keine Hinweise auf einen Krebs gegeben hat“, betonen Bailey und Kollegen.

Ihren Daten zufolge könnte dadurch ein „beträchtlicher Anteil der Lungen- und Darmkrebsdiagnosen um mindestens zwei Monate früher gestellt werden“.

Beate Schumacher/ ÄZ

, Ärzte Woche 26/2017

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