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© Robert Bayer
Leckerlis erhielten nicht alle Wölfe, die auf den Summer drückten.
 
Leben 10. August 2017

Auch Tiere fühlen Ungerechtigkeit

Verhaltensforschung. Nicht nur Hunde, sondern auch Wölfe reagieren, ähnlich beleidigt wie Menschen oder Primaten, auf ungleiche Behandlung. Im Verhaltenstest verweigerten jene Wölfe, die leer ausgegangen waren die weitere Mitarbeit.

Eine wichtige soziale Fähigkeit des Menschen ist es, einschätzen zu können, dass man ungerecht behandelt wird. Dies ist vor allem wichtig, wenn man mit anderen kooperiert. Verschiedene Affenarten reagieren ebenso sensibel, wenn sie ungleich behandelt werden. Ob auch andere Tierarten ungleiche Behandlung erkennen und darauf reagieren, ist kaum erforscht. Bei Hunden gab es in verschiedenen Studien zumindest Anzeichen von Abneigung gegen ungleiche Behandlung, etwa wenn sie selbst kein Futter bekamen, aber ihr Partner für dieselbe Aktion schon. Dass sie diese Fähigkeit besitzen, wurde bislang mit der Anpassung an den Menschen, der Domestikation, erklärt.

Ihre nächsten Verwandten, die Wölfe, zeigen jedoch genauso Abneigung gegen ungleiche Behandlung. Das belegt eine neue Studie des Messerli Forschungsinstitutes und des Wolf Science Centers der Vetmeduni Wien. Wenn die Tiere auf Kommando eines Trainers einen Summer drückten und dafür keine oder ein weniger bevorzugtes Leckerli als ihr Partner für dieselbe Aktion bekamen, dann verweigerten sie die Teilnahme an dem Versuch. Das Verhalten war ähnlich bei Wölfen und Hunden, die gleich aufgezogen wurden und somit die gleichen Erfahrungen hatten. Dies deutet auf eine von einem gemeinsamen Vorfahren vererbte Fähigkeit hin. Domestikation ist somit kein Faktor, warum Hunde auf eine ungleiche Behandlung reagieren.

Die Forscher um Jennifer Essler und Friederike Range untersuchte das Verhalten beider Hundearten mit einem Nicht-Belohnungstest und Qualitätstest, bei denen die Tiere in zwei aneinandergrenzende Gehege gebracht wurden. Sie mussten dann abwechselnd auf Kommando mit der Pfote einen Knopf drücken, um eine Belohnung zu bekommen. „Beim Nicht-Belohnungsversuch erhielt jedes Mal nur der Partner ein Leckerli. Das Versuchstier ging leer aus. Beim Qualitätstest gab es zwar für beide Vierbeiner eine Belohnung, das bevorzugte und damit hochwertigere Leckerli ging aber wieder an den Partner“, so Essler.

Weitermachen verweigert

„Die Fähigkeit, die ungleiche Behandlung zu erkennen, zeigte sich, wenn sie sich weigerten, weiterzumachen.“ Interessanterweise arbeiteten die Tiere aber ohne Probleme weiter, wenn kein Partner anwesend war. „Das demonstriert, dass es nicht allein die Tatsache ist, dass sie selber keine Belohnung bekommen haben, weshalb sie aufhören, mit dem Trainer zu kooperieren“, sagt Range.

„Das Verweigern wird ausgelöst, weil der andere etwas bekommen hat, sie selber aber nicht.“ Auch beim Qualitätstest weigerten sich Wölfe und Hunde, weiter mit dem Trainer zu kooperieren und den Summer zu drücken. „Diese Reaktion konnte in den bisherigen Versuchen nicht gezeigt werden. Es bestätigt noch eindeutiger, dass es Wölfe und Hunde wirklich verstehen, wenn sie ungleich behandelt werden“, so Essler. Die Wölfe waren um einiges sensibler als die Hunde.

„Bei den ranghohen Tieren löste die ungleiche Behandlung schneller Frust aus, da sie diese Situation, etwas gar nicht oder nur von schlechterer Qualität zu kriegen, nicht gewohnt sind“, erklärt Range. „Die Ordnung im Rudel steht in direktem Zusammenhang mit der Reaktion auf ungleiche Behandlung.“

Wölfe, die ungerecht behandelt wurden, hielten Abstand zu den Menschen. Die Hunde dagegen nicht. „Auch wenn diese Vierbeiner nicht direkt mit Menschen zusammenleben, sind sie uns zugänglicher. Hier scheint die Domestikation das Verhalten der Hunde zu beeinflussen. Der enge Kontakt zum Menschen als Haustiere könnte ihr Verhalten in solchen Situationen eher reduzieren, als es auszulösen“, sagt Range.

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