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PD Dr. Peter Jaksch ist an der Universitätsklinik für Chirurgie in Wien tätig.

 
Pulmologie 12. Juni 2017

Mount Transplant

Kilimandscharo. Der Allgemeinchirurg und Bergsteiger Peter Jaksch führt eine internationale Gruppe auf Afrikas höchsten Berg. Das Besondere daran: Keiner seiner Bergkameraden atmet noch mit der eigenen Lunge.

Die Ärzte Woche erreicht den gestressten Expeditionsleiter Peter Jaksch wenige Stunden vor dem Abflug nach Tansania. Noch sind nicht alle Koffer gepackt, es fehlen sogar noch Taschen, die Flaggen für den Gipfelsturm müssen noch gekauft und verstaut werden, und auch für die nötigen Medikamente muss Platz im Reisegepäck gefunden werden.

Ihr seid nicht die erste Patientengruppe am Kilimandscharo, was aber nichts an der extremen Herausforderung ändert, was treibt Euch an?

Jaksch: Ein holländisches Transplantzentrum ist vor zwei Jahren mit zwölf Patienten raufgegangen. Die waren eine Mischung aus Leber-, Nieren-, Herz- und nur zwei Lungen-Transplantierten. Die haben das ohne medizinische Notfälle geschafft. Die waren eigentlich der Antrieb zu sagen, okay, machen wir das auch, mit Patienten aus sechs Ländern, die bei uns in Wien betreut werden.

Wie groß ist Ihr Team?

Jaksch: Wir sind zehn Patienten aus sechs Ländern, sowie 24 Begleitpersonen, Chirurgen, Pulmologen, Physikalisten, eine Pharmakologin, zwei Anästhesisten, zwei Schwestern und Angehörige.

Dazu kommen noch die Träger, das ergibt eine Karawane wie in der Frühzeit der Himalaja-Bergsteigerei.

Jaksch: Insgesamt gehen 100 Leute mit. Das Wasser für die Patienten wird raufgetragen. Der normale Tourist trinkt das aufbereitete Wasser von den Quellen oder aus den Lacken am Berg. Wir kriegen fünf Liter Wasser am Tag pro Patient raufgetragen. Zehn Porter gehen nur wegen des Wassers mit.

Von den gesunden Bergsteigern erreichen auf manchen Routen nur die Hälfte den Gipfel. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Jaksch: Das kommt eben darauf an, welche Route man nimmt und wie gut man akklimatisiert ist. Auf der Acht-Tages-Route, die wir gehen, gibt es eine 85-prozentige Erfolgsrate bei den Gesunden. Wir werden vier oder fünf Nächte zwischen 3.500 und 4.300 Metern Seehöhe schlafen. In der Nacht vom sechsten auf den siebenten Tag gehen wir auf den Gipfel Bei den Routen, die auf weniger vier Tage ausgelegt sind, liegt die Erfolgsaussicht bei unter 50 Prozent. Bei den Holländern sind damals drei von 24 Leuten nicht raufgekommen.

Das letzte Stück ist auch das anspruchsvollste, sie gehen in der Nacht über ein schneebedecktes Geröllfeld ...

Jaksch: Zum Klettern gibt es nichts, aber es ist eine megalange Auf- und Ab-Strecke. Um Mitternacht geht man los. Dann geht man sechs Stunden rauf und zehn Stunden wieder runter bis auf 3.000 Metern Seehöhe.

Die Träger sind bei „normalen“ Gruppen sehr streng. Wenn sie merken, dass ein Wanderer mit der Höhe Probleme hat, schicken Sie ihn sofort hinunter. Sie gehen mit zehn Lungentransplantierten, besteht da nicht die Gefahr, dass die Expedition sehr schnell vorbei ist?

Jaksch: Die Mitglieder meiner Gruppe sind körperlich besser beinander als die sogenannten normalen Bergsteiger. Ihre Lungenfunktion liegt bei 100 Prozent. Die sind alle austrainierte Sportler in Bestform. Die laufen Marathon, nehmen an den Transplant-Olympiaden teil. Das schützt zwar nicht vor einer Höhenkrankheit, aber von der Strecke her sollten sie das alles locker schaffen, und wenn sie sechs Tage Zeit haben, hoffe ich schon, dass die 80 bis 85 Prozent Erfolgsquote auch für uns gelten. Aber wenn es Probleme gibt, geht derjenige runter, da gibt es keine Diskussion. Konkret: Wenn der Lake Louis High Altitude Score (Anm.: http://bit.ly/2s80MBv ) jeden Tag klar nach oben geht, dann geht der Betreffende mit einem Porter runter und wartet auf uns, das gilt auch für die Begleitpersonen. Das ist kein Wettkampf und wenn einer höhenkrank wird, dann geht er runter.

Warum eignet sich gerade so eine lange Tour wie jene von Moshi auf den beinahe 6.000 Meter hohen Kilimandscharo so gut für Ihre Patienten? Gäbe es nicht kürzere, ähnlich spektakuläre Bergfahrten?

Jaksch: Erstens ist die Gefahr, dass man stirbt ist – anders als am Mount Everest – sehr gering. Zweitens, wenn man sich die Zeit nimmt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man raufkommt bei 80 bis 90 Prozent, was sehr gut ist. Es gibt keine Absturzgefahr, die meisten die sterben, sterben an Herzinfarkten. Und drittens ist es der höchste Berg Afrikas, was die ganze Unternehmung noch besonders prickelnd macht.

Warum tut man das überhaupt?

Jaksch: Um den Leuten zu zeigen, dass es machbar ist. Für das Lungentransplantationsprogramms ist es eine Werbung und es soll eine Motivation für andere Patienten sein. Alle Beteiligte sind begeistert, das ist das Größte was sie je in ihrem Leben erreichen werden von der sportlichen Leistung her. Ich hoffe es passiert nichts.

Sie haben vorgesorgt, nehme ich an?

Jaksch: Wir haben alles mit, von Infusionsflaschen, sämtliche Medikamente. Das Zusatzgepäck füllt fünf Taschen, insgesamt 120 Kilogramm. Wir messen unterwegs Blutgaswerte, wir machen Schlafscreening und Atemmuskel-Tests, Blutspiegelmessungen.

Die Woche der Wahrheit beginnt wo?

Jaksch: Wir fliegen nach Kilimandscharo Airport, wir bleiben zwei Tage in Arusha Stadt zum Briefing. Danach gehen wir acht Tage lang die Moshi-Route (Anm.: die wohl schönste Route am Kilimandscharo). Ein Traum für die Patienten.

Wer unterstützt Sie dabei?

Jaksch: Ich habe von Firmen und vor allem von Privatleuten viel Unterstützung erhalten, teilweise von transplantierten Patienten, die selber nicht mitgehen können, weil sie nicht so fit sind. Wenn die ganze Reise 4.000 Euro kostet, ist es doch schön, wenn ich dem Patienten die Hälfte refundieren kann.

Drei Monate Vorbereitungszeit liegt hinter Ihnen. Sie machen das zum ersten Mal?

Jaksch: Ja – und zum letzten Mal (lacht). Ich bin froh, dass ich jetzt bald dort bin und es endlich losgeht.

Ich hoffe, Sie können Ihre Expedition zum höchsten Berg Afrikas dennoch genießen, trotz aller organisatorischen Strapazen.

Jaksch: Das werde ich auf jeden Fall, ich kenne unsere Mannschaft sehr gut, ich kenne unseren Chef-Guide Gregory Prosper ( Anm.: www. kilimanjaroclimbingcompany.com ) von früheren Wanderungen im Gebiet. Das einzige was ich nicht planen kann, ist das Wetter. Im Juni ist die Regenzeit vorbei, es sollte jetzt trocken sein, aber das sind statistische Mittelwerte, die Natur hält sich nicht immer an Statistiken. Wir sind gut ausgerüstet, aber wenn es drei Tage durchgehend regnet, dann wird man krank.

Mit Peter Jaksch hat Martin Křenek-Burger gesprochen

, Ärzte Woche 24/2017

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