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APA-Artikel 9. Jänner 2017

Kautzky-Willer: Gendermedizinerin mit Vermittlungskompetenz

Schon früh hatte sie den Berufswunsch Medizinerin, familiäre Vorbelastung war für Alexandra Kautzky-Willer dabei offensichtlich nicht ausschlaggebend. Die Tochter eines Lehrer-Ehepaars dürfte von ihren Eltern aber die Vermittlungskompetenz geerbt haben, für die sie der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zur "Wissenschafterin des Jahres 2016" gekürt hat.

Geboren am 18. April 1962 in Wien begann Kautzky-Willer 1980 ihr Medizin-Studium an der Universität Wien, das sie 1988 mit Auszeichnung abschloss. Im selben Jahr heiratete sie den HNO-Facharzt Michael Kautzky, ein Jahr später kam Sohn Alexander zur Welt - der in die Fußstapfen seiner Eltern trat und ebenfalls Mediziner geworden ist.

Nach Abschluss ihrer Facharztausbildung für Innere Medizin (1996) folgte 1999 ein Zusatzfach für Endokrinologie und Stoffwechsel. Dazwischen (1997) habilitierte sie mit einer Arbeit über Insulin für das Fach Innere Medizin.

Seit Beginn der 1990er Jahre an der Universitätsklinik für Innere Medizin III des AKH Wien tätig, engagierte sich Kautzky-Willer früh in der Förderung und Bekanntmachung der Gendermedizin. Sie wurde 2007 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der neu gegründeten Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin, der sie seit 2013 als Obfrau vorsteht.

Anfang 2010 wurde die Ärztin zu Österreichs erster Professorin für Gendermedizin an der Medizin-Uni Wien, wo sie gleichzeitig die "Gender Medicine Unit" gründete. Im selben Jahr übernahm sie die Leitung des ersten postgradualen Uni-Lehrgangs für Gendermedizin in Europa. Kautzky-Willer engagiert sich aber nicht nur für die Weiterentwicklung der Gendermedizin, sondern versucht als Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen an der Medizin-Uni auch Frauenkarrieren zu unterstützen bzw. Diskriminierungen entgegenzuwirken.

Ihre Forschungsschwerpunkte sind neben Diabetes mellitus Typ 2 und Schwangerschaftsdiabetes ganz allgemein die Gendermedizin, wobei sie hier einen Schwerpunkt auf die Untersuchung von Genderaspekten bei Übergewicht, Fettleibigkeit, Fettgewebshormonen. Entzündungen und Gefäßerkrankungen legt. Ihre wissenschaftliche Arbeit hat sich in zahlreichen Publikationen, Büchern, Buchbeiträgen und internationalen Leitlinien niedergeschlagen sowie auch maßgeblich zur Aufnahme des Zuckerbelastungstests in die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen beigetragen.

Nicht nur als Autorin, auch als Referentin im Mini-Med-Studium engagiert sich Kautzky-Willer für die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an Laien. Neben verschiedenen medizinischen Preisen wurde sie vom European Institute for Gender Equality als eine der "Women Inspiring Europe" (2013) ausgezeichnet, 2015 erhielt sie den Gabriele Possanner-Staatspreis für Geschlechterforschung.

Sich selbst sieht Kautzky-Willer durchaus als ehrgeizig. Wichtig ist ihr aber die Arbeit im Team, speziell in der so interdisziplinären Gendermedizin müsse man Teamworkerin sein, sagt sie. Von ihren zahlreichen beruflichen Aktivitäten erholt sich die Medizinerin am liebsten beim Sport und Aktivitäten in der Natur. Zum Malen kommt sie kaum noch, dafür hat sie ein früheres Hobby ihres Sohnes übernommen: Reptilien. Doch selbst bei der Zucht von Bartagamen und Stachelschwanzwaranen sieht sie "wieder Bezug zur Gendermedizin" - könnten diese doch unter bestimmten Bedingungen das Geschlecht wechseln oder über die Temperatur der Eier bestimmen, ob der Nachwuchs männlich oder weiblich wird.

apa.at

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