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Komplementärmedizin 30. Juni 2005

Migräne als Leber- und Gallenblasen-Syndrom

Laut Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) sind Leber und Gallenblase bei Migräneanfällen immer mit beteiligt. Leber- und Gallenblasen-Qi stagnieren aufgrund von emotionalem Stress oder ungünstigen Nahrungsmittelkombinationen.
Dieses stagnierende Qi kann nicht ordnungsgemäß im ganzen Körper verteilt werden und steigt entlang der Leber- und Gallenblasen-Meridiane aufwärts zum Kopf, was dort Schmerzen verursacht. Auch kann das stagnierende Qi den Magen angreifen, was zu Übelkeit und Erbrechen führt. Nach längerem Bestehen der Qi-Stagnation entsteht Hitze, die wiederum entlang der Leitbahnen zum Kopf aufsteigt und extreme Migräneanfälle auslösen kann. Hinzu kommen oftmals Blutstase und Schleim, wodurch das Bild noch komplizierter wird.

Migräneauslöser

Nahrungsmittel, die eine Migräne auslösen können, sind Alkohol, besonders Rotwein, Milchkaffee, Hartkäse, Speisen, die Glutamat und Wurstwaren, die Nitrite und Nitrate enthalten. Weiters greifen die Nahrungsmittelkombinationen fett-süß (z.B. Schokolade, Tiramisu) und fett-scharf (z.B. Wurst, schwere Speisen zusammen mit Alkohol genossen) sowie süß und scharf (z.B. Cocktails) die Leber und Gallenblase an, was sich als Migräneanfall äußern kann. Andere Faktoren wie zu viel oder zu wenig Schlaf, Hormonschwankungen, Stress und Aufregung, Klimawechsel und Temperaturschwankungen, grelles Licht, Bildschirmarbeit, starke Gerüche und große Höhen können ebenso eine Migräne auslösen.
Die Behandlung erfolgt in zwei Phasen: die präventive Behandlung zwischen den Anfällen, wobei sich hier Nahrungsmittel, westliche Kräuter, regelmäßige Bewegung, Shiatsu oder Tuina-Massage und Entspannungstechniken wie Yoga und Meditation besonders eignen; weiters die Behandlung während der Anfälle selbst. Hierbei eignen sich chinesische Arzneimittel und Akupunktur am besten.

Allgemeine Ernährungsrichtlinien

Bestimmte Nahrungsmittel können durch ihren Gehalt an Omega-3-Ölen vorbeugend wirken:
Leinsamen, Kürbiskerne, dunkelgrünes Gemüse (Spinat, Mangold, etc.), Spirulina-Algen, Borretschkrautöl, Nachtkerzenöl, Öl der schwarzen Johannisbeere, Thunfisch, Sardinen, Lachs oder Fischöl.
Bei Migräneanfälligkeit sollten folgende Nahrungsmittel vermieden werden: scharfe Gewürze wie Cayenne, Chili, Pfeffer, Knoblauch (besonders in Öl gebraten), Wurst, Rotwein, Hartkäse, Schokolade, Milchkaffee, Erdnuss- und Mandelbutter. Im Falle einer auftretenden Migräne kann eine hohe Dosis Chrysanthemenblüten zusammen mit Fructus Lycii als Tee eingenommen werden. Eine lang gekochte Roggen- oder Reissuppe kann die Beschwerden lindern. Am effizientesten während eines Anfalls sind allerdings chinesische Massage, Kräuter oder Akupunktur. Vermieden werden sollte Fleisch, insbesondere Geflügel und Lamm, Wurstwaren sowie scharf gewürzte und fette Speisen.
Im Folgenden möchte ich auf ein Muster eingehen, das hauptsächlich junge Frauen und vereinzelt auch Männer betrifft. Hierbei steht eine Leber-Qi-Stagnation mit einer Blut-Leere im Vordergrund, und es herrschen folgende Symptome vor: meist einseitiger Kopfschmerz - bei Frauen perimenstruelles Auftreten, verschwommene Sicht, Photophobie, Druck- und Völlegefühl im Brust- und Seitenbereich, eventuell Brustspannen bei Frauen, Depressivität, Energielosigkeit, kalte Extremitäten, Menstruationsstörungen, breiige Stühle abwechselnd mit Obstipation. Die Zunge ist meist unauffällig, häufig blass mit weißem Belag. Die Behandlung erfolgt über das Harmonisieren der Leber und Stärken des Milz-Qi, damit wieder genügend Blut gebildet werden kann.

Stagnation des Leber-Qi lösen

Die Stagnation des Leber-Qi kann durch Radieschen, Sellerie, Rettich, Artischocken, Brunnenkresse, Schafgarbe und Petersilie gelöst werden. Leinsamen, Leinöl und Nachtkerzenöl harmonisieren die Leber, indem sie das Blut stärken. Blütentees wie Ringelblumen, Passionsblüten, Rosenblüten, aber auch besonders Safran bewegen das Qi und harmonisieren die Leber (siehe auch Teil 4). Das Milz-Qi wird am besten durch Wurzelgemüse, Karotten, Kartoffeln, Hirse, Hafer, durch regelmäßiges Essen, warme, gekochte Speisen, Bewegung und Meditation gestärkt. Ein Übermaß an Zucker, Milchprodukten sowie gekühlte Speisen und Getränke sollte vermieden werden. Gewürze wie Lorbeer, Oregano, Thymian, Majoran, Liebstöckel, Basilikum, Lavendel, Gelbwurz, Koriandersamen, Petersilie und Schnittlauch sollten verwendet werden. Dieses Syndrom ist auch sehr gut mit chinesischen Arzneimitteln zu behandeln, beispielsweise mit einer Abwandlung des "Pulvers des freien und entspannten Wanderers" (Xiao Yao San Jia Wei) (siehe Foto).

Quellen: Paul Pitchford: Healing with Whole Foods, und Bob Flaws, Philippe Sionneau: The Treatment with Modern Western Medical Diseases with Chinese Medicine

www.tcm-beratung-wien.at 

Chavy Maria Michalitsch, Ärzte Woche

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