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Urologie 25. November 2013

Simple Diagnostik

Drei Fragen und ein Teststreifen genügen in der Regel für die Diagnose eines Harnwegsinfekts.

Teststreifen, Sticks und Mikroskopie: Ein Harnwegsinfekt lässt sich mit vielen Methoden abklären. Welche am besten funktioniert, wollten niederländische Kollegen wissen – und fanden eine einfache Kombination.

Um den Verdacht auf eine unkomplizierte Harnwegsinfektion bei Frauen zu erhärten, gibt es unterschiedliche Methoden: Teststreifen erfassen erhöhte Werte von Blut, Leukozyten oder Nitrat im Urin. Mit Nährboden beschichtete Sticks spüren direkt Bakterien im Harn auf. Schließlich kann auch eine mikroskopische Sedimentanalyse eine bakterielle Infektion nachweisen. Welche Tests wann und in welcher Kombination am besten geeignet sind, hat nun eine niederländische Arbeitsgruppe eruiert.

Frauen merken oft selbst, ob eine Infektion vorliegt

Untersucht wurde der Urin von 196 Frauen mit Verdacht auf eine Harnwegsinfektion. Bei allen erfolgte eine Diagnose per Bakterienkultur. Bei 61 Prozent ließ sich auf diese Weise ein Harnwegsinfekt nachweisen (mindestens 103 CFU/ml E. coli). Diese Untersuchung diente als Referenz.

Zugleich wurde analysiert, wie häufig Teststreifen, Sticks und Mikroskopie zum richtigen Befund kamen. Alle Frauen füllten zudem einen Fragebogen aus, mit Angaben zu Miktionsschmerzen, Harndrang, vaginalen Irritationen, Sexualkontakten sowie zu Harnwegsinfekten in der Vergangenheit. Hierbei erwiesen sich drei Fragen als zielführend: „Vermuten Sie selbst eine Harnwegsinfektion?“ – 70 Prozent der Patientinnen mit „Ja“ als Antwort hatten positive Kulturen, aber nur 44 Prozent mit „nein“. Bei Frauen, die auf die Frage „Haben sie Schmerzen beim Harnlassen?“ deutliche Schmerzen zugaben, waren 83 Prozent der Kulturen positiv. Schließlich ließ sich auch bei 79 Prozent der Frauen, die ziemlich starke vaginale Irritationen oder Juckreiz nannten, eine Infektion nachweisen.

Nitrat im Urin ist besonders verdächtig

Bei den Teststreifen war vor allem der Nitratnachweis mit einer Harnwegsinfektion verbunden: 95 Prozent mit positivem Nitrattest hatten positive Kulturen, allerdings auch 45 Prozent mit negativem Test. Frauen mit viel Blut im Urin hatten zu 82 Prozent einen Infekt, dies traf aber auch für 31 Prozent ohne positiven Blutbefund zu. Ähnlich genau war auch die Sedimentanalyse, und bei den Nährboden-Sticks wiesen mehr als 105 CFU/ml auf eine Infektion – 92 Prozent davon zeigten positive Kulturen.

Da alle Tests nicht sonderlich präzise waren, untersuchten die Ärzte nun, ob sich das Ergebnis verbessern ließ, wenn man die verschiedenen Tests kombinierte. Als Basis dienten die drei Fragen und der Urinteststreifen (Blut- und Nitrattest), da diese Kombination in der Praxis schnell und einfach möglich ist. Damit ließen sich bereits 73 Prozent der Patientinnen in solche mit hoher (>70%) oder niedriger Wahrscheinlichkeit (<30%) für einen Harnwegsinfekt einteilen.

Fazit

Am aussagekräftigsten war eine von der Patientin vermutete Harnwegsinfektion in Kombination mit einem positiven Nitrattest. Wurden die Ergebnisse der Mikroskopie und der Sticks hinzugefügt, änderte dies kaum etwas. Auf solche kosten- oder zeitintensiven Methoden könne man also meistens verzichten, meinen die Studienautoren. Diese zusätzlichen Untersuchungen könnten aber dann hilfreich sein, wenn Befragung und Teststreifen noch keine klare Einteilung in hohes oder niedriges Infektrisiko erlauben – was 27 Prozent der Patientinnen in der Studie betraf. Bei 10 Prozent der Frauen lieferte auch die Kombination sämtlicher Tests kein klares Ergebnis. Ein häufiger Grund dafür war ein positiver Nitrattest und zugleich ein negativer Bluttest. In solchen Fällen ist eine Kulturdiagnostik dann doch nötig, so die Autoren.

Originalpublikation: Knottnerus BJ et al.: Ann Fam Med 2013; 442–51

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 48/2013

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