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Kardiologie 8. Februar 2012

Kunstherz kann Transplantation ersetzen

„Heart Failure Team“ setzt neue Maßstäbe in der Therapie der Herzinsuffizienz.

An der Medizinischen Universität Innsbruck arbeiten – einzigartig in Österreich – Kardiologen und Herzchirurgen in interdisziplinären „Heart Failure Teams“ zusammen, um schwerkranken Herzinsuffizienz-Patienten rasch, effizient und ohne unnötige Wege die individuell beste Therapie anzubieten. Diese Kooperation erweist sich als besonders geeignet und sollte Schule machen, betonten Herzmediziner anlässlich des 6. Konsensusmeetings Herzinsuffizienz in Innsbruck. Zum Behandlungsspektrum zählt auch die Implantation von Kunstherzen.

Neue Wege in der Behandlung von Herzschwäche-Patienten gehen Kardiologen und Herzchirurgen an den Innsbrucker Universitätskliniken. „In unserem interdisziplinären Heart Failure Team arbeiten Kardiologe und Herzchirurg eng zusammen. Innsbruck ist hier Vorreiter und das einzige Zentrum mit diesem Angebot in Österreich“, berichtete Doz. Dr. Gerhard Pölzl, Kardiologe an der Innsbrucker Universitätsklinik für Innere Medizin III bei einem Konsensusmeeting. „Diese Kooperation erweist sich als optimal für rasche Entscheidungen und effiziente Therapien. Zusätzlich erspart sie schwerkranken Patienten unnötige Wege.“ Aufgrund der Komplexität der Erkrankung und vieler, individuell abzustimmender Therapieoptionen, vor allem in fortgeschrittenen Stadien, erfordert die Betreuung der schwerkranken Patienten besondere Expertise und interdisziplinäres Management.

Zusammenarbeit im Spezialteam zentral für optimale Behandlung

Die Betreuung durch ein interdisziplinäres Spezialteam ist nicht für alle Menschen mit Herzinsuffizienz notwendig. Rund 20 Prozent können allerdings von den enormen Fortschritten der letzten Jahre in der Herzmedizin profitieren: zum Beispiel durch Dehnung der Herzkranzgefäße mit Stents, Bypass-Operationen, Einsetzung künstlicher Herzklappen, Teilentfernung des Herzbeutels oder Implantation eines Schrittmachers. Oder, wenn der Schaden bereits sehr groß ist, durch Implantation eines Kunstherzens oder eine Herztransplantation. „Für diese schwerkranken Patienten ist die Zusammenarbeit von Kardiologen und Herzchirurgen in einer Ambulanz nicht nur sinnvoll, sondern zentral für eine optimale Behandlung“, so Prof. Dr. Herwig Antretter, Transplantationsspezialist an der Universitätsklinik für Herzchirurgie Innsbruck.

Gemeinsam mehr sehen: Viele Vorteile für Patienten

„Gemeinsam sehen wir mehr als jeder für sich, und im Team erhalten wir ein besseres Gesamtbild von Patienten und ihrem Risiko“, sagte Doz. Dr. M. Frick, Kardiologe an der Innsbrucker Klinik. „Wir können so die spezielle Betreuung, die diese Patienten benötigen, wesentlich besser organisieren. Damit steigt auch die Erfolgswahrscheinlichkeit von komplexen Eingriffen. Dass Untersuchungen nicht mehrmals stattfinden müssen und dass Entscheidungen im Team sehr rasch fallen, bringt Patienten auch Lebensqualität, denn für sie ist jede zusätzliche Belastung höchst problematisch.“

Die herzchirurgischen Team-Mitglieder schätzen vor allem, dass sie Patienten vor dem Eingriff besser kennenlernen. Antretter: „Es liegt auf der Hand, dass wir uns viel besser vorbereiten und Risiken besser einschätzen können, wenn wir vorab eine komplette, auch persönliche Sicht auf sie gewinnen und diese mit den behandelnden Kardiologen austauschen können.“

Pionierleistung: Kunstherzen können Transplantation ersetzen

Im Fall einer Operation steht an den Innsbrucker Universitätskliniken das komplette Spektrum dessen zur Verfügung, was moderne Herzmedizin heute zu bieten hat: beispielsweise Herzklappenoperation mittels Schlüsselloch-Chirurgie, Stent-Setzungen durch einen von der Beinarterie aus bis zum Herzen geführten Katheter, Herztransplantation und Kunstherz-Implantation.

„An unserer Klinik kommen unterschiedliche Formen von Kunstherzen zum Einsatz“, erläuterte Antretter. „In den meisten Fällen reichen Modelle, die die Pumpkapazität des geschädigten Herzens ergänzen. Insgesamt haben wir schon über hundert solche Pumphilfen eingesetzt.“ Dabei ermöglichen die Fortschritte der allerletzten Jahre immer häufiger, das Kunstherz nicht nur zur Überbrückung der Zeit bis zur Genesung („Bridge to recovery“) etwa von einer akuten Herzmuskelinfektion oder bis zur Verfügbarkeit eines Spenderherzens („Bridge to transplantation“) zu nützen, sondern als Dauerlösung im Körper zu belassen. Modernste Blutpumpen sind mittlerweile so klein und ihre Batterie- und Steuerungstechnologie so ausgefeilt, dass sie auch im Alltag eine akzeptable Lebensqualität bieten.

„Wir können damit auch Herzinsuffizienz-Patienten, für die eine Transplantation aufgrund ihres Alters oder vorhandener Begleiterkrankungen sehr riskant oder unmöglich wäre, eine sicherere und zunehmend bequeme Alternative bieten“, so Antretter. Bei schwersten Schädigungen könne das kranke Herz auch zur Gänze entfernt und vollständig durch ein Kunstherz ersetzt werden. Das erste kommerziell verfügbare „Total artificial heart“ (TAH) wurde in Österreich 2008 in Innsbruck implantiert. B&K/FH

 

Quelle: 6. Konsensusmeeting Herzinsuffizienz, 26. November 2011, Innsbruck

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