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Foto: Privat
Prof. Dr. Andreas Temmel Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Perchtoldsdorf
 
HNO 29. September 2011

Erfahrungen mit homöopathischen Ohrentropfen

Otodolor und Otodolor forte bei Otitis externa.

Die Otitis externa ist eine Entzündung des äußeren Ohres, vor allem des äußeren Gehörgangs, im weiteren Sinn auch der Ohrmuschel. Ursachen für eine Otitis externa können ein Aufweichen, also Mazeration, der Gehörgangshaut durch Flüssigkeiten sein, kleine Verletzungen (z. B. durch Wattestäbchen) oder eine lokale bakterielle Infektion in der Folge eines eingedrungenen Fremdkörpers.

 

Die häufigsten bakteriellen Erreger der Otitis externa des Menschen sind Pseudomonas aeruginosa und Staphylokokken. Die Pseudomonaden kommen in warmem Wasser vor und sind dabei auch chlortolerant, die Otitis externa diffusa ist daher eine häufige Erkrankung während Badeurlauben und wird deshalb auch „Bade-Otitis“ oder „Schwimmbad-Otitis“ genannt.

Inzidenz von Otitis externa

Die Inzidenz der Otitis externa ist natürlich jahreszeitlich im Sommer betont. Im Sommer vergeht kein Tag, an dem der HNO-Arzt keinen Patienten mit einer Otitis externa sieht. Eine Studie von Maassen beschreibt eine Inzidenz von vier Erkrankungen auf 1.000 Personen (also Kinder und Erwachsene) pro Jahr in der Schweiz. Inzidenzzahlen für Österreich liegen nicht vor, aber man kann annehmen, dass diese vergleichbar sind.

Das häufigste Symptom der Otitis externa sind Schmerzen und Otorrhoe. Anfangs berichten die Betroffenen von einem Juckreiz, später von einem Tragusdruckschmerz und Schmerzen bei Zug an der Ohrmuschel, aber auch beim Kauen, da die Gehörgangsvorderwand ein Teil der Gelenkspfanne des Kiefergelenks darstellt. Dieser Schmerz ist durch die begleitende Periostitis bedingt.

Außerdem klagen die Erkrankten über eine Hörverminderung, einerseits bedingt durch die Schwellung des Gehörgangs, andererseits durch das Sekret im Gehörgang.

Keine Wärmeanwendung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Eine gründliche Reinigung oder Spülung des Gehörgangs ist unumgänglich, eventuell vorhandene Fremdkörper müssen entfernt werden.

Je nach Ausprägung werden antibiotische Ohrentropfen oder eine Kombination von antibiotischen Ohrentropfen und einem Glukokortikoid eingetropft oder mittels Einlegen eines mit diesen Ohrentropfen getränkten schmalen Mullstreifens therapiert. Nur sehr selten ist die systemische Gabe eines geeigneten Antibiotikums erforderlich. Wärme ist eher nicht zu empfehlen, sie verstärkt häufig den Schmerz.

Homöopathische Therapie

Otodolor ist ein homöopathisches Arzneimittel zur Behandlung von schmerzhaften Affektionen der äußeren Gehörgänge, also einer Otitis externa. Die Indikation umfasst aber auch ekzematöse Verkrustungen der äußeren Gehörgänge, also chronische Zustände. Otodolor wirkt abschwellend und schmerzlindernd.

Studie zu Otodolor

Unsere Studie wurde als prospektive Studie an 196 Patienten (Kinder und Erwachsene) in 20 Arztpraxen durchgeführt. Die Studie wurde in die Datenbank der Current Controlled Trials aufgenommen und erfolgte nach standardisierten wissenschaftlichen Kriterien. Die Evaluation oblag dem behandelnden Arzt, welcher sowohl den Ausgangsbefund als auch den Therapieerfolg mittels eines standardisierten Fragebogens evaluieren musste. Die Geschlechterverteilung der Patienten war ausgeglichen, das mediane Alter lag bei 46 Jahren, die Ausfallsrate lag bei elf Prozent.

Otodolor ist ein homöopathisches Mischpräparat. Wenn man die Einzelkomponenten betrachtet, so findet man Capsicum und Pulsatilla, beide werden gegen stechenden Schmerz, den wir hier finden, eingesetzt. Weiters Silicea – ein Wirkstoff, der gegen die Schwellung und den Juckreiz im Gehörgang Verwendung findet, Camomilla wirkt beruhigend auf Entzündungen und schließlich Borsäure, die bekanntlich bei Ekzemen in der Homöopathie eingesetzt wird. Otodolor ist eine alkoholische Lösung, somit nutzt man den antimikrobiellen Effekt von Ethanol ebenfalls aus. Dieser bleibt ja bis zu einer Verdünnung auf 20 Prozent erhalten.

Homöopathie überzeugt

Das Ergebnis war sehr interessant, es kam in 80 Prozent zu einem Therapieerfolg bzw. zur Abheilung der Entzündung im Zeitraum von fünf Tagen. Das entspricht dem Ergebnis, das auch von antibiotischen Ohrentropfen bzw. der Kombination von antibiotischen und glukokortikoidhältigen Ohrentropfen in der Literatur berichtet wird.

Die Verträglichkeit wurde von 89 Prozent der Patienten mit „sehr gut“ oder „gut“ beurteilt. Somit kann die homöopathische Arzeimittelspezialität Otodolor als wirksam und sicher beurteilt werden. Dem Therapieerfolg entspricht der Erfolg mit allopathischen Medikamenten.

Otodolor und Otodolor forte Tropfen sind sehr gut zur Therapie der Otitis externa geeignet. Sie stellen eine Alternative zur Standardtherapie mit Antibiotikum und Glukokortikoid dar.

In die Studie wurden bis jetzt nur Kinder über dem 6. Lebensjahr eingeschlossen, eine Erweiterung des Spektrums auf jüngere Kinder fehlt noch. Ebenfalls fehlen die Erfahrungen, ob Otodolor in der Prophylaxe der Gehörgangsentzündung bei Risikogruppen wie an Diabetes mellitus Erkrankten und Hörgeräteträgern einen Stellenwert hat.

Von A. Temmel , Ärzte Woche 39 /2011

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