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Foto: Privat
Prof. Dr. Uwe Siebert Health & Life Sciences Uni, Tirol
 
Innere Medizin 29. Jänner 2009

Wo der Blutfluss stockt

Genaue Ortung von Engstellen verbessert die Ergebnisse der Stent-Behandlung.

Druckdrahtmessungen vor Stent-Implantationen verringern das Risiko für Tod oder Herzinfarkt. Das ergab die Auswertung der Daten einer internationalen multizentrischen Studie durch Experten der Tiroler Health&Life Sciences Universität UMIT. Verglichen wurden zwei Behandlungsstrategien mit beschichteten Stents bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine publiziert.

Sind mehrere Gefäße von Verengungen betroffen, müssten die Behandlungsergebnisse am besten sein, wenn möglichst alle Engstellen aufgedehnt und mit Stent gestützt werden. Die Zunahme der Anwendung der perkutanen Koronarintervention (PCI) könnte zu dieser Ansicht verleiten. Allein, es gibt wenig Hinweise für diese Vermutung. Tatsächlich scheint die Revaskularisation jener Läsionen, die eine Ischämie verursachen, eine bessere Strategie zu sein.

Druckmessung in Herzarterien

Während der Herzkatheteruntersuchung kann ein sehr dünner und flexibler Draht ins Herzkranzgefäß eingeführt werden, um die fraktionale Flussreserve (FFR) zu bestimmen. Auf diese Weise ist die durch die Gefäßverengung hervorgerufene Einschränkung der Durchblutung des Herzmuskels ermittelbar. In der FAME-Studie (FFR vs. Angiography for Multivessel Evaluation) wurden zwei Behandlungsstrategien verglichen: In der einen wurden die Patienten entsprechend der angiografischen Beurteilung der Gefäßverengungen mit Stents versorgt – das zurzeit gängige Vorgehen. In der anderen Gruppe wurde zusätzlich eine Druckdrahtmessung durchgeführt. Nur bei tatsächlich festgestelltem eingeschränktem Blutfluss wurde ein Stent eingesetzt. 1.005 Patienten aus 20 Kliniken in Europa und USA wurden in die Studie eingeschlossen und ein Jahr lang nachbeobachtet. Als primärer Endpunkt zur Beurteilung des Interventionserfolgs wurde das Auftreten eines schwerwiegenden kardialen Ereignisses definiert: Tod, Herzinfarkt und erneute koronare Eingriffe.

Datenauswertung in Tirol

Die Daten der in NEJM publizierten internationalen Studie wurden am Institut für Public Health der Tiroler Health & Life Sciences Universität UMIT in Hall in Tirol unter der Leitung des Vorstands des Instituts, Prof. Dr. Uwe Siebert, ausgewertet. Die Ergebnisse: In der ersten Gruppe (nur Angiografie) wurden pro Patient durchschnittlich 2,67 Stents eingesetzt, in der FFR-Gruppe nur 1,9. Das Auftreten eines schwerwiegenden Ereignisses lag bei der ersten Gruppe bei 18,3 Prozent der Patienten, in der FFR-Gruppe nur bei 13,2 Prozent.

„Pro 20 mit der FFR-Methode behandelten Patienten kann also ein Todesfall, Herzinfarkt oder erneuter Eingriff innerhalb eines Jahres verhindert werden“, erklärt Siebert. „Das Besondere ist, dass die neue Methode durch die intelligentere und verbesserte Strategie für den Einsatz von Stents gleichzeitig für die Patienten schonender ist, einen besseren Behandlungserfolg erwarten lässt, keine Lebensqualitätsnachteile hat und dabei auch noch Kosten spart.“ Trotz der aufwändigeren Voruntersuchung mit dem Messdraht kam die Behandlung mit der Druckdrahtmessung billiger als die konventionelle Behandlung. Der Druckdraht kann nicht nur zur Messung des Blutflusses genutzt werden, sondern auch für die Implantation der Gefäßstützen.

 

Literatur: N Engl J Med 360:213, January 15, 2009

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Prof. Dr. Uwe Siebert Health & Life Sciences Uni, Tirol

Von Inge Smolek, Ärzte Woche

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