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Foto: andi bruckner, www.andibruckner.com
Gerd Zettlmeissl CEO Intercell
 
Pharma 15. Juni 2010

Interview mit Gerd Zettlmeissl, CEO Intercell

„Ärzte kennen unser Produkt noch nicht.“

Was sagt die Führungsspitze von Intercell zu Umsätzen, Kooperationspartnern und Zielgruppen?

 

Interview mit Gerd Zettlmeissl, CEO Intercell, zum Impfstoff gegen die Japanische Enzephalitis.

 

Skizzieren Sie bitte den Verlauf einer klinischen Studie am Beispiel des Impfstoffes Ixiaro/JEspect® gegen die Japanische Enzephalitis.

ZETTLMEISSL: Zuerst wurde ein Produktkandidat eruiert und anschließend das Marktpotenzial ausgelotet. Nach ein bis zwei Jahren konnten wir mit der klinischen Entwicklung starten. Dann begann die klinische Phase I (Dauer 1 Jahr) mit 100 gesunden Probanden, um den Impfstoffkandidaten auf Sicherheit und eine gute Immunantwort zu testen. In der Phase II (Dauer 2-3 Jahre) legten wir die notwendige Dosis fest und wir gewannen erste Hinweise auf die Wirksamkeit. Für diese Phase wurden rund 400 Testpersonen rekrutiert. In der Phase III folgt schließlich eine weitere Wirksamkeitsstudie mit bis zu 15.000 Testpersonen. Dies war in unserem Fall aber nicht notwendig, weil bereits in Phase II ein hohes Korrelat bezüglich der Wirksamkeit festgestellt wurde. Durchschnittlich dauert diese Phase drei Jahre. Insgesamt betrugen die Gesamtausgaben bis zur Zulassung unseres Impfstoffs gegen Japanische Enzephalitis rund 150 Mio. Euro. Derzeit investieren wir noch, bis 2011 sollte der Break Even erreicht sein.

 

Wie entwickeln sich derzeit die Umsätze?

ZETTLMEISSL: Die Produktumsätze basierend auf dem Verkauf in Reise- und Militärmärkten sollen im 2. Quartal deutlich steigen. Aufgrund des Zeitplans zur Chargenfreigabe für den europäischen Markt werden sich die Produktlieferungen vom ersten in das zweite Quartal verschieben.

 

Wie wollen Sie das Produkt bekannter machen?

ZETTLMEISSL: Novartis ist unter anderem für den Vertrieb in Europa verantwortlich, natürlich werden auch Informationsschulungen für Ärzte durchgeführt, weil viele das neue Produkt nicht kennen. Da die Impfempfehlungen keine EU-Angelegenheit sind, besteht derzeit für Europa noch keine offizielle Empfehlung. Die USA und UK haben hinsichtlich unseres Impfstoffs bereits eine neue Richtlinie veröffentlicht. Gemeinsam mit unserem Vertriebspartner Novartis versuchen wir auch in anderen Ländern eine Impfempfehlung zu erhalten. In Österreich verläuft der Verkauf bisher sehr zufriedenstellend.

 

Wer ist die Zielgruppe für den Impfstoff und was kostet er?

ZETTLMEISSL: Zielgruppe sind Personen, die in asiatische Länder reisen. Für die Grundimmunisierung, die mindestens 1,5 Jahre anhält, belaufen sich die Kosten auf rund 200 Euro. Die Auffrischungsimpfung, die dann mindestens fünf Jahre wirksam sein soll – wir testen das derzeit exakt ab – kostet die Hälfte.

 

Entwickeln Sie auch einen Impfstoff für Kinder?

ZETTLMEISSL: Ja. Wir sind bereits in der Phase II. Der Impfstoff wird in etwa die Hälfte der Erwachsenendosis enthalten.

Das Gespräch führte Mag. Michael Strausz

 

Zum Intercell-Artikel.

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