zur Navigation zum Inhalt
Fotos (4): Rosemarie Moser

Nekrotischer Herpes zoster bei HIV-Erkrankung.

Prof. Aberer, Dr. Moser, Prof. Dr. Grossmann, Dr. Brenner, Doz. Dr. Klein.

Dr. Moser und Menschen mit Albinismus.

 
Dermatologie 30. April 2010

Österreichische Unterstützung für die Dermatologie in Afrika

Das alte Modell, wonach der reiche Norden dem armen Afrika Spenden überreicht – und damit die Menschen vor Ort entmündigt – hat auch in der Dermatologie ausgesorgt. Eine Brücke zu Selbstverantwortung und Selbsthilfe Afrikas mit Nachhaltigkeit wird am Regional Dermatology Training Center(RDTC) am Kilimandscharo Christian Medical Center (KCMC) am Fuße des höchsten Bergs Afrikas, in Moshi, in Tansania geschlagen. Auch österreichische Unterstützung spielt eine wichtige Rolle.

Tansania ist ein politisch weitgehend stabiler Staat in Ostafrika, unmittelbar südlich des Äquators. Das Land hat etwa 32 Millionen Einwohner und gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Mit Tansania verbinden die meisten Menschen die Tierwelt und die endlosen Weiten der Serengeti als Sinnbild der Freiheit und den Traum der Besteigung des Kilimandscharo oder einen romantischen Strandurlaub auf der Insel Sansibar.

Das Kilimandscharo Christian Medical Center (KCMC) ist ein weitgefächertes Krankenhaus mit 500 Betten. Es besteht seit 1971. Seit 1996 gibt es eine medizinische Universität, das „Medical College of Tumajni University“ (Anästhesie, Kinderheilkunde, Kieferchirurgie, HNO, Chirurgie, große Augenabteilung, Gynäkologie, Geburtshilfe, Interne Medizin, Orthopädie, Urologie ).

Das Regional Dermatology Training Center (RDTC) wurde 1998 von Prof. Dr. Henning Grossmann, Internist, Tropenmediziner und Dermatologe, gegründet. Unterstützt wurde er dabei von der International League of Dermatological Societies (ILDS), der International Foundation of Dermatology (IFD), den Dermatologischen Gesellschaften Englands, der Schweiz und der Niederlande sowie von privaten Sponsoren.

Ausbildung am RDTC

Am vom KCMC weitgehend unabhängigen Ausbildungszentrum mit einer großen Ambulanz mit weit über hundert Patienten täglich, einem Operationssaal, Radiotherapie, Kryotherapie, C0²-Laser, PUVA, einer eigenen Apotheke und derzeit zehn Betten, einer gut sortierten Bibliothek, Internetzugang, Hörsälen und einem Studentenheim werden die Studenten ausgebildet.

Unter der Leitung von Prof. Dr. John Masenga – ausgebildet unter Prof. Dr. Kostantin Orphanos an der Charité in Berlin, und Prof. Henning Grossmann und zahlreichen Gastlektoren aus allen Kontinenten der Welt – wurden seit 1992 mehr als 200 „Advanced Dermatology Officers“ (ADOs) in zweijährigen Kursen eine vertiefte dermatologische Ausbildung ermöglicht. Zum Programm gehören tägliche Vorlesungen, Praxis in der Ambulanz und an der Abteilung, wissenschaftliche Arbeit. Die Ausbildung endet mit einer Abschlussprüfung mit externen Prüfern.

Weiters haben bisher auch elf dermatologische Fachärzte ihre Ausbildung dort abgeschlossen. Sie stammen, genau wie die Studenten auch, aus verschiedenen Ländern Afrikas (Ghana, Kenia, Äthiopien, Tansania, Sambia, Ruanda, Uganda), und sie kehren nach ihrer Ausbildung am RDTC wieder dorthin zurück um wesentliche Beiträge für die gesundheitliche Verbesserung ihrer Heimatbevölkerung zu leisten.

Albinismus in Afrika

Neben den dominierenden HIV-/AIDS-assoziierten Dermatosen, wie schwerwiegende Arzneimittelexantheme, Kaposi-Sarkome oder nekrotisierende Herpes zoster, werden hier alle Hautkrankheiten, die auch in der westlichen Welt auftreten, vorrangig infektiöse, mikrobielle Krankheiten und chronisch entzündliche Erkrankungen, wie z. B. Psoriasis oder Neurodermitis sowie Hauttumore, insbesondere bei Patienten mit Albinismus behandelt.

Das Schicksal der Menschen mit Albinismus erfordert hier besondere Aufmerksamkeit. Die Situation dieser in Afrika vom Leben so benachteiligten Bevölkerungsgruppe muss in Tansania und den angrenzenden Länder leider sehr unterschiedlich betrachtet werden.

Wie wahrscheinlich durch internationale Medien bekannt ist, sind diese Menschen derzeit einer schrecklichen existenziellen Verfolgung ausgesetzt, da kriminelle Subjekte in Gestalt lokaler „Heiler“ Körperteile von Albinos (Haare, Knochen) als „Glücksbringer“ verkaufen und diesen heilende Wirkung zusprechen. Trotz intensiver Bemühungen der Regierungen konnte diesem Treiben bislang nicht Einhalt geboten werden, wobei Korruption und Aberglauben eine schreckliche Rolle spielen.

Andererseits ist erfreulich, dass sich das seit Jahren durch das RDTC unter der Leitung von Dr. Alfred Naiburi betriebene Albino-Programm positiv entwickelt. Derzeit werden Albinos an 22 verschiedenen Orten in der Kilimandscharo-Region zweimal jährlich betreut. Ähnliche Einrichtungen sind in anderen Teilen Tansanias und auch anderen Ländern Ostafrikas unter Führung von Absolventen des RDTC entstanden. Somit können etwa 2.200 Albinos im ostafrikanischen Raum regelmäßig erreicht werden.

Die Betreuung besteht in einer dermatologischen Untersuchung sowie der Behandlung der entdeckten Tumoren, Information über Verhaltensmaßnahmen, die Abgabe von Sonnenschutzmitteln, Bekleidung und Sonnenbrillen.

Eine Schneiderei wurde eingerichtet und Albinofrauen erfolgreich im Herstellen von Sonnenschutzkleidung angelernt; diese Frauen haben überdies gelernt, Stoffe mit Batiken zu bedrucken. Obwohl die Drucke sehr schön sind und hohe Qualität aufweisen, gestaltet sich der Absatz schwierig, nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftlichen Krise, die natürlich auch vor Afrika nicht halt macht.

Eine weitere erfreuliche Entwicklung ist gelungen: Schulen wurden gefunden, die Albinos in besonderem Maße fördern und Integration betreiben und es in Zukunft ermöglichen, dass Albinos verstärkt „In-door“-Berufe erlernen können.

Österreichisches Engagement

Prof. Dr. Klaus Wolff war als Präsident der ILDS maßgeblich an der Gründung und Etablierung des RDTC beteiligt. Prof. Dr. Georg Stingl ist regelmäßig im Rahmen der finanziellen und organisatorischen Prüfung des RDTC durch die ILDS und IFD tätig.

Im Jahr 2001 verbrachte Dr. Rosemarie Moser sechs Monate ihrer Ausbildungszeit am RDTC und „unbeschreiblich lehrreiche und unvergessliche Erfahrungen medizinischer und menschlicher Natur“ mitnehmen. Seither unterrichten Prim. Doz. Dr. Georg Klein und Dr. Moser gemeinsam einmal im Jahr Studenten in Allergologie und Phlebologie im Rahmen einer Blockveranstaltung.

Im Jahr 2007 hat Dr. Martina Schütz vom AKH Linz ebenfalls ein halbes Jahr am RDTC gearbeitet, und derzeit ist Dr. Verena Lackner vom Krankenhaus der Elisabethinen in Linz am RDTC tätig. „Ich hoffe, dass dieser Austausch fortdauert und als eine Art verbindendes Glied zwischen Afrika und Österreich bestehen bleibt“, so Moser.

Hochkarätige Konferenz

Jedes Jahr im Januar wird die CME-Konferenz für die Postgraduates in Moshi abgehalten. Die Konferenz ist immer hochkarätig besetzt, so zählte heuer der Nobelpreisträger Prof. Dr. Rolf Zinkernagel zu den Referenten; auch viele engagierte österreichische Dermatologinnen und Dermatologen haben vielbeachtete Vorträge gehalten: Prof. Dr. Elisabeth Aberer und Prof. Dr. Werner Aberer, Dr. Wilhelm Brenner, Dr. Doris Fanta, Dr. Wolfgang Fuchs, Dr. Claudia Heller-Vitouch, Dr. Manuela Keplinger, Dr. Wolfgang Kopp, Prof. Dr. Daisy Kopera, Dr. Tamar Kinacyan, Prof. Dr. Sanja Schuller-Petrovic, Prof. Dr. Angelika Stary, und Dr. Martin Zikeli.

Seit 2004 wird jährlich ein Student von der ÖGDV finanziert – derzeit Proscovia Nakaggwe aus Uganda. Dr. E. Gasana aus Ruanda und Dr. T. Kosamui aus Sambia sind bereits in ihren Heimatländern dermatologisch tätig. Es handelt sich um einen wichtigen Beitrag zur Versorgung Afrikas mit dermatologischem Wissen.

Bedenke man nur, dass es in Malawi keinen einzigen Dermatologen gibt – für uns in Österreich ist das unvorstellbar. Ein junger Arzt aus Blantyre, Dr. K. Mponda, den Dr. Moser im Rahmen ihrer unentgeltlichen Lehrtätigkeit für Medizinstudenten im letzten Ausbildungsjahr als begabten engagierten Arzt kennengelernt hat, hat sich nun für die Ausbildung am RDTC beworben; er wurde bereits aufgenommen und die ÖGDV plant, sich an der Finanzierung der Ausbildung zu beteiligen.

1 Leiter der Abteilung für Dermatologie Krankenhaus der Elisabethinen, Linz

2 Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, Eisenstadt

Weiter so!
Viele Dermatologen spenden regelmäßig für das Albinoprojekt, das bisher vom Staat Tansania finanziell nicht unterstützt wird.
Auf diesem Wege möchten wir uns bei den edlen Spendern ganz herzlich bedanken für das Geld, das in die oben genannten Projekte einfließt und zu einer wesentlichen Verbesserung des oft tragischen Lebens der Menschen mit Albinismus beiträgt.
Bitte unterstützen Sie die Bemühungen zur Verbesserung der Lebenssituation der Albinos in Ostafrika auch in Zukunft so großzügig wie bisher!

Spendenkonto: 
ÖGDV, VK Albinoprojekt
Erste Bank
BLZ 20111
Kontonummer 283 693 243 00

Georg Klein(1), Rosemarie Moser(2), hautnah 2/2010

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Aktuelle Printausgaben