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APA-Artikel 22. September 2017

Gewalt im Spital und in der Pflege: Oö. Pilotprojekt zu Tabuthema

Der oö. Landes-Spitalsträger gespag will seine Mitarbeiter in einem Pilotprojekt für das Thema Gewalt im Krankenhaus und in der Pflege sensibilisieren. Sie sollen ermuntert werden, über dieses oft als Tabu behandelte Problem zu reden, aber auch Vermeidungs- und Deeskalationsstrategien bis hin zur Selbstverteidigung lernen. Zudem soll das eigene Verhalten auf den Prüfstand gestellt werden.

Untersuchungen in allgemeinen Krankenhäusern, psychiatrischen Einrichtungen und Geriatriezentren in Österreich zeigen, dass knapp 80 Prozent der Mitarbeiter in den vergangenen zwölf Monaten verbalen Übergriffen ausgesetzt waren, 60 Prozent körperlichen, rechneten Vertreter der gespag in einer Pressekonferenz am Freitag in Linz vor. "In acht von zehn Fällen sind Mitarbeiter der Pflege betroffen", so Vorstand Karl Lehner. Auch im Akut-Bereich, der Psychiatrie und im Kreissaal kommt es besonders oft zu unschönen Zwischenfällen.

Vieles ist Ausnahmesituationen geschuldet - die Palette reicht von Psychiatriepatienten über Betrunkene, Reaktionen nach Operationen bis hin zu aufgelösten Angehörigen. Wenn Patienten ungehalten werden, weil sie warten müssen, der Arzt aber gerade mit einem lebensbedrohlichen Notfall beschäftigt ist, kann das von beiden Seiten unwirsche Äußerungen provozieren - wurden in der Pressekonferenz nur einige Beispiele genannt. Oft könne man mit kleinen Interventionen aber schlimme Folgen verhindern, so Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP).

Das Salzkammergut-Klinikum hat daher ein Pilotprojekt gestartet, das nach Abschluss auch auf die anderen gespag-Standorte ausgerollt werden soll: "Wir möchten den Kollegen und Kolleginnen zeigen, dass man Gewaltattacken nicht als Berufsrisiko hinnehmen muss", sagte die Initiatorin und Pflegedirektorin Gabriele Aster. Man wolle aber "keinen blinden Fleck" haben und daher auch darauf schauen, wie man sich selbst gegenüber Patienten und Angehörigen verhalte.

Das Projekt beinhaltet Info-Veranstaltungen für alle Beschäftigten, Führungskräfte-Schulungen und mehrtägige Deeskalationstrainings, die bereits 76 Mitarbeiter absolviert haben. Heuer und kommendes Jahr sollen noch 170 weitere daran teilnehmen. Auch werden entsprechende Vorfälle dokumentiert: In den vergangenen Monaten wurden 24 Gewaltereignisse registriert - sechs betrafen verbale, acht physische, neun verbale kombiniert mit physischer und einer sexuelle Gewalt. Würde man diese Zahlen auf die Gesamtheit der mehr als 7.000 gespag-Beschäftigten hochrechnen, wäre das eine Größenordnung von 400 Vorfällen im Jahr, so Lehner. Tilman Königswieser, Ärztlicher Direktor des Salzkammergut-Klinikums, formuliert es anders: "Eigentlich ist jeder schon einmal mit Gewalt in Kontakt gekommen."

apa.at

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