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APA-Artikel 22. September 2017

Krebserregende Stoffe: Kaske fordert mehr Schutz für Arbeitnehmer

In Österreich sterben rund 1.800 Menschen jährlich an arbeitsbedingten Krebserkrankungen - 15 Mal mehr als bei tödlichen Arbeitsunfällen. "Diese Zahlen zeigen den dringenden Handlungsbedarf", forderte Arbeiterkammerpräsident Rudolf Kaske am Freitag besseren Schutz für Arbeitnehmer. Ein entsprechender Vorschlag der Sozialpartner liege bereits beim Sozialministerium.

Die von Kaske zitierten Zahlen stammen vom Europäischen Gewerkschaftsinstitut und datieren aus 2015. Demnach sind in der gesamten EU 52 Prozent aller arbeitsbedingten Todesfälle auf Krebs zurückzuführen. Betroffen seien mehr als 100.000 Menschen pro Jahr, wobei die Dunkelziffer laut AK noch darüber liegen dürfte. Denn Ärzte setzten die Erkrankungen nicht immer in Beziehung zu den Arbeitsbedingungen.

Die Risikogruppe setzt sich freilich aus Personen zusammen, die mit krebserregenden Stoffen am Arbeitsplatz zu tun haben - beispielsweise mit Lösestoffen, Reinigungsmitteln, Schweißrauch oder Holzstaub, wie Harald Bruckner, in der AK zuständig für die Bereiche Sicherheit, Gesundheit und Arbeit, in einer Pressekonferenz ergänzte.

Das Problem liege in der Art der Grenzwertgestaltung. Grundsätzlich gibt es für die meisten krebserregenden Stoffe - anders als etwa für giftige Chemikalien oder allergieauslösende Materialien - keine sichere Schwelle, unter der jegliches gesundheitliche Risiko ausgeschlossen werden kann. Deshalb behilft man sich hierzulande mit der sogenannten technischen Richtkonzentration (TRK-Wert). Dieser orientiert sich an der technischen Machbarkeit der Einhaltung einer bestimmten Konzentration eines Stoffs.

"Das bedeutet, dass man keinen Rückschluss auf die Höhe des Krebsrisikos machen kann", erläuterte Bruckner. Soll heißen: Beim TRK-Wert für Chrom(VI), das in der Galvanik zum Einsatz kommt, hat man ein 20-prozentiges Risiko. Im Fall von 1,3-Butadien, das in der Kunststoffherstellung angewendet wird, liegt das Risiko selbst bei Einhaltung des entsprechenden TRK-Werts bei einem Prozent. Arbeitnehmer werde durch die Schwellenwerte Sicherheit vorgegaukelt, lautet Kaskes Kritik.

Die Kammer fordert die Einführung von "risikobasierten Grenzwerten". Dabei legt man einen - für alle Stoffe gleichen - Risikowert fest und leitet davon eine zulässige Höchstkonzentration für jeden Stoff ab. Als Beispiel nannte Bruckner Deutschland, wo dieser Zielwert bei 0,004 Prozent liegt. Damit würde gewissermaßen toleriert, dass eine von 25.000 Personen an arbeitsbedingtem Krebs erkranken könnte.

Auf eine entsprechende Gesetzesnovellierung hätten sich die Sozialpartner bereits geeinigt. Das Papier liege beim Sozialministerium, Kaske wünscht sich eine rasche Umsetzung. Dass die neuen Regeln kommen, habe Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) bereits signalisiert, wurde heute versichert.

apa.at

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