zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 19. September 2017

Neue Lehrangebote für Gesundheitspersonal zum Thema "Gewaltschutz"

Den Gesundheitsberufen kommt beim Schutz von Frauen vor Gewalt eine Schlüsselrolle zu. Um u. a. Ärzte und Pflegepersonal bereits in der Ausbildung dahingehend zu schulen, hat das Ministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) mit Experten Lernhalte für Unis und Fachhochschulen (FH) entwickelt, die Ministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) am Dienstag im Rahmen eines Pressegesprächs vorgestellt hat.

Häusliche und sexualisierte Gewalt sind das größte Gesundheitsrisiko für Frauen und Kinder. Ausgehend vom "Nationalen Aktionsplan - Zum Schutz von Frauen vor Gewalt 2014-2016" der österreichischen Bundesregierung sollen mit den neuen Lehrinhalten "Standards in der Ausbildung von Gesundheitsberufen" zur Thematik der häuslichen und sexualisierten Gewalt festgelegt werden.

Betroffene Frauen brauchen oft sehr lange, um aus Gewaltbeziehungen auszubrechen. Gründe dafür sind nicht nur Scham, sondern auch Unwissenheit, wer und welche Stelle überhaupt vertrauenswürdige Hilfe bieten kann. Auch an die Polizei wenden sich Betroffene nur selten, ältere Frauen haben oft keinen Zugang zum Internet. "Die Frage ist, wie können wir diese Frauen möglichst früh erreichen", sagte Rendi-Wagner. Niederschwellige Beratung sei dringend gefordert.

Erster Kontakt für Hilfesuchende sei oft der Hausarzt oder Betreuer aus dem Pflegebereich, erklärte Rendi-Wagner. Mit der Thematik häuslicher und sexualisierter Gewalt konfrontiert zu werden sei aber ohne entsprechende Schulung schwierig und könne Mediziner oder Pflegekräfte überfordern. Verletzungen wie Prellungen oder blaue Flecken werden zwar behandelt, dass diese aber nicht vom angegebenen Sturz, sondern vom gewalttätigen Partner stammen, wird nicht erkannt oder weiter erfragt. Und dieser sitzt vielleicht als Begleitung der Frau im Wartezimmer.

Die verschiedenen Module der Ausbildungscurricula sollen Menschen zum Thema Gewalt an Frauen sensibilisieren, die zukünftig in Gesundheitsberufen tätig sind. Ihr Wissen und ihre Handlungskompetenzen sollen erweitert werden, außerdem will man die Umsetzung von Rechtsgrundlagen und spezifischen Kooperationen erleichtern. "Das ist ein sehr sensibler Kommunikationsbereich, den muss man lernen", sagte Rendi-Wagner. Geplant sei eine Implementierung der Module ab dem Wintersemester 2019.

Noch für September des heurigen Jahres kündigte Rendi-Wagner eine Gewaltschutzkampagne des Ministeriums unter dem Motto "Der Gewalt keine Chance!" an, im Zuge derer u. a. auf die Frauenhelpline gegen Gewalt aufmerksam gemacht werden soll. Das Ziel sei die niederschwellige Information von Frauen, wo sie Hilfe und Unterstützung holen können. "Die besten Einrichtungen und Unterstützungsleistungen nützen mir nichts, wenn die Frauen nicht Bescheid wissen, dass es diese Einrichtungen gibt", betonte die Ministerin.

Verpflichtenden Therapien für Gewalttäter steht Rendi-Wagner positiv gegenüber: "Man könnte sich das auf jeden Fall vorstellen, dass man hier eine gezielte Täterarbeit in Aussicht nimmt. Da müssen wir auf jeden Fall mehr drauf schauen. Als Frauenministerin ist Opferarbeit für mich an erster Stelle. Täterarbeit ist aber ein ganz wichtiger Teil, mit der sich Experten auseinandersetzen müssen. Was die nachhaltigste Täterarbeit ist, das müssen mir Experten sagen." Eine Arbeitsgruppe im Ministerium zum Thema "opferzentrierte Täterarbeit" gebe es bereits.

In Sachen Opferschutz habe sich in den letzten Jahren einiges getan, hob Marion Guerrero von BMGF hervor. "Wir haben sukzessive den Opferschutz ausgebaut, zum Beispiel mit der jüngsten StPO-Novelle, wo die Gefährderansprache nach einem Betretungsverbot verpflichtend festgelegt worden ist: Ein Gefährder muss von der Polizei darauf hingewiesen werden, wo es Therapiemöglichkeiten gibt und was ihm passiert, wenn er noch einmal gewalttätig wird." Im Vergleich zu früher sei diese Maßnahmen "sehr verstärkt" worden, betonte Guerrero.

Service: Weitere Informationen: www.bmgf.gv.at/gewaltschutz

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben