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APA-Artikel 4. September 2017

Pflege - Sozialwirtschaft fordert mehr Geld

Mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für die in der Pflege Beschäftigten haben am Montag die Arbeitgeber des privaten Pflegebereichs (Sozialwirtschaft Österreich) und die zuständigen Gewerkschaften vida und GPA-djp in einer gemeinsamen Pressekonferenz gefordert. Beziffert wurden die an die Politik gerichteten Forderungen mit 200 Millionen Euro jährlich.

Der Geschäftsführer und der Vorstandsvorsitzende der Sozialwirtschaft, Walter Marschitz und Erich Fenninger von der Volkshilfe, sowie GPA-Vorsitzender Wolfgang Katzian und der stellvertretende vida-Vorsitzende Willibald Steinkellner verwiesen darauf, dass sich der Pflegebedarf in den nächsten 35 Jahren fast verdoppeln werde. Bis zum Jahr 2050 werde sich die Zahl der Pflegegeldbezieher von derzeit rund 450.000 auf fast 750.000 erhöhen. Der Bedarf an Pflegepersonen werde um zwei Drittel auf mehr als 100.000 Personen steigen.

Aus diesem Grund waren sich Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter der privaten Pflege einig, dass man die Arbeitsbedingungen verbessern müsse. Ein Punkt dabei sei bessere Bezahlung für die Pflegepersonen. So gebe es erhebliche Unterschiede in der Bezahlung zwischen dem Pflegepersonal im Krankenhaus und in der Langzeitpflege. Beispielsweise liege das Einstiegsgehalt für eine diplomierte Krankenpflegeperson in Salzburg um 292 Euro pro Monat über jenem im Sozialwirtschafts-KV, in Niederösterreich sind es 264 Euro und in Tirol 167 Euro.

Zudem fordern die Gewerkschafter eine Arbeitszeitverkürzung. Angesichts der körperlich und psychisch anstrengenden Tätigkeit sei eine 40 Stunden-Woche praktisch nicht zu machen und Teilzeit in der Pflege daher die Regel. Die Ausbildungsplätze müssten aufgestockt und der Berufseinstieg erleichtert werden. Die Berechnungen für den Personalbedarf müssten evaluiert werden. Nötig seien auch mehr Zeit für Einschulungen, mehr Schulungen für Krankheitsbilder wie etwa für Demenz und mehr Gesprächszeit für die Patienten. "Pflege braucht Zeit und keine Stechuhr", brachte es Volkshilfe-Geschäftsführer Fenninger auf den Punkt. Und weiter: "Pflege braucht Menschen und keine Roboter." Fenniger betonte, dass Sicherheit vor allem auch soziale Sicherheit bedeuten müsse.

Die Kosten dieser Forderungen bezifferte Marschitz mit einer Größenordnung von 200 Millionen Euro pro Jahr, allerdings noch ohne Berücksichtigung der Demografie. Bei derzeit rund vier Milliarden Euro im System macht das rund fünf Prozent aus. Katzian betonte dazu allerdings, dass ein "eklatanter Sprung" nach oben notwendig sein werde, wenn die Generation der Babyboomer pflegebedürftig werde. Marschitz verwies darauf, dass die Sozialwirtschaft gemeinnützig agiere und keine Rücklagen habe. Deshalb richten sich die Forderungen an die Kostenersätze der öffentlichen Hand.

Finanzieren will die Gewerkschaft das über einen Ausbau des Pflegefonds, der nach den Vorstellungen Katzians über eine "moderate Erbschaftssteuer" gespeist werden sollte. Ein Ausbau des Pflegefonds wird auch von den Arbeitgebern unterstützt, über die Dotierung gebe es allerdings auf Arbeitgeberseite unterschiedliche Positionen, sagte Marschitz.

Der Geschäftsführer der Sozialwirtschaft geht aber davon aus, dass die Politik in der Lage sein werde, die Mittel aufzutreiben - so wie das auch für die Abschaffung des Pflegeregresses möglich gewesen sei. Diesen Beschluss begrüßen sowohl Gewerkschaft als auch Arbeitgeber. Marschitz hält es allerdings für denkbar, dass es kurzfristig zu einem Versorgungsengpass kommen könnte und nicht alle sofort einen Platz in einem Pflegeheim bekommen werden.

apa.at

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