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APA-Artikel 24. August 2017

Sozialversicherung - LSE-Studie 2 - Gegen Selbstbehalte

Selbstbehalte im Gesundheitswesen sind für den Autor der LSE-Studie über die Effizienz der Sozialversicherungen, Elias Mossialos, "Steuern für Kranke". Das System werde damit nicht effizienter, "Kranke werden bestraft".

Die Studie schlägt eine Begrenzung der Selbstbehalte nach dem Einkommen vor. Menschen mit niedrigem Einkommen sollten maximal 1,5 Prozent davon für Selbstbehalte aufwenden müssen, jene mit mittlerem Einkommen 2 Prozent und jene mit hohem Einkommen nicht mehr als 2,5 Prozent.

Zur Entlastung der Spitäler fordert auch diese Studie einen Ausbau des niedergelassenen Bereiches. So sollte es Anreize für Ärzte geben, Praxen in entlegenen, benachteiligten Gebieten zu eröffnen. Eine Möglichkeit dazu wäre etwa ein garantiertes Einkommen für eine gewisse Zeit. Das Geld dafür könnte u.a. durch eine Verlagerung von Leistungen vom Spital zu den niedergelassen Ärzten kommen.

Wenn man die Spitalsaufenthalte um zehn Prozent verringern würde, könnten laut der Studie theoretisch 1,2 Milliarden Euro eingespart werden. Davon können allerdings nur 30 bis 40 Prozent - also 360 bis 480 Millionen Euro - tatsächlich lukriert werden, weil der Rest in Ambulanzen und den Aufbau von Primärversorgungseinheiten investiert werden muss.

Bei den Verwaltungskosten liegt Österreich mit 3,7 Prozent der Gesundheitsausgaben (wobei nur 2 Prozent auf die gesetzliche Krankenversicherung entfallen) hinter Japan an zweiter Stelle. Bei einer möglichen Reduktion von weiteren zehn Prozent könnten noch knapp 46 Mio. Euro eingespart werden.

Bei den Medikamentenkosten im Spital sieht die Studie ein Einsparungspotenzial von knapp 14 bis 27,7 Mio. Euro und bei den Generika wären nochmals 65 Mio. Euro drinnen. Könnte man Betrug und Irrtum im Gesundheitswesen um 30 oder gar 50 Prozent reduzieren, könnte man weitere knapp 80 Mio. bis 132 Mio. Euro einsparen.

Insgesamt kommt die Studie damit bei einer Steigerung der Effizienz auf ein Einsparungspotenzial von 692 Mio. bis 845 Mio. Euro jährlich - und das bei konservativer Schätzung, wie Mossialos betonte. Der Studienautor betonte, dass damit eine Angleichung der Leistungen nach oben sehr gut möglich wäre.

apa.at

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