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APA-Artikel 2. August 2017

Gesundheitsreform - Erfolge laut Gesundheitsplaner absehbar

In der Gesundheitsreform werden in Österreich aktuell erste Erfolge sichtbar. So sinkt die Zahl der Spitalsaufenthalte kontinuierlich. Die Effekte der Primary Health Care-Zentren (PHC, PVEs) würden flächendeckend erst mittelfristig erkennbar werden, sagte jetzt der neue Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), Herwig Ostermann, zur APA.

Die GÖG ist "das" Gesundheits-Forschungsinstitut in Österreich und erstellt beispielsweise den Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) als großen Rahmenplan. Die Veränderungen im österreichischen Gesundheitswesen werden in Monitoringberichten auch begleitend beobachtet. Im Rahmen des GÖG werden auch regelmäßig die Jahresberichte beispielsweise zur Transplantationsmedizin, zur Suchtgiftproblematik und zur In-Vitro-Fertilisierung erstellt.

Zur aktuellen Gesundheitsreform: Über die Primary Health Care-Zentren (PHC, PVEs) ist jahrelang gesundheitspolitisch gestritten worden. Der Wirbel könnte übertrieben gewesen sein. Die Konsequenzen dieser Reformschritte würden flächendeckend nämlich erst mittelfristig erkennbar werden, sagte Ostermann: "Es ist alles noch sehr am Anfang. Wenn es bis 2021 die geplanten 75 Primärversorgungseinheiten (PVEs; Anm.) gibt, werden in ihnen etwa zehn Prozent der Einwohner - rund 800.000 Menschen - medizinisch versorgt werden. Und wenn damit bei den in den PVE versorgten Personen jeder zehnte Besuch in einer Spitalsambulanz wegfällt oder fünf bis zehn Prozent weniger sofortige Facharztkonsultationen erfolgen, dann hat man damit schon etwas erreicht."

Primär um Einsparungen gehe es dabei nicht. "Die Stärkung der Primärversorgung soll die medizinische Versorgung der Menschen besser machen, als sie es bisher war", betonte der Chef der GÖG. Jetzt müsse man zunächst einmal die Pioniere auf dem Gebiet der Primärversorgungszentren mit ihren unterschiedlichen Formen, zum Beispiel jener in Wien-Mariahilf, in Enns in Oberösterreich oder in Mariazell unterstützen und die Erfahrungen in den Aufbau weiterer Zentren und Netzwerke einfließen lassen.

Natürlich spielten auch die finanziellen Rahmenbedingungen eine Rolle, aber das sei nicht das Entscheidende für die Schaffung neuer Strukturen in der Gesundheitsversorgung in Österreich, meinte Ostermann. Trotzdem müsse man mit der derzeitigen Situation zurechtkommen: "Wenn man das Beispiel der Wartezeiten auf CT- und MR-Untersuchungen betrachtet, dann hätte man in den 1980er- und 1990er-Jahren wahrscheinlich unreflektiert gesagt, es müssten einfach die Kapazitäten hochgefahren werden." Heute müsse man sich genau überlegen, wo im Gesundheitswesen investiert und ob die Mittel auch zielgenau und effektiv eingesetzt werden.

Erste Erfolge der Gesundheitsreformen in den vergangenen Jahren seien bereits ersichtlich, meinte Ostermann. So gehe die Zahl der Spitalsbetten pro Kopf und insbesondere die Rate der Spitalsaufenthalte - anders als die vergangenen Jahre in Deutschland - dauerhaft zurück. Österreich sei da immer noch im internationalen Vergleich mit an der Spitze, doch es zeige sich ein positiver Trend: Während der erste Monitoringbericht zur Gesundheitsreform noch für 2012 eine Krankenhaushäufigkeit von 23,2 Aufnahmen je 100 Einwohner und Jahr attestierte, weist der rezente Bericht für 2016 einen Wert von 21,3 Aufnahmen auf. Dies entspricht einer Reduktion von rund acht Prozentpunkten, über den Zeitraum oder etwas mehr als zwei Prozentpunkten jährlich.

"Reformschritte im Gesundheitswesen haben eben eine Vorlaufzeit von fünf bis zehn Jahren", sagte der GÖG-Geschäftsführer. Trotzdem müsse sich das österreichische Gesundheitswesen auch auf aktuelle Neuentwicklungen einstellen: "Wenn es beispielsweise in Wien auf Grund des Zuzugs binnen ein paar Jahren 100.000 junge Menschen mehr gibt, dann wird man sinnvoller Weise die Planung von Geburtenstationen anpassen."

Dabei hätten die Gesundheitsplaner noch in den vergangenen Jahren für Gesamtösterreich gerade wegen der beobachteten demografischen Entwicklung auf diesem Gebiet eine Konzentration auf wenige Standorte und ein Herunterfahren der Kapazitäten empfohlen. Aktuelle Entwicklungen - sei es im Bereich der Bevölkerungsentwicklung, der Häufigkeit von Krankheitsbildern oder auch im Bereich der Technologie - sind eben planerisch nicht immer exakt vorhersehbar, sodass das System einer ständigen Anpassung bedarf.

Ostermann wandte sich gleichzeitig gegen die in gesundheitspolitischen Debatten oft geäußerte Kritik, wonach es für eine seriöse Gesundheitsplanung in Österreich zu wenige harte Informationen gebe: "Mit den Daten aus der leistungsfinanzierten Krankenhausfinanzierung, sowie der ambulanten Leistungsdokumentation, die sowohl den spitalsambulanten Bereich wie auch die Abrechnungsdaten aus den Praxen der Kassenvertragsärzte umfasst, können wir das Aktivitätsniveau im Gesundheitswesen recht gut abbilden."

Man könne mit Analysen auch übertreiben. So stoße man etwa beim Versuch, die durchschnittliche Lebenserwartung der Österreicher bis auf die Ebene der Gemeinden darzustellen, schnell auf Artefakte: "Da kann zum Beispiel schon ein Unglücksfall in einer Familie in einer kleinen, Gemeinde zu dem beunruhigenden Ergebnis führen, dass dort die Lebenserwartung 60 Jahre oder weniger beträgt." - Was bei weitem nicht der Wirklichkeit in Österreich mit einer Lebenserwartung von Männern von rund 79 und bei Frauen von fast 84 Jahren entspricht.

apa.at

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