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APA-Artikel 12. Juli 2017

Mehr Platz für Wiens einzige Spitalambulanz für behinderte Menschen

Was tun, wenn sich eine Krankenhauspatientin keinesfalls für eine Untersuchung hinlegen will? Wie damit umgehen, wenn ein Patient bei der kleinsten Berührung zu schreien beginnt? Im Wiener Spital Barmherzige Brüder ist man mit derlei Situationen bestens vertraut. Dort befindet sich Wiens einzige Ambulanz für schwerbehinderte Menschen. Die Einrichtung wurde nun erweitert.

Seit 2011 gibt es im Ordensspital in der Leopoldstadt die "Mehrfachbehindertenambulanz". Einmal in der Woche, an Mittwochnachmittagen, ist die Spezialabteilung geöffnet. Bis vor kurzem war die besondere Betreuungsleistung in den herkömmlichen Ambulanzbetrieb integriert, nun ist man hausintern umgezogen und hat folglich neue separate Räumlichkeiten zur Verfügung, wie Katharina Reich, die Ärztliche Direktorin der Barmherzigen Brüder, am Mittwoch in einer Pressekonferenz sichtlich stolz berichtete.

Schwerbehinderte Patienten könnten sich oft nur nonverbal ausdrücken, hätten Angst in unvertrauter Umgebung und bräuchten viel Einfühlungsvermögen, beschrieb Reich die Herausforderungen schon bei sehr einfachen Untersuchungen. Das brauche Zeit: "Wir schauen nicht auf die Uhr. Es geht nicht darum, möglichst viele Personen in kurzen Slots durchzuschleusen." Immerhin dauere etwa eine Blutabnahme hier drei- bis viermal so lange als im Regelfall.

Dank der neuen Räume gebe es mehr Platz und mehr Ruhe für Betroffene und deren Angehörige und Betreuer. Angeboten werden vor allem Leistungen, die im niedergelassenen Bereich in dem Umfang nicht abgedeckt werden können. Das reicht von fächerübergreifenden Fallanalysen über Blutabnahmen und EKG bis zu Befunderhebungen vor Operationen. Die Behandlungen finden teils in Sedierung, also unter Zuhilfenahme von Beruhigungsmitteln, statt. Geöffnet hat die Ambulanz jeden Mittwoch ab 13.00 Uhr, Termine müssen in der Regel vorher vereinbart werden. Seit der Eröffnung im August 2011 wurden mehr als 400 Menschen betreut.

Finanziert wird der Betrieb der Mehrfachbehindertenambulanz von Stadt Wien und Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK). Von 2015 bis 2018 werden etwa insgesamt rund 260.000 Euro zur Verfügung gestellt. "Menschen mit Behinderung müssen die gleichen Rechte auf eine gute Gesundheitsversorgung haben", betonte die Kassenchefin. Besonders herausfordernd sei, dass altersbedingte Erkrankungen bei schwer beeinträchtigten Personen um bis zu 20 Jahre früher auftreten können.

Um möglichst viele Informationen zu sammeln und weiterzugeben, gibt es in Wien die sogenannten GeKo-Mappen (Gesundheit und Kommunikation). Darin enthalten sind auch eigene Pässe, in denen wichtige Daten, aber auch sachdienliche Erfahrungen eingetragen werden - beispielsweise, wie man den Patienten am besten anspricht oder wie er sich am ehesten berühren lässt. Laut Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) sollen außerdem bald spezielle Qualifizierungsmodule für medizinisches und therapeutisches Personal angeboten werden.

Was die Nachfrage anbelangt, kann sich die Ärztliche Direktorin durchaus eine Erweiterung vorstellen. "Mittwochs sind wir jetzt schon eher voll", ein zweiter Öffnungstag pro Woche wäre gut. Derzeit erarbeite man entsprechende Dienstpläne. Ob die Ressourcen für eine Ausweitung überhaupt reichen? Man sei über die jetzige Unterstützung sehr froh, würde sich aber freilich über alles, was mehr wird, sehr freuen, bemühte sich Reich - am Podium zwischen Stadträtin und WGKK-Chefin - um eine diplomatische Antwort.

Service: Mehrfachbehindertenambulanz im Krankenhaus Barmherzige Brüder Wien, 2., Johannes von Gott-Platz 1, Bauteil F, 1. Stock; Termine können von Montag bis Freitag zwischen 12.00 und 14.30 Uhr telefonisch unter 01/21121-3186 vereinbart werden

apa.at

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