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APA-Artikel 2. März 2017

INCB-Präsident sieht Frauen in der Drogenpolitik krass benachteiligt

Werner Sipp, der Präsident des Suchtstoffkontrollrats (INCB), sieht Frauen als Ziele der Drogenpolitik stark benachteiligt. Ein Drittel der Drogenkonsumenten weltweit sind weiblich, der Anteil der Frauen, die Therapien bekommen, beträgt nur ein Fünftel, hält der am Donnerstag präsentierte Jahresbericht 2016 des INCB fest. "Vermutlich ist die Lage noch schlechter", befürchtet Sipp.

"Die Fakten sind sehr spärlich. Häufig werden Zahlen zu Behandlungen nicht nach Geschlecht aufgegliedert", sagte der INCB-Präsident zur APA. Er fordert die Regierungen auf, sich des Problems bewusst zu werden, mehr Ressourcen zur Verfügung zu stellen und mehr in Forschung zu investieren.

Der Suchtstoffkontrollrat ortet zahlreiche Gründe für die Benachteiligung der Frauen in Sachen Drogentherapie. "Es gibt zu wenige Angebote für Frauen. Allgemeine Angebote werden eher von Männern angenommen. Frauen wollen sich nicht unbedingt gemeinsam mit Männern behandeln lassen", erläuterte Sipp. "Und ein ganz großes Problem ist die Stigmatisierung von Drogenkonsumentinnen." Dazu komme die Angst Betroffener, eventuell das Sorgerecht für Kinder zu verlieren, wenn sie Drogenkonsum bzw. Abhängigkeit von Suchtstoffen zugeben.

Überproportional hoch ist im Vergleich der Geschlechter die Zahl der Frauen, die von Medikamenten abhängig sind. "Frauen bekommen viel häufiger Suchtstoffe wie zum Beispiel Schmerz- und Beruhigungsmittel verschrieben als Männer. Das hat biologische, aber auch gesellschaftliche Gründe - etwa als Maßnahme gegen Stress. Viele Stoffe werden aber in nicht mehr vernünftiger Weise verschrieben", kritisierte Sipp. "Da müssen die medizinischen Berufe sensibler werden."

Nach dem im INCB-Jahresbericht 2015 kritisierten "Krieg gegen Drogen" bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Behandlung Abhängiger, von Prävention und Aufklärung ortet Sipp in zahlreichen Staaten ein Umdenken. "Den Krieg gegen Drogen schafft man natürlich nicht von einem Tag auf den anderen ab. Aber in vielen Ländern hat sich was getan", konstatierte Sipp. "In China zum Beispiel gibt es neue Zielvorgaben. Abhängigkeit wird zunehmend als Gesundheitsproblem gesehen, gegen das man mit gesundheitspolitischen Maßnahmen vorgehen. Auch in lateinamerikanischen Ländern scheint die Entwicklung in diese Richtung zu gehen."

apa.at

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