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APA-Artikel 14. Dezember 2016

Ärzteprotest: Vorarlberger solidarisch mit dem Rest Österreichs

Die Vorarlberger Ärztekammer hat sich am Tag des österreichweiten Ärzteprotests solidarisch mit ihren Kollegen in den anderen Bundesländern gezeigt. Gestreikt wird in Vorarlberg allerdings nicht, im westlichsten Bundesland setzt man auf Information. "Wir haben ein sehr vernünftiges Verhältnis mit unseren Partnern", erklärte Ärztekammer-Präsident Michael Jonas die Entscheidung gegen einen Streik.

Dramatische Auswirkungen auf Vorarlberg durch die Gesundheitsreform erwartete Jonas deshalb nicht. Sowohl Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP) als auch der Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK), Manfred Brunner, wollten die in Vorarlberg bestehenden "guten" Strukturen nicht zerschlagen und setzten wie die Ärztekammer grundsätzlich auf eine dezentrale Versorgung. Dies sei der Ärztekammer in einem Schreiben versichert worden. Zudem soll die Standesvertretung in Österreichs westlichstem Bundesland weiterhin in die Planung miteingebunden werden, was im neuen Gesetz nicht mehr vorgesehen sei. Vorstellbar wäre etwa ein Beirat, ergänzte Ärztekammer-Vizepräsident Burkhard Walla am Mittwoch bei einem Hintergrundgespräch in Dornbirn. Modellmöglichkeiten würden derzeit geprüft.

Jonas und Walla waren sich trotzdem einig, dass auch das Vorarlberger Versorgungsmodell weiterentwickelt werden muss, um die Patientenversorgung auch in Zukunft sicherzustellen. Dabei vertraue man weiterhin auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Bereits in den vergangenen Jahren habe man zahlreiche Innovationen im Bereich der niedergelassenen Ärzte umgesetzt, spielte Jonas unter anderem auf die Möglichkeiten des erweiterten Jobsharings oder die Einführung eines Dringlichkeitsterminsystems an. "Was wir in Zukunft dringend - auch als Maßnahme gegen den Hausärztemangel in ländlichen Regionen - brauchen, ist die Anstellung von Ärzten bei Ärzten", stellte der Ärztekammer-Chef klar. Unterstützt wird er dabei vom VGKK-Obmann, allein der politische Druck reiche noch nicht aus, so Jonas.

Am österreichweiten Aktionstag beteiligt sich die Ärztekammer dennoch mit einer zweistündigen Informationsveranstaltung im Dornbirner Einkaufszentrum Messepark. "Weil wir das Vereinbarungsumsetzungsgesetz (VUG) für falsch und gefährlich erachten", erklärten die beiden Medizinervertreter. Dabei stellt sich die Vorarlberger Ärzteschaft nicht generell gegen die Einrichtung von Primärversorgungseinheiten (PVE). "Wir brauchen den Greißler und den Hofer (Supermarkt, Anm.)", brachte es Walla auf den Punkt. "In Ballungszentren können Primärversorgungszentren durchaus sinnvoll sein, um die Spitalsambulanzen zu entlasten."

Scharfe Kritik übten die beiden Standesvertreter aber an der Absicht, die bis 2025 frei werdenden Vertragsstellen im niedergelassenen Bereich - immerhin 70 Prozent der jetzigen Hausärzte - zu drei Viertel in PVE umzuwandeln und gleichzeitig sowohl die Ärzte aus der Stellenplanung auszuschließen und die Bedarfserhebung für Ambulatorien fallen zu lassen. "Aus diesen Maßnahmen wird klar, dass damit großen wirtschaftlichen Betreibern die Türen geöffnet werden sollen", sagte der Ärztekammer-Präsident. Die Wahlfreiheit und langfristige Arzt-Patienten-Beziehung bleibe dabei auf der Strecke, das Herzstück der Forderungen der Vorarlberger Ärztekammer.

apa.at

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