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APA-Artikel 14. November 2016

Steirischer Gesundheitsplan 2 - Standorte sollen nachgenutzt werden

Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) sagte bei dem von weit über 1.000 Personen besuchten Dialogtag in Graz, das Ziel sei es bis 2035, dass "die Steirer gesünder sind und länger leben als der Rest der Welt. Das klingt überheblich, ist aber naheliegend". Wenn man bedenke, dass z. B. in den USA die Gesundheitsversorgung wohl zurückgefahren werde, dann sei der Anspruch nicht mehr anmaßend.

Sich ändernde Rahmenbedingungen erforderten es, sich einen Plan zurechtzulegen, wie mittelfristig das Ziel der hoch qualitativen flächendeckenden Versorgung aufrecht zuerhalten sei, sagte Drexler. "Dazu müssen sich Strukturen ändern. Das geht nur, wenn alle an einem Strang und in eine Richtung ziehen". Man habe einen ganzheitlichen Reformansatz und denke nicht nur in einzelnen Facetten, z. B. nur im Facharzt-Bereich. Das Ziel "Sieben Regionen, sieben Leitspitäler" heiße deutlich weniger Standorte. "Wir werden uns auch bemühen, alle bestehenden Standorte einer sinnvollen Nutzung zu unterziehen. Umso weiter zeitlich entfernt, desto unkonkreter, manches wird im Gehen entstehen", sagte der Landesrat.

Der Bürgermeister von Mariazell, Manfred Seebacher, schilderte die Umwandlung "seines" LKH in ein ab 1. Oktober arbeitendes Pilotprojekt Gesundheitszentrum. "Die Ärzte dort müssen ein Notfalldiplom haben und Ultraschall- und Röntgenaufnahmen interpretieren können". Er habe bei den Entscheidungsträgern argumentiert, der Wallfahrtsort habe zwar nur 4.000 Bürger, aber 700.000 bis 800.000 Gäste und Pilger im Jahr. Da könne man auf eine Gesundheitsversorgung nicht verzichten.

Nun gebe es eine 24-Stunden-Ambulanz und das GSZ sei von Dienstag bis Sonntag von 9.00 bis 19.00 Uhr geöffnet. Den Montag wolle man aber auch noch haben. "Das Angebot im GSZ: Abklärung , Labor, Ultraschall, Röntgen - es läuft ganz gut. Wir werden auch Physiotherapie anbieten und psychotherapeutische Behandlung sowie kinderärztliche und gynäkologische Beratung, ein bis zwei Mal im Monat". Der Bürgermeister legte Wert auf die Feststellung, dass das GSZ keine Konkurrenz zum niedergelassenen Bereich sei: "Im Gegenteil: Wir brauchen ihn dringend."

Die Obfrau der steirischen GKK, Verena Nussbaum, sagte u.a., dass man die Menschen ausführlich in den geplanten Regionalkonferenzen informieren werde. Nussbaumer sprach das Problem mit dem dräuenden Mangel an Landärzten an: "Nur wenige junge Ärzte streben eine Landarztpraxis an, es stehen viele Pensionierungen heran, da schließt sich der Kreis zu den Gesundheitszentren". Gesundheit dürfe jedenfalls niemals zum Luxus werden.

Patientenombudsfrau Renate Skledar, die beim ersten Dialogtag noch skeptisch ("Verirren im Angebotsdschungel", Anm.) gewesen war, nannte den Gesundheitsplan nun "engagiert, kompetent und vor allem ein Vorhaben, das den Bedürfnissen der Menschen entspricht".

Ärztekammer Steiermark-Präsident Herwig Lindner sagte, die vom Bund geplante Umsetzungsgesetzgebung sei eine große Gefahr, dass nämlich der niedergelassene Hausarzt in der Struktur aufgesaugt werde. "Wer ist näher am Patienten als der Hausarzt, der einige der Generation der Familie kennt?" In der steirischen Planung seien alle Gesundheitsberufe einbunden, was auf der Bundesebene leider Gottes nicht passiere. "Das ist ein ganz wichtiger Schlüssel, dass das Projekt gelingen kann", so Lindner.

Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk: "Veränderung heißt auch, den einen oder anderen Standort zu schließen und eine entsprechende Nachnutzung zu installieren. In den Regionalkonferenzen müssen wir Klartext sprechen und nicht herumeiern". AK-Präsident Josef Pesserl, früher selbst an der Spitze der GKK: "Es braucht eine abgestufte und in sich schlüssige Versorgungsstruktur. Der Gesundheitsplan 2035 zeigt in richtige Richtung".

Zur Information der Bevölkerung sollen in den sieben Regionen regionale Gesundheitskonferenzen abgehalten werden. Die erste ist mit Mittwoch, 16. November, von 17.00 bis 19.00 Uhr in der Steinhalle Lannach angesetzt. Die letzte erfolgt am 7. Dezember zur gleichen Uhrzeit in der Veranstaltungshalle Lieboch.

(S E R V I C E - Nähere Informationen zu u.a. den Regionalkonferenzen sind unter http://www.gesundheitsplan-steiermark.at abrufbar.)

apa.at

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